Stadt Luzern
Deshalb taucht «Gütsch»-Besitzer Kirill Androsov in den «Pandora Papers» auf

Der russische Unternehmer Kirill Androsov schloss vor Jahren ein Millionengeschäft mit einem Offshore-Anbieter ab, der mittlerweile für fehlende Compliance kritisiert wird. Androsov betont, rechtmässig gehandelt zu haben.

Simon Mathis
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«Gütsch»-Besitzer Kirill Androsov in der Stadt Luzern.

«Gütsch»-Besitzer Kirill Androsov in der Stadt Luzern.

Bild: Pius Amrein (14. Juli 2021)

Es geschah 2014 in Zürich. Kirill Androsov, dem seit einigen Monaten das Stadtluzerner Hotel Château Gütsch gehört, schloss gemeinsam mit zwei anderen russischen Unternehmern ein Geschäft über rund 70 Millionen Dollar ab. Dies berichtet die britische Tageszeitung «The Guardian». Die Geschäftsleute hätten komplexe Geschäftsstrukturen aufgebaut.

Die drei Russen schlossen den Vertrag mit dem Singapurer Offshore-Anbieter Asiaciti Trust ab; es handelt sich um ein Unternehmen, das durch die neuesten Enthüllungen der Pandora Papers unter Druck geraten ist. Laut den Papers hat «Asiaciti» angeblich Vorgaben zur Anti-Geldwäsche und Terrorabwehr missachtet. Der «Guardian» betont aber auch, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Kirill Androsov in irgendein Fehlverhalten verwickelt sei. Im Gegenteil: Die Währungsbehörde Singapur habe Androsov und seine beiden russischen Kollegen als «risikoreiche Kunden» für Asiaciti interpretiert.

Laut «Tages-Anzeiger» zeigen die Pandora Papers, dass Androsov von Singapur aus mehr als ein Dutzend Offshore-Firmen auf Samoa oder den Jungferninseln kontrollierte. Der «Guardian» zitiert Androsovs Anwälte wie folgt:

«Herr Androsov bestreitet entschieden, dass seine Geschäfte in irgendeiner Weise unzulässig oder rechtswidrig sind.»

Er sei auch niemals Ziel krimineller Anschuldigungen gewesen – nirgendwo auf der Welt. Androsov halte sich «vollständig an alle relevanten rechtlichen und regulatorischen Anforderungen in Singapur» und andernorts.

«Château Gütsch» sei ein «Langzeit-Investment»

Auf Anfrage unserer Zeitung schreibt Kirill Androsov, dass das «Château Gütsch» für ihn ein «Langzeit-Investment» sei. Er habe den Kauf mit eigenen Mitteln und teilweise mit einem Hypothekendarlehen einer Schweizer Bank getätigt. «Meine Familie und ich wohnen seit 2017 in Singapur», so Androsov. Er arbeite im Investment-Management-Geschäft, das von der Währungsbehörde Singapurs reguliert sei. Zurzeit ist Androsov Geschäftsführer der «Atlas Asset Management PTE Ltd».

Kirill Androsov war von 2008 bis 2010 Stabschef des Russichen Premiers. Ab 2011 war er Vorstandsvorsitzender der russischen Fluggesellschaft Aeroflot, bis er 2017 nach Singapur zog. Mit dem Kauf des «Gütsch» sei Kirill Androsov eine «langfristige Verpflichtung» eingegangen, betont er – und verweist auf die Restaurierungsarbeiten, die diese Woche begonnen haben. Die Wiedereröffnung des Restaurants und Hotels soll im Januar 2022 erfolgen.

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