Pandemie
«Es gibt einige grosse Fragezeichen» – Weshalb viele Luzerner Clubs am Samstag geschlossen bleiben

Bald dürfen die Luzerner Clubs wieder öffnen. Auch wenn sich die Szene über den mutigen Entscheid des Bundesrats freut, bleiben einige Unklarheiten.

Pascal Studer
Drucken
Teilen
Bald kann in den Luzerner Clubs wieder gefeiert werden.

Bald kann in den Luzerner Clubs wieder gefeiert werden.

Bild: Karin Hofer

Ab Samstag ist es endlich so weit: Nach monatelangem Warten dürfen Diskotheken in der ganzen Schweiz wieder öffnen. Das hat der Bundesrat am vergangenen Mittwoch kommuniziert. Dieser Lockerungsschritt kommt grundsätzlich nicht unerwartet, überrascht aber doch hinsichtlich der gefallenen Obergrenze bei der Besucherzahl. So hat die Schweizer Regierung im Konsultationsverfahren zunächst noch eine Maximalzahl von 250 Personen vorgeschlagen. Darauf wird nun verzichtet – einzige Bedingung für den Einlass in Clubs ist ein Vorweisen des Covid-Zertifikats.

Wer also geimpft, genesen oder getestet ist, darf ab diesem Wochenende wieder auf die Tanzfläche. Dieser Entscheid sei richtig, sagt Gianluca Pardini. Als Geschäftsleiter der IG Kultur ist er eine treibende Kraft der Bar und Club Kommission Luzern (BCKL), der unter anderem das Roadhouse, der Südpol und das Schwarze Schaf angehören. Er sagt: «Wir haben diesen Schritt lange erhofft.» Auch der Luzerner Regierungsrat hat sich im Konsultationsverfahren für Lockerungen beim Clubbetrieb stark gemacht, geht aus dem entsprechenden Beschluss hervor.

Zeitpunkt der Lockerung überrascht

Insbesondere dass der Bundesrat die Obergrenze bei der Besucherzahl fallen lässt, begrüsst Pardini. «Konsequent» sei der Beschluss. Er argumentiert: «Bei allen anderen Anlässen gelten für Personen mit Covid-Zertifikaten auch keine Einschränkungen mehr.» Pardini sagt aber auch: «Die Öffnungen kommen früher als erwartet. Ich gehe davon aus, dass die meisten Clubs diesen Samstag noch nicht geöffnet haben werden.» Zu kurzfristig seien die Lockerungen des Bundesrats angesetzt. So hält beispielsweise das Neubad vorerst an seinen Plänen fest, ein coronakonformes Sommerprogramm mit Gartenkino und zusätzlichen Bars im Aussenbereich zu betreiben. Der Club wird voraussichtlich erst im September geöffnet. Ob an diesen Plänen nun doch etwas geändert werden soll, wird in den nächsten Tagen entschieden. Andere Diskotheken wie beispielsweise der Südpol in Kriens peilen derweil eine Öffnung im nächsten Monat an.

Einen ähnlichen Plan verfolgt Phil Kathriner. Der Geschäftsleiter des Rok an der Seidenhofstrasse wird am 3. Juli öffnen. «Wir brauchen eine gewisse Vorbereitungszeit. Und diese nehmen wir uns», stellt er klar. In zwei Tagen die Wiedereröffnung durchzuboxen, sei unrealistisch. So seien nach wie vor viele Abklärungen nötig – insbesondere bezüglich der Covid-Zertifikate. Kathriner nennt ein Beispiel: «Ich habe 33 Mitarbeitende. Nicht alle haben bereits ein Covid-Zertifikat. Hier stellte sich unter anderem die Frage, ob sie ein derartiges benötigen, um überhaupt arbeiten zu können.»

Abklärungen beim Kanton hätten dann ergeben, dass für Club-Mitarbeitende das Zertifikat keine Voraussetzung ist. «Wer keines hat, muss einfach weiterhin die nötigen Schutzmassnahmen einhalten – also vor allem die Maske tragen», sagt Kathriner. Dennoch ist der organisatorische Aufwand gross: Alle Mitarbeitende von Kathriner sind auf Kurzarbeit, einige in den Ferien.

Anpassungen bei Härtefallregelung gefordert

Doch auch andere Unsicherheiten bestehen nach wie vor. So ist etwa unklar, wie die Bevölkerung auf die Öffnungen reagieren wird. «Es gibt einige grosse Fragezeichen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie sich der Besucherandrang einpendelt», sagt Kathriner. Fraglich sei etwa, ob das Interesse an einem Gang in den Club überhaupt vorhanden sei – jetzt, da der Sommer endlich da sei. «Wenn sich dann herausstellt, dass nur 50 Personen pro Abend kommen, leidet die Partystimmung entsprechend. Auch wirtschaftlich macht dies nicht viel Sinn», führt Kathriner aus.

Gemäss Pardini könnte dies unangenehme Konsequenzen haben – die Härtefallregelung könnte unter Umständen bei solchen Fällen nicht mehr greifen. Er fordert daher: «Die Politik muss gewährleisten, dass solche Situationen von der Härtefallregelung gedeckt sind.» Die monatelange behördliche Zwangsschliessung habe nämlich dazu geführt, dass in der Branche inzwischen prekäre Bedingungen vorherrschten.

Wie gross sind die Hürden bei der Anspruchsgruppe?

Weitere Unsicherheiten gibt es hinsichtlich Covid-Zertifikat. So warten einerseits vereinzelt Personen, die sich vor dem 14. Juni impfen liessen – seit diesem Tag erhalten die Geimpften das Zertifikat direkt bei den Impfzentren oder beim Luzerner Kantonsspital –, weiterhin auf das Dokument. Gemäss David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern, handle es sich dabei aber um eine Minderheit. Er sagt: «Der Grossteil der geimpften Personen hat das Zertifikat bereits erhalten. Bis Ende Juni sollten die Zertifikate dann bei allen Empfängerinnen und Empfängern eintreffen.»

Andererseits ist der Impffortschritt bei Personen zwischen 18 und 30 Jahren – der Zielgruppe der Clubbetreiber – noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen Altersgruppen. Ein Covid-Zertifikat erhalten diese daher nur, wenn sie genesen oder negativ getestet sind. «Das ist problematisch, weil es die Planbarkeit deutlich erschwert», sagt Pardini. Gemäss dem Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) sind derzeit 4726 Personen im Alter zwischen 18 und 30 Jahre zwei Mal geimpft. In zwei Wochen werden es rund 9000 sein. Dennoch dürfte ein grosser Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den nächsten Wochen nicht darum herumkommen, sich vor einem Gang in den Club testen zu lassen. Ob diese Hürde zu gross ist, wird sich zeigen.

Aktuelle Nachrichten