Nidwaldner Museum Winkelriedhaus
Wegweisende Skulpturen von Josef Maria Odermatt

Das Nidwaldner Museum hat eine Attraktion mehr. Mit Filmerinnerungen wurde Josef Maria Odermatts Skulpturengruppe «Der Weg» eingeweiht.

Romano Cuonz
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Josef Maria Odermatts Skulpturen stehen wie «Wegweiser» vor dem zweiten Eingang zum Museumshof des Winkelriedhauses. Das Kunstwerk heisst «Der Weg».

Josef Maria Odermatts Skulpturen stehen wie «Wegweiser» vor dem zweiten Eingang zum Museumshof des Winkelriedhauses. Das Kunstwerk heisst «Der Weg».

Bild: Romano Cuonz (Stans, 8. September 2022)

Auf der Matte vor dem Hintereingang zum Nidwaldner Museum Winkelriedhaus, am Veloweg Richtung Oberdorf, stehen seit kurzem neun eherne Wächter. Passanten scheinen sie den Weg zu weisen: hin zur Kunst. Dass es sich dabei um eine Skulpturengruppe des berühmten Nidwaldner Eisenplastikers Josef Maria Odermatt handelt, passt. Die Arbeit trägt den Titel «Der Weg». Eigentlich gehören dazu zwölf aus Eisen geschweisste, körperhohe Stelen. Josef Maria Odermatt hatte sie 1994 eigens für den ersten Stock des Stanser Salzmagazins hergestellt, als er dort eine Einzelausstellung konzipierte.

Vor dem Museum stehen nur neun der ursprünglich zwölf Eisenstelen. Drei weitere verblieben im Depot.

Vor dem Museum stehen nur neun der ursprünglich zwölf Eisenstelen. Drei weitere verblieben im Depot.

Bild: Romano Cuonz (Stans, 8. September 2022)

Damalige Besucherinnen und Besucher wollten in der Gruppe, die ganz unterschiedliche Grössen aufweist, ein Paar mit Kind erkennen, behütet von neun Wächtern. Vor dem Museum stehen allerdings nur neun mittelgrosse Stelen. Drei weitere sind im Depot gelagert. Im Rahmen von «Sommer im Museum» wurde die neue Attraktion eingeweiht.

Grosszügiges Geschenk grosszügig platziert

An der Feier verlieh Carmen Stirnimann, Leiterin des Museums, ihrer grossen Freude über die gelungene Platzierung des neuen Werks Ausdruck:

«Der Standort beim Winkelried auf der Kollegiseite schien uns optimal.»

Am Veloweg Richtung Oberdorf und sehr nahe am Ursprungsort, der «Huob», markiere die Skulpturengruppe den neuen zweiten Eingang zum Museumshof. «Benutzerinnen und Benutzer des Naherholungsgebiets rund ums Museum haben die Skulptur gut aufgenommen», weiss Stirnimann. Discgolfspieler etwa begrüssten die Stelen als tolle Hindernisbahn und titulierten sie liebevoll mit «Fischstäbli»!

Wie Nidwalden zu diesem Werk kam, ist eine erfreuliche wie spannende Geschichte. Vor gut zwei Jahren kam Josef Maria Odermatts Witwe Regula aufs Museum zu. Ihr Angebot: Im Zusammenhang mit der Planung des Nachlasses dürfe Nidwalden als Geschenk einige weitere Werke in seine Sammlung aufnehmen. Beim Besuch auf Odermatts Heimwesen Huob wählte die Kommission mit dem «Weg» ein richtig grosses Werk aus. «Noch vor Ort entschieden wir uns, dass es für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollte», erinnert sich die Museumsleiterin. Es folgte eine längere Planungs- und Bewilligungsphase. Mehrere Personen unterstützten dabei das Museum mit ihrem grossen Wissen: Lea und Taïs Odermatt, Pia Bürgi, Rochus Odermatt, Jos Näpflin und Roland Heini. «Gemeinsam gelang es uns, die neue Skulptur ganz im Sinne ihres Schöpfers aufzustellen», bedankte sich Carmen Stirnimann.

Nochmals lebte das «Marie» auf

Eine sympathische Idee war es, Josef Maria Odermatts Tochter Thaïs Odermatt den Auftrag zu geben, ihrem Vater eine Hommage zu widmen. Die Filmerin tat es mit ihren Mitteln. «Ich habe alte und neue Filme über meinen Vater, von 1962 bis kurz vor seinem Tod, hervorgesucht und bearbeitet», erzählt sie. «Dabei versuchte ich, Vaters Weg chronologisch aufzuzeigen.» Wie nun Filme aller Formate liefen, lebte das «Marie» – so nannte man den Kunstschmied in seiner Heimat liebevoll – nochmals auf.

Als junger Schmied, der im Fernsehstudio eine Forelle blau kochen sollte und keine Ahnung davon hatte. Als bodenständiger Künstler, der seine Landsleute, mal verschlossen, mal aggressiv in Plastiken schmiedete. Typisch für ihn eine Aussage vor der Kamera:

«Ich kann der Gewalt in dieser Welt
nur mein Schmieden entgegensetzen.»

Auch dem «Rebellen», der Nidwaldens Behörden in Rage zu bringen wusste, begegnete man nochmals. 1969 luden Odermatts die «Wiener Aktionisten» ins von ihnen mitgegründete «Chäslager» ein. Die berüchtigte Gruppe brach in Stans jegliche Tabus und sorgte für einen waschechten Skandal im Urkanton. Das Verdikt der Regierung: «Entweder die Odermatts lassen die Hände davon, oder das ‹Chäslager› wird behördlich geschlossen!»

Für die grosse Überraschung des Abends sorgte der schweizweit bekannte Filmer Fredi Murer. Er war zur Einweihung der Skulpturengruppe nach Nidwalden gekommen. Während des Films, in dem der Epilog aus seinem «Grünen Berg» aufschien, erzählte er über die grosse Freundschaft, die ihn mit Josef Maria Odermatt und seiner Familie verbindet.

Hinweis: Die Skulpturengruppe «Der Weg» von Josef Maria Odermatt ist vor dem Winkelriedhaus Stans platziert und jederzeit frei zugänglich.