«Sarmischtorfer Lockdown-Ziitig»
Fasnachtszeitung statt Feiern: Vom Rollatorfahrer auf der Strasse bis zum gebastelten Lindenplatz

Weil wegen Corona weder gesungen noch sich getroffen werden darf, haben es Schnitzelbänkler dieses Jahr schwer. Die Anonymen Fasnächtler Sarmenstorf (AFS) hatten deshalb dieselbe Idee wie ihre Kollegen aus Villmergen und Hägglingen: Sie lancierten ihre erste eigene Fasnachtszeitung. Hier einige Müsterli.

Andrea Weibel
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Die allererste «Sarmischtorfer Lockdown-Ziitig» ist in allen Briefkästen.

Die allererste «Sarmischtorfer Lockdown-Ziitig» ist in allen Briefkästen.

zvg

«Es darf nicht gesungen werden und es dürfen sich nicht mehr als fünf Personen aus zwei Familien treffen. Die AFS halten sich an diese Vorschriften», stellen die Anonymen Fasnächtler Sarmenstorf gleich im Vorwort ihrer Zeitung klar. «Daher haben wir uns entschlossen, keinen Aufwand zu scheuen und Ihnen die Schnitzelbank im Corona-Jahr 2021 in Zeitungsform zukommen zu lassen.» Und zwar in jeden Haushalt.

Wie gewohnt haben sie sich das ganze Jahr über Notizen gemacht und schöpfen nun aus dem Vollen. Natürlich können sie ihren Kollegen, der es in den «Blick» geschafft hat, nicht auslassen:

Ein Sarmenstorfer hat es unfreiwillig in die Boulevardpresse – und natürlich auch in die Fasnachtszeitung – geschafft.

Ein Sarmenstorfer hat es unfreiwillig in die Boulevardpresse – und natürlich auch in die Fasnachtszeitung – geschafft.

«Blick»

D’Trottoir sind ned gruumet, de Schneefall gross,
drum lauft de Kurtli uf de Stross.
Mer wüssid, wie er sich no steigere chan,
im Sommer gods uf d’Autobahn.

Aus verschiedenen Gründen konnte in den vergangenen Monaten beispielsweise auch die Müllabfuhr nicht fahren – vor allem wegen des vielen Schnees. Doch darum gings hier nicht:

Z’Amerika, z’England und au bi de Schwobe,
alli wartid ufs Christchind am heilige Obe.
Das Warte tuet die ganzi Erde umspanne,
nur z’Sarmistorf wartet mer am 24. Dezember uf d’Kehrichtmanne.

Apropos Schnee: Einen ganzen Artikel widmen die AFS in ihrer Zeitung den scheinbar herzlosen Schneeräumern. Mit einem breiten Grinsen lesen jedoch die Sarmenstorfer – die ansonsten natürlich alles andere als schadenfroh sind – von den Schneemassen, die zufällig auf die FC-Parkplätze und andere Orte geschüttet wurden, wo «Hündeler» jeweils ihre Autos parkieren, um mit Fifi Gassi gehen zu können. Und wer hatte bei diesem Artikel wohl die Feder im Spiel? Der in der AZ Freiamt bestens bekannte Töneli.

Am Lindenplatz wird nun mit professioneller Hilfe «gebastelt»

Zunftmeister «Strubel de Baschtli» muss natürlich ebenfalls in die Zeitung.

Zunftmeister «Strubel de Baschtli» muss natürlich ebenfalls in die Zeitung.

Zvg / Archiv

Natürlich waren die AFS auch an der Gemeindeversammlung zugegen, wo sie zwei weitere Themen für ihre Schnitzelbänke aufgeschnappt haben:

A de Gmeindsversammlig zum Lindeplatz,
heds für viele Redner Platz.
Au de Zunftmeister de Bastli tuet votiere,
mer sell wiiter anere Lösig studiere.
Am Ändi vom Obig isch mer ned gschiiter,
am Lindeplatