Ettiswiler Wakeboard-Anlage wird von einer Welle des Widerstands erfasst

Der Tenor einer Mehrheit des Luzerner Kantonsparlaments ist unmissverständlich: Der geplanten Wakeboard-Anlage in Ettiswil gilt es den Riegel zu schieben. Und dies lieber heute als erst morgen.

Evelyne Fischer
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Ob in Ettiswil künftig Wakeboarder auf ihre Kosten kommen, ist weiter unklar. (Bild: Peter Gercke / Keystone)

Ob in Ettiswil künftig Wakeboarder auf ihre Kosten kommen, ist weiter unklar. (Bild: Peter Gercke / Keystone)

«Es kann nicht sein, dass mit solchen Anlagen topfebenes und gut erschlossenes Kulturland verschandelt wird.» Kantonsrat Andreas Hofer (Grüne, Sursee) war der Ärger über das geplante Wakeboard-Projekt in Ettiswil ins Gesicht geschrieben. In einer Anfrage hatte er Antworten von der Luzerner Regierung verlangt. In der Diskussion im Parlament kündigte er nun am Montagnachmittag an, ein Postulat nachzureichen, um das Projekt endgültig zu versenken.

Wie Hofer vorrechnete, braucht es 33 Millionen Liter Wasser, um den künstlichen See zu füllen. Er frage sich, wie der See bei dieser Menge jemals voll werden soll. Insbesondere wenn man bedenke, dass an heissen Tagen fünf Millimeter Wasser verdunste. Ein Experte des Wasserforschungsinstituts Eawag habe ihm zudem bestätigt, dass das Algenwachstum «maximal» sein werde.

CVP, SVP und GLP teilen kritische Haltung

Mit seiner ablehnenden Haltung stand Hofer nicht alleine da. «Wir stehen diesem Bau sehr kritisch gegenüber», sagte Josef Dissler (Wolhusen) namens der CVP-Fraktion. Hier würden sieben Hektaren «beste Fruchtfolgefläche» verbaut. Dissler fragte sich zudem, ob es legitim sei, für eine «relativ kleine Randgruppe» derart viele Ressourcen zu verbrauchen. Noch pointierter drückte sich Jost Troxler (SVP, Mauensee) aus: «Für mich persönlich grenzt es an Wahnsinn, für dieses Anliegen Kulturland zu verschwenden. Ich würde mir solchen Boden auf meiner Liegenschaft wünschen.»

Auch die GLP findet das Ettiswiler Vorhaben «sehr fragwürdig», wie Markus Hess (Nottwil) sagte. «Wir zweifeln zudem am langfristigen Erfolg der Anlage.» Er fragt sich, ob das Projekt nicht in der neuen Schwimmhalle im Campus Sursee realisierbar wäre.

SP und FDP zeigen sich interessiert

Die FDP-Fraktion kann die Bedenken zwar nachvollziehen und sagt, Andreas Hofer mache sich «berechtigte Sorgen», so Ruedi Burkard (Horw). Aber: «Offenbar entspricht das Wakeboarden einem Bedürfnis.» Wer heute diesen Sport betreibe, fahre nach Deutschland. Und das sei wenig ökologisch. Gegen ein Denkverbot sprach sich auch die SP aus, die ebenfalls betonte, es bestehe ein Bedürfnis. Hasan Candan (Luzern) sagte: «Es gibt eine Gesetzgebung, die klar aufzeigt, was möglich ist und was nicht.» Für die Natur müsse eine solche Anlage nicht per se schlecht sein. «Bei den meisten Golfplätzen wird mehr für die Biodiversität gemacht als auf vielen Landwirtschaftsflächen.» Allerdings setze auch die SP ein Fragezeichen hinter den haushälterischen Umgang mit Boden.

Der abtretende Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Robert Küng (FDP) betonte in seiner Stellungnahme, die Regierung habe keine Kehrtwende vollzogen und stehe dem Projekt nach wie vor kritisch gegenüber. «Die Vorgaben des Kantons wurden bislang nicht erfüllt und es gibt derzeit keine Anzeichen, dass sie je erfüllt werden.»

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