Grosser Gemeinderat
«Zug ist kulturell kein zweites Zürich, doch klein und fein»: Stadtparlament verabschiedet neue Kulturstrategie

Nach grossem Ärger wegen einer Stipendienvergabe beauftragte der Stadtrat die Fachstelle Kultur mit der Überarbeitung der Kulturstrategie. Viele Diskussionen später kann die neue Kulturstrategie endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Tijana Nikolic
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Aussenaufnahme des Casino Zug. Ansicht von der Artherstrasse her gesehen. 7.November 2006 Neue ZZ/Martin Heimann

Aussenaufnahme des Casino Zug. Ansicht von der Artherstrasse her gesehen. 7.November 2006 Neue ZZ/Martin Heimann

Martin Heimann (

Der Grosse Gemeinderat (GGR) unterbreitete am Dienstagabend die Kulturstrategie 2020 bis 2032, welche vom Stadtrat in seiner Sitzung vom 14. Dezember 2021 verabschiedet wurde und als Grundlage zur Entwicklung des städtischen Kulturförderreglements dient. Die Strategie wurde eindeutig mit 25-Ja-Stimmen zu 12-Nein-Stimmen und einer Enthaltung zur Kenntnis angenommen.

Die SVP-Fraktion stellte allerdings Antrag auf negative Kenntnisnahme. Sie störten sich dabei am Ablauf der ganzen Angelegenheit betreffend der Kulturstrategie 2020-2032. «Dem Rat wurde schriftlich versprochen, dass noch im Jahr 2021 ein entsprechendes Kulturreglement vorgelegt wird. Dies, nachdem der GGR mehrfach betont hat, dass er dies als prioritär erachtet», sagte Gemeinderat Roman Küng (SVP).

Da der GGR eine dreimonatige Fristerstreckung gewährte, gelang dies nicht. «Danach wurde allerdings lediglich ein Vernehmlassungsverfahren zu einem völlig unbrauchbaren Reglement gestartet. Nach der vernichtenden Kritik daran wurde wieder auf die alte Fahrbahn gewechselt. Es wird zuerst eine Strategie gemacht und somit das Versprechen gegenüber dem GGR gebrochen», führte Küng weiter aus. Und dies sei nicht die feine englische Art.

Laut der FDP habe der Stadtrat mit der Kulturstrategie 2020-2032 einen soliden Plan, der klare Massnahmen und Aktionsfelder definiert und die Rolle und die Aufgaben der Stadt regelt. Für Gemeinderat Etienne Schumpf von der FDP sei es zwar unrealistisch, dass Zug kulturell gesehen zu einem zweiten Zürich oder Basel werde. Aber: «Wir haben in Zug viele Möglichkeiten und grosse Chancen, um im Kulturbereich klein, aber fein zu sein.»

Eine fast unendliche Geschichte

Bereits mit Beschluss vom Februar 2020 beauftragte der Stadtrat die Fachstelle Kultur mit der Überarbeitung der Kulturstrategie aus dem Jahr 2009. Dies, nachdem ein Vorgang der Kulturkommission für politischen Ärger sorgte. Denn das Gremium sprach damals einem Kommissionsmitglied ein Atelierstipendium zu.

Dieser Vorfall löste im Nachgang eine grosse Diskussion über die Kulturförderung in der Stadt Zug aus und mündete in eine Motion, welche die Grünliberalen und die SVP einreichten. Der Stadtrat machte deswegen ebenfalls aus der Stabstelle für die Kultur eine Abteilung und bestimmte drei neue Mitglieder für die Kulturkommission.

Mitwirkung mit fast 100 Kulturschaffenden

Um das Kulturangebot der Stadt weiterzuentwickeln und die Vernetzung der Kulturschaffenden zu stärken, wurde die Kulturstrategie mit den drei Ebenen Kulturpolitik, Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden überarbeitet. Um dabei ein möglichst breites Feld an Bedürfnissen abzudecken, öffnete man das Feld für eine Mitwirkung.

Politikerinnen und Politiker, eine Spurgruppe mit Vertretenden aus der Zuger Gesellschaft, rund 100 Kulturschaffende sowie Mitarbeitende aus Bildung, Kommunikation und Soziales beteiligten sich daran. Um die drei Kernziele umzusetzen, wurden sechs Aktionsfelder definiert: nämlich Transparenz und Wertschätzung, Kulturräume, kulturelle Teilhabe, Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit sowie Ausstrahlung. Am 30. März 2022 stellt die Stadt Zug ihre neue Kulturstrategie der breiten Öffentlichkeit vor.