Abstimmung
Erster Adligenswiler Ehrenbürger – Bevölkerung wird zur Wahlurne gebeten

Der frühere Gemeindeammann und Lokalhistoriker Hans Meier soll erster Adligenswiler Ehrenbürger werden. Aufgrund der Gemeindeordnung muss darüber aber zuerst noch das Volk abstimmen.

Hugo Bischof
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Hans Meier, hier vor der Kapelle St. Jost, soll der erste Adligenswiler Ehrenbürger werden.

Hans Meier, hier vor der Kapelle St. Jost, soll der erste Adligenswiler Ehrenbürger werden.

Bild: Nadia Schärli (Adligenswil, 4. Mai 2022)

Erstmals soll in Adligenswil eine Ehrenbürgerschaft verliehen werden. Der Gemeinderat schlägt vor, diese Ehre dem langjährigen früheren Gemeindeammann und Lokalhistoriker Hans Meier zuteil kommen zu lassen. «Zahlreiche Errungenschaften in Adligenswil, sowohl in der Politik als auch im Vereins- und im gesellschaftlichen Leben, gehen auf die Initiative von Hans Meier zurück», schreibt der Gemeinderat im Newsletter der Gemeinde.

Bevor der 81-jährige Hans Meier offiziell zum Ehrenbürger erklärt werden kann, braucht es aber zuerst noch die Zustimmung der Bevölkerung. Über den Antrag des Gemeinderats wird am 15. Mai an der Urne abgestimmt.

In der Gemeindeordnung festgeschrieben

Dass es für die Verleihung eines Ehrenbürgerrechts eine Volksabstimmung braucht, ist ungewöhnlich. Normalerweise kann der Gemeinderat einer Gemeinde das Ehrenbürgerrecht in eigener Kompetenz verleihen. In Adligenswil ist dies anders. Hier ist in der Gemeindeordnung festgeschrieben, dass darüber das Volk abstimmen muss. Kaum jemand zweifelt daran, dass die Adligenswilerinnen und Adligenswiler Hans Meier die Ehrenbürgerschaft gewähren werden, die Abstimmung dürfte eine Formsache sein. Dennoch: Bis das Ergebnis vorliegt, besteht eine gewisse Unsicherheit.

Der Adligenswiler Gemeindepräsident Markus Gabriel sagt dazu auf Anfrage:

«Das ist tatsächlich eine etwas unglückliche Situation.»

Der Gemeinderat sei aber ohnehin daran, die Gemeindeordnung anzupassen. Dann werde auch dieser Passus bereinigt. Aber auch für diese Revision der Gemeindeordnung braucht es eine Volksabstimmung, sie soll 2023 stattfinden.

Ehrenbürgerrechte werden selten verliehen

In der Stadt Luzern liegt die Verleihung des Ehrenbürgerrechts in der Kompetenz des Stadtrates. Er hat diese Ehre letztmals 2008 an den Kabarettisten Emil Steinberger, 2005 an den Verkehrshausgründer Alfred Waldis und den Dirigenten Claudio Abbado sowie 2004 an den Kunstmaler Hans Erni verliehen. Im Gegensatz zu früher ist heute mit der Erteilung des Ehrenbürgerrechts kein Erwerb des Bürgerrechts mehr verbunden.

Nicht in allen Gemeinden werden Ehrenbürgerrechte verliehen. Und die Auszeichnung ist eher selten. Bekannte Beispiele sind unter anderem der Bildhauer Rolf Brem, der 2011 Megger Ehrenbürger wurde, oder der einstige Bundesrat Alphons Egli, dem diese Ehre 2004 in Horw zuteilwurde. Ebenfalls 2004 erhielt der Schriftsteller Hugo Lötscher das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Escholzmatt.

Warum wurde Gemeindeordnung nicht schon früher angepasst?

Adligenswils Gemeindeordnung wurde letztmals 2017 revidiert. Warum wurde der fragliche Passus nicht schon damals angepasst? «Man hat wohl schlicht nicht daran gedacht, weil das Ehrenbürgerrecht damals kein Thema war», sagt Gabriel. Wann der Passus in die Gemeindeordnung kam, sei nicht bekannt: «Bis 2015 lag es in der Kompetenz der Gemeindeversammlung, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Bei der Abschaffung der Gemeindeversammlung wollte man keine Änderungen an den Rechten der Stimmberechtigten vornehmen.»

