Kolumne
Landauf, Landab: Tod am Stierenberg

Wie schöne Spaziergänge zum Spiessrutenlauf würden.

Susanne Balli
Susanne Balli
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Wahnsinn. So ein Windparkprojekt polarisiert ungemein. Auf der einen Seite jene, welche die unermüdlich drehenden, stromproduzierenden Anlagen eine grossartige Sache finden. Man denke an die Stichworte «sauberen Strom» und «erneuerbare Energien». Vielleicht auch ein bisschen, weil die Windräder an wildromantische Ferien an der Nordsee erinnern. Auf der anderen Seite die Gegner, die allerlei Argumente gegen die rotierenden Riesen ins Feld führen.

Als Argument wird hauptsächlich die Verschandelung der Landschaft vorgebracht. Ein ernst zu nehmender Einwand. Das ist aber noch lange nicht alles. Die Gruppe «Mullwiler Gegenwind» weiss im Kampf gegen das Windkraftprojekt auf dem Stierenberg oberhalb Rickenbach von allerhand schlimmen Auswirkungen zu berichten. Der Wertverlust von Immobilien in der Nähe der Windräder tönt da noch vergleichsweise harmlos. Blutrünstiger wird’s, wenn man sich die vielen verhäckselten Fledermäuse und Vögel im Umkreis der Windkraftanlagen vor Augen führt.

Das würde beim Spaziergang mit dem Junghund, der dazu tendiert, alles Auffindbare ins Maul zu nehmen und darauf herumzukauen, sehr unangenehm. Es wären dann nicht mehr nur die schwärzlich eingetrockneten, stinkenden toten Kellerschnecken, auf die der Fellfreund abfahren würde. Der Weg wäre gesprenkelt mit blutigen Tierkadavern. AUS! LUNA! AUS! Ein harmloser Spaziergang würde zum Spiessrutenlauf.

Oder man stelle sich die Gefahr des Eisschlags von den Rotorblättern bildlich vor: Man wandert gemütlich über den verschneiten Stierenberg, der warme Atem bildet in der Luft weisse Wölkchen, der Schnee glitzert in der Sonne und knarzt unter den Stiefeln. Ein wahres Wintermärchen. Da – plötzlich ein Windstoss – ZACK! Innert Sekunden wär's vorbei. Die Schlagzeile seh ich schon vor mir: «Spaziergänger am Stierenberg von Eisblock erschlagen.» Das wäre der wahre Windwahn.

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