Zeugenaufruf
Bankomat-Sprenger von Buchrain flüchteten laut Zeugen in einem roten sowie in einem dunklen Auto

Schon wieder haben Bankomaten-Sprenger zugeschlagen. Am Montagmorgen sprengen Unbekannte einen Automaten in Buchrain. Die Polizei sucht Zeugen und die Raiffeisen hält sich bedeckt.

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So sieht es in Buchrain am frühen Morgen aus

Video: PilatusToday

Unbekannte haben in der Nacht auf Montag an der Schiltwaltstrasse in Buchrain bei der Landi einen Bankomaten gesprengt. Die Tat ereignete sich um 1.29 Uhr, wie die Polizei mitteilt. Bilder der Polizei des Tatortes zeigen, wie auf dem Vorplatz des Bankomaten etliche Geldnoten herumliegen, zum Beispiel 200er-Noten.

Zeugenaufruf

Die Luzerner Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe und sucht Zeugen:

• Wer hat verdächtige Beobachtungen im Umfeld vom Bankomaten an der Schiltwaldstrasse gemacht?
• Wer hat Feststellungen bei der Flucht der unbekannten Täter gemacht?
• Wer kann Angaben zu den gesuchten Autos, einem dunklen und einem roten Personenwagen, bzw. deren Fluchtrichtung machen?

Personen, welche Hinweise zum Vorfall machen können, werden gebeten, sich bei der Luzerner Polizei zu melden, Telefon 041 248 81 17.

Bilder der mutmasslichen Täterschaft können nicht zur Verfügung gestellt werden.

Warum die Täter diese Noten nicht mitgenommen haben, ist unklar. Denkbar wäre, dass diese Noten durch die Explosion beschädigt wurden oder aber, dass die Täter keine Zeit hatten, sie einzusammeln - oder, ob sie sich nicht getrauten, sich die nötige Zeit dafür zu nehmen. Oder vielleicht haben die Panzerknacker die Noten in der Dunkelheit am Boden auch ganz einfach nicht gesehen.

«Ein Teil der liegen gebliebenen Noten war noch ganz, andere beschädigt. Wieso die Täterschaft nicht alle Noten mitgenommen hat, ist uns nicht bekannt», erklärt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei auf Anfrage.

Auf dem Vorplatz des gesprengten Bankomaten lagen nach der Explosion etliche Geldnoten herum.

Auf dem Vorplatz des gesprengten Bankomaten lagen nach der Explosion etliche Geldnoten herum.

Screenshot Bild Luzerner Polizei

Die Polizei teilt am Montagnachmittag mit: «Die mutmasslichen Täter sind gemäss ersten Zeugenaussagen mit zwei Autos, einem dunklen und einem roten Personenwagen, geflüchtet. Verletzt wurde niemand.» Es sei umgehend eine Fahndung eingeleitet und das Gebiet kontrolliert worden.

Der Delikts- und der Schadensbetrag werden derzeit abgeklärt. «Solange die Täterschaft nicht gefasst ist, kommunizieren wir jedoch nicht, wie viel Geld gestohlen wurde, denn das ist Täterwissen», erläutert der Mediensprecher.

Spuren werden verglichen

Ob es eine Verbindung zu Bancomatsprengungen in der Vergangenheit gibt, wird geprüft. «Die vorhandenen Spuren werden ausgewertet und mit ähnlichen Vorfällen, etwa der Sprengung im Bahnhof Luzern im Dezember 2021 sowie weiteren Fällen in der Schweiz abgeglichen. Ob ein Zusammenhang besteht oder nicht, lässt sich derzeit nicht sagen», so Wigger.

Neben den Einsatzkräften und Spezialisten der Luzerner Polizei waren auch Angehörige von fedpol und des Forensischen Institutes Zürich vor Ort im Einsatz.

Das sagt die betroffene Bank

Der gesprengte Bankomat gehört der Raiffeisen Bank. Auf Anfrage teilt die Medienstelle schriftlich mit:

«Aus sicherheitstechnischen Gründen gibt Raiffeisen keine Auskunft zu konkret getroffenen Schutzmassnahmen ihrer Bankomaten oder internen Vorgängen im Zusammenhang mit Bankomatsprengungen. Generell kann gesagt werden, dass das Sicherheitsteam von Raiffeisen Schweiz die aktuelle Sicherheitslage detailliert analysiert und daraus allfällige Massnahmen ableitet. Zudem steht Raiffeisen in regelmässigem Kontakt mit der Polizei und Bankomat-Lieferanten, um weitere Sicherheitsmassnahmen umzusetzen. Die Sicherheitsstandards der Raiffeisenbanken sind branchenüblich und auf dem aktuellsten Stand.»

Ob der Bankomat an diesem Standort ersetzt wird, sei noch nicht klar. «Die Raiffeisenbank Luzern wird den Entscheid über das weitere Vorgehen nach einer sorgfältigen Situationsanalyse fällen.»

Mediensprecher Joël Grandchamp führt noch aus: «Dieses Prozedere bis zum Entscheid wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Bankomat wird also nicht in den nächsten Tagen bereits ersetzt sein.»

Bancomat in Buchrain war schon einmal Ziel

Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Fälle von Bankomaten-Sprengungen häufen sich – auch im Kanton Luzern. Erst im Dezember ereigneten sich in der Nacht am Bahnhof Luzern filmreife Szenen: Die Täter sprengten dort einen Bankomaten in die Luft und flüchteten mit Rollern. Beim Vorfall kam es ausserdem zu einem Handgemenge mit zwei Mitarbeitenden einer Sicherheitsfirma. Die Ermittlungen bei diesem Fall laufen noch, zurzeit gibt es keine neuen Erkenntnisse, teilte die Luzerner Polizei am Montag auf Anfrage mit.

Auch der Bankomat bei der Landi in Buchrain war schon einmal Ziel von einer Attacke: Im April 2019 versuchten Unbekannte den Bankomaten zu knacken, blieben damals aber erfolglos. In der selben Nacht machten sich Kriminelle auch bei einem Bankomaten bei der Landi an der Kantonstrasse in Triengen ans Werk. Dort wurde das Rolltor zu einer Bankfiliale aufgebrochen. Die Täter versuchten, im Inneren der Filiale einen Bankomaten zu knacken, flohen aber auch da ohne Beute.

23 Fälle in einem Jahr

Gemäss Angaben der Bundespolizei Fedpol kam es im vergangenen Jahr schweizweit zu 23-Bankomat-Sprengungen. Durchschnittlich wird in der Schweiz also alle 16 Tage ein Bankomat gesprengt. Unsere Karte zeigt, wo diese 23 Bankomaten gesprengt wurden.

Die Tatorte der 23 Fälle im Jahr 2021

Bei den auf der Karte eingezeichneten Fällen setzten die Täter grösstenteils Sprengstoff ein. Früher liessen die Täter häufig Gas in das Gehäuse ein und zündeten es an. Doch viele Bankomaten sind mittlerweile mit Detektoren ausgerüstet, die das Gas automatisch neutralisieren. (rem/pl/mme/spe)

Gesprengte Bankomaten

mit Gas
mit Sprengstoff
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