Kanton Luzern
Zu tiefe Löhne und zu lange Praktika in privaten Kitas: Regierungsrat leitet Massnahmen ein

Resultate aus einer Kontrolle zeigen: Die Praktika-Verhältnisse in privaten Kitas sind nicht zufriedenstellend. Ein Normalarbeitsvertrag soll diese verbessern.

Fabienne Mühlemann
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Wie sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen in privaten Kindertagesstätten? Dies hat die Tripartite Kommission Arbeitsmarkt (TKA), die den Arbeitsmarkt im Kanton Luzern beobachtet, im Jahr 2017 analysiert. Dabei hat sie überprüft, ob die orts-, berufs- und branchenüblichen Löhne eingehalten wurden. Aufgrund einer parlamentarischen Anfrage von SP-Kantonsrat Urban Sager hat der Luzerner Regierungsrat die Zahlen nun veröffentlicht.

Es wurden damals 191 Löhne in 33 Kitas mit Angestellten kontrolliert. Die TKA stellte fest, dass die Löhne teilweise nicht den Empfehlungen entsprachen. Insbesondere jene für Vorpraktika von Kibesuisse, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz, wurden oftmals unterschritten. Auch die empfohlene Dauer eines Vorpraktikums von maximal einem Jahr wurde oftmals nicht eingehalten, schreibt der Regierungsrat.

Um diesen Missständen entgegenzuwirken, hatte die TKA per 31. Januar 2019 eine Praxis zu den Einführungspraktika und Löhnen in Kitas definiert. So dürfen zum Beispiel Einführungspraktika ohne Anschlusslösung maximal sechs Monate dauern.

Resultate sind «nicht zufriedenstellend»

Die TKA führte 2019 und 2020 weitere Kontrollen durch. Die Zahlen hat der Regierungsrat ebenfalls veröffentlicht. Sie zeigen: Die Situation betreffend Löhne hat sich zwar etwas verbessert. Allerdings wurden die zuvor definierten Kriterien der TKA noch nicht in vollem Umfang eingehalten (siehe Tabelle), was die Kommission – trotz der positiven Tendenz – als «nicht zufriedenstellend» beurteilt.

Auf die Frage von Urban Sager, was der Regierungsrat zum Ergebnis der Kontrollen meint, antwortet dieser: Er teile die Einschätzung der TKA und beurteile insbesondere die Situation «rund um die Praktika-Verhältnisse als weiterhin verbesserungswürdig».

Praktika vor Lehrbeginn seien offiziell nicht Bestandteil der Ausbildung, würden aber oftmals eine Voraussetzung für einen Lehrvertrag darstellen. Auch sogenannte Kettenpraktika, bei denen über eine längere Zeit und manchmal in verschiedenen Betrieben Praktika ohne Aussicht auf eine Lehrstelle absolviert werden, beurteilt er als «nicht akzeptabel».

Wegen der nicht zufriedenstellenden Resultate aus den Kontrollen wurde die TKA vom Regierungsrat beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Sozialversicherungszentrum WAS Wira und in Koordination mit der Dienststelle Soziales und Gesellschaft einen Normalarbeitsvertrag (NAV) Kita zu entwerfen und dem Regierungsrat zu unterbreiten. Aufgrund dreier vom Kantonsrat erheblich erklärten Postulate rund um das Thema Kinderbetreuung (wir berichteten), hat die Dienststelle bereits Anfang 2022 Arbeiten für einen Grundlagenbericht zur familienergänzenden Kinderbetreuung aufgenommen.

Vorteile eines Normalarbeitsvertrags

Die Vorteile eines NAV sieht der Regierungsrat vor allem in Bezug auf die zeitliche Komponente sowie die Flexibilität, schreibt er. Gegenüber einer gesetzlichen Lösung könne der Rechtsetzungsprozess schneller erfolgen. Bei geänderten Bedingungen und Verhältnissen könne der Regierungsrat einen NAV zeitnah anpassen oder bei Bedarf auch wieder aufheben.

Sozialpartner und Branchenverbände sollen einbezogen werden

Das Anliegen der TKA richtet sich insbesondere auf eine Regelung der Praktika-Situation im Kanton Luzern. So soll die durch die TKA bereits definierte Praxis zu den Einführungspraktika und Löhnen in Kitas nach Möglichkeit in einen NAV überführt werden. Allenfalls ist ein Mindestlohn für Praktikantinnen und Praktikanten festzulegen, schreibt der Regierungsrat. Zudem sei die Dauer der Praktika zu begrenzen.

In welcher Form die einzelnen Kriterien übernommen werden können, sei aktuell Gegenstand der Abklärungen. Sozialpartner und Branchenverbände sollen zu gegebener Zeit in die Ausarbeitung des NAV einbezogen werden.