Aus der ganzen Schweiz angereist: Trachtenleute erobern Stans

Wer am Samstag durch Stans spazierte, konnte fast jede Tracht der Schweiz bewundern. Die Delegiertenversammlung der Schweizerischen Trachtenvereinigung zog ganze 450 Trachtenleute nach Nidwalden.

Franziska Herger
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Frage 1 / 6

Welche Tracht trägt Bernadette Nef?

Trachtengruppe Neuendorf
Luzerner Sonntagstracht
Trachtengruppe Buechibärg
Innerrhoder Werktagstracht

Die asiatischen Touristen am Bahnhof Stans staunten am Samstag nicht schlecht, als ganz unerwartet ein halber Trachtenumzug an ihnen vorbeizog. Welle um Welle buntbekleideter Trachtenleute strömte aus der Bahnhofsunterführung, mit gestärkten Hauben, bestickten Schultertüchern und Bommeln am Kragen.

450 Delegierte der Schweizerischen Trachtenvereinigung (STV) versammelten sich zum ersten Mal in der fast hundertjährigen Verbandsgeschichte in Nidwalden. Vertreten waren Trachten aus 25 Kantonen, mit Ausnahme von Waadt. Sofort ins Auge stach der reich verzierte Hut der Walliser Sonntagstracht von Aline Leitzinger Imstepf. «Auf dem Hut sind 40 Meter gefaltetes Band aufgenäht», erzählte die Pensionärin aus Naters. Sie ist seit 60 Jahren im Trachtenverein. «Die Tracht ist für mich einfach das Kleid der Heimat.» Ganz billig sei dieses Kleid aber nicht. «Mit Garnitur und Schuhen kostet die Tracht 5000 bis 7000 Franken.»

Überalterung führt zu sinkenden Mitgliederzahlen

Bernadette Nef aus Gontenbad hat ihre Innerrhoder Werktagstracht selber gemacht. Die Trachtenschneiderin hat das Handwerk von ihrer Grossmutter gelernt. Die Nachfrage sei gut. «In den letzten Jahren ist das Brauchtum wieder mehr aufgekommen.»

Trotzdem seien die Mitgliederzahlen des STV sinkend, sagte OK-Präsident Willy Schuldt von der Kantonalen Trachtenvereinigung Nidwalden. «Überalterung macht uns zu schaffen. Für Junge gibt es so viele alternative Angebote wie Schwingen oder Jodeln.» Um die Finanzierung des noch 15 000 Mitglieder starken Vereins weiterhin sicherzustellen, erhöhten die Delegierten an der Versammlung denn auch den Mitgliederbeitrag – um einen Fünfliber auf 18 Franken. «Das ist, nach 37 Jahren eigentlich nichts», so Willy Schuldt.

Dass man auch später im Leben noch zur Tracht finden kann, beweist Marie-Thérèse Deletraz aus Genf. «Das ist ein neues Hobby», meinte die 75-Jährige in Genfer Sonntagstracht. «Mir gefällt daran die Verbindung zu meinen Wurzeln und der Geschichte unseres Landes.» Auch Berta Windisch-Zwimpfer aus Liestal in Basel war schon fast pensioniert, als sie einer Trachtengruppe beitrat. Als gebürtige Oberkircherin selbstverständlich derjenigen der Luzerner Vereinigung beider Basel. Deletraz sagt:

«Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist schön. Man wird wahrgenommen. Da lachen einen am Bahnhof Leute an, die einen sonst nie anschauen würden.»

In der Tracht ergäben sich immer schöne Gespräche mit Unbekannten, findet auch Beat Kobel aus Schüpfen in Bern. Der Inhaber eines Trachtengeschäfts trägt schon seit 50 Jahren die Berner Männertracht und ist seit vielen Jahren immer wieder an der Delegiertenversammlung dabei. «Es ist immer wieder faszinierend, die vielen Trachten aus der ganzen Schweiz zu sehen und schön, langjährige Bekannte zu treffen.»

Gérald Buchs aus Plaffeien in Fribourg steckt schon in seiner dritten oder vierten Greyerzer Sennentracht. «Ich trage sie recht oft, zum Tanzen und an Feste.» Die Tracht zeige seine Verbundenheit zu seiner Region, so der 64-Jährige. «Man ist schon stolz darauf.»