Obwalden
Bruno Abächerli brachte die Obwaldner Landwirtschaft sogar nach Berlin

Fast sein ganzes Berufsleben widmete er sich der Obwaldner Landwirtschaft. Nun geht Bruno Abächerli in Pension. Er hat die tiefgreifenden Veränderungen an vorderster Front miterlebt.

Matthias Piazza
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Bruno Abächerli in seinem Büro, das er bald räumt.

Bruno Abächerli in seinem Büro, das er bald räumt.

Bild: Urs Hanhart (Sarnen, 16. Dezember 2021)

Ende Jahr geht im Amt für Landwirtschaft und Umwelt an der St.-Antoni-Strasse in Sarnen eine Ära zu Ende. Nach 35 Jahren in diesem Amt, davon 22 Jahre als deren Chef, geht Bruno Abächerli in Pension. Er tut dies mit gemischten Gefühlen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. «Einerseits freue ich mich auf die Pension und dass mehr Zeit für meine Hobbys wie Langlauf, Wandern und Biken bleibt. Aber am meisten werde ich meine teils langjährigen Mitarbeitenden vermissen», meint der 65-jährige Giswiler.

Er blicke zurück auf eine spannende und hektische Zeit, die geprägt gewesen sei von tiefgreifenden Umbrüchen in der Landwirtschaft.

«In den Beratungsgesprächen haben mir die Landwirte und Bäuerinnen ihre Sorgen und Nöte erzählt. Es war mir immer ein Anliegen, diese ernst zu nehmen. Gemeinsam suchten wir jeweils nach Lösungswegen.»

Die vielen Reformen würden die Bauern beschäftigen. Der Wandel von einer staatlich stark regulierten Landwirtschaft mit Absatz- und Preisgarantien sowie der Milchkontingentierung hin zu mehr Ökologie und Marktausrichtung war tiefgreifend und sehr oft mit teuren Investitionen verbunden.

«In der Landwirtschaft ist das einzige Beständige die Veränderung.»

Dies könne man auch am Verschwinden der Bauernhöfe festmachen. «Als ich 1986 ins Amt für Landwirtschaft eintrat, damals noch als Lehrer am Berufs- und Weiterbildungszentrum Giswil, zählte man in Obwalden rund 1200 Landwirtschaftsbetriebe. Jetzt sind es noch halb so viele.» Die Gründe seien zahlreich. Oft wolle keines der Kinder den Hof übernehmen, da bei der tiefen Einkommenslage der Landwirtschaft die langfristige Existenzfähigkeit des Landwirtschaftsbetriebes gefährdet sei oder grössere Investitionen an Stallgebäuden anstehen. Sein Job sei auch ein bisschen eine Gratwanderung gewesen, im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Obwaldner Bauern und dem Durchsetzen von Gesetzen von Bund und Kanton.

Zentralschweiz zu Gast an der «Internationalen Grünen Woche in Berlin»

Sein grosses Fachwissen und seine langjährige Erfahrung führten ihn 2013 bis nach Berlin. Unter seiner Leitung präsentierte sich die Zentralschweiz und ihre Landwirtschaft an der «Internationalen Grünen Woche in Berlin», der weltweit grössten Messe für Lebensmittel und Ernährung, mit 1600 Ausstellern aus 67 Ländern und einer halben Million Besuchern. «Wir bauten einen riesigen Stand auf mit dem Vierwaldstättersee als Hintergrund und der Nachbildung der Kapellbrücke.» Ins Zentrum habe man vor allem die Käsespezialitäten aus der Region gestellt und die Zentralschweiz als Tourismusregion angepriesen.

Sein Nachfolger André Windlin werde die Agrarpolitik sicher stark beschäftigen, ist Bruno Abächerli überzeugt. Er wünsche sich, dass unsere Landwirtschaft zukünftig mit fairen Preisen für ihre Hauptprodukte Milch und Fleisch ein angemessenes landwirtschaftliches Einkommen erzielen könne.

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