«Mediterrane Nächte»
Sommernächte in Luzern werden nun doch länger – zumindest in den Gartenbeizen

Das Luzerner Stadtparlament hat das FDP-Postulat überwiesen, das einen Pilotversuch mit längeren Öffnungszeiten für Boulevardgastronomie fordert.

Beatrice Vogel
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In der Stadt Luzern sollen Restaurants ihre Aussensitzplätze im Sommer länger betreiben dürfen: Der Grosse Stadtrat hat am Donnerstag ein Postulat der FDP-Fraktion überwiesen, das einen Pilotversuch mit sogenannten mediterranen Nächten fordert. Der Stadtrat muss nun einen solchen Pilotversuch prüfen – bekanntlich gegen seinen Willen.

Abends lange draussen sitzen: Ein Wunsch von vielen Restaurantgästen.

Abends lange draussen sitzen: Ein Wunsch von vielen Restaurantgästen.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 10. Mai 2021)

Im Parlament entwickelte sich darob eine launige Debatte. So fand Regula Müller (SP), dass es im Moment viel Fantasie brauche, um sich schöne, laue Sommernächte vorstellen zu können – in ihrer Fraktion stiess das Pilotprojekt dennoch auf Sympathie. Und Daniel Lütolf (GLP) bekannte:

«In lauen Sommernächten lassen sich besonders gut Vorstösse formulieren, was aber manchmal länger dauert als bis 24 Uhr.»

Für Thomas Gfeller (SVP) war derweil schleierhaft, warum die meisten Leute erst nach 22 Uhr weggehen, «aber vielleicht bin ich einfach nicht so trendy».

Bedenken wegen Lärmbelastung

Natürlich wurden auch Bedenken geäussert, wie die Lärmbelastung der Anwohnenden oder längere Arbeitszeiten für das Gastropersonal. Die Mitte-, SVP- und rund die Hälfte der Grünen-Fraktion lehnte das Postulat deshalb ab. Andreas Felder (Mitte) bezweifelte, ob Gäste es wirklich bedauern, wenn sie sich am späteren Abend ins Innere der Beiz setzen müssen. Und, so Felder:

«Man kann gern längere Öffnungszeiten im Einzelfall prüfen, aber eine generelle Ausweitung lehnen wir ab.»

Für eine Mehrheit – FDP, SP, GLP und die andere Hälfte der Grünen – sprach jedoch nichts gegen einen Pilotversuch, zumal andere Städte damit gute Erfahrungen gemacht haben – und ein Versuch bei Lärmklagen abgebrochen werden kann, wie Postulant Fabian Reinhard (FDP) betonte. Ausserdem geht es lediglich um die Verlängerung der Öffnungszeiten von 24 auf 0.30 Uhr. Darüber hinaus greift das kantonale Gesetz.

Der Einwand von Stadtrat Adrian Borgula (Grüne), der Pilotversuch lohne sich wegen einer halben Stunde nicht und würde den bewährten Kompromiss zwischen Lärmgeplagten und Nachtschwärmern gefährden, blieb unerhört. Genauso wie jener, dass es in der Stadt Luzern wegen der guten Vermischung von Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Nachtleben schwierig werde, ein Gebiet für den Pilotversuch zu definieren. Borgula wehrte sich zudem gegen den Vorwurf, der Stadtrat denke bünzlig: «Wir haben während der Pandemie zusätzliche Gastronomieflächen erlaubt und ein schnelles Bewilligungsverfahren ermöglicht.»

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