Bei der aktuellen Revision der Gemeindeordnung geht es auch um einige notwendige Anpassungen im Bereich des 2016 eingeführten Geschäftsführermodells. Weshalb wartete der Gemeinderat nicht den Abschluss der Revision ab, bevor er den Antrag zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts verkündete? «Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Hans Meier ist überfällig», sagt Gabriel, «wir wollten damit nicht länger zuwarten.» Der Betroffene selber, Hans Meier, findet es richtig, dass es für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft eine Volksabstimmung braucht. Er betont auf Anfrage:

«Die Bürgerinnen und Bürger sollen entscheiden, ob diese Ehre verdient ist.»

Mit der Ehrenbürgerschaft sind keine materiellen Vorteile verbunden. Es handelt sich um eine Auszeichnung und um eine Anerkennung der vielfältigen Verdienste.

Hans Meier vor der Kapelle St. Jost in Adligenswil. Deren Erhaltung war ihm ein Herzensanliegen.

Hans Meier vor der Kapelle St. Jost in Adligenswil. Deren Erhaltung war ihm ein Herzensanliegen.

Bild: Nadia Schärli (Adligenswil, 4. Mai 2022)

Einsatz für nachhaltige Entwicklung der Gemeinde

Der 1941 geborene Hans Meier verbrachte sein ganzes Leben in Adligenswil und übte verschiedene Funktionen aus. Von 1976 bis 1985 war er Feuerwehrkommandant. Von 1991 bis 2004 war er als Vertreter der CVP vollamtlicher Gemeindeammann. Es war die Zeit des grossen Wachstumsschubes in der Gemeinde. «Hans Meier sah seine Aufgabe deshalb darin, einerseits die Strukturen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen, beispielsweise mit der Gründung von Strassengenossenschaften und der Übernahme des Kanalisationsnetzes durch die Gemeinde, andererseits den Naherholungswert in Adligenswil zu sichern», schreibt der Gemeinderat.

Unter seiner Ägide wurde das Wanderwegnetz ausgebaut. 1983 initiierte er den Bau des ersten Jugendhauses in Adligenswil – den Spycher, der in Ettiswil abgebrochen und in Adligenswil wieder aufgebaut wurde. Danach leitete er den Ausbau der neuen Jugendräume im dritten Obergeschoss des Sigristenhauses. 1985 war er Mitgründer der Wohnbaugenossenschaft Familia als christlich-soziales Gegenstück zur liberalen Baugenossenschaft. 1988 lancierte er die Gemeindeinitiative für eine sinnvolle Gemeindeentwicklung und eine bessere Nutzung des Bodens. 2000 initiierte er den Bau der Schnitzelfeuerungsheizung im Zentrum. Es war der erste Schritt, um die Ölheizungen in den gemeindeeigenen Gebäuden zu ersetzen.

Eines seiner grossen Anliegen war die Erhaltung der Kapelle St.Jost; mit der Gründung einer Stiftung brachte er die für die Sanierung der Kapelle nötigen 1,1 Millionen Franken zusammen. Er setzte sich auch für den Neubau der Wegkapelle im Moos sowie die Restauration der Wegkapellen im Widspüel und im Obermösli ein. Einen Namen machte er sich auch als Historiker. Er veröffentlichte diverse Schriften zu historischen Themen, etwa ein Inventar der Speicher in Adligenswil oder die Geschichte der Feldmusik.

Seit seiner Pensionierung widmet sich der gelernte Elektromonteur weiterhin sozialen Anliegen, etwa als Mitglied der Kommission für Gesellschaftsfragen. Bis vor einem Jahr war er auch der Ortsvertreter von Pro Senectute in Adligenswil. Von 2011 bis 2015 präsidierte er das Aktive Alter Adligenswil, er war Mitglied der Baukommission der Genossenschaft Wohnen und Leben am Riedbach und initiierte sowohl den Pétanqueplatz als auch den Naschgarten. Seit 1964 ist Hans Meier verheiratet mit Lydia Meier-Sager. Sie haben eine Tochter und zwei Enkelkinder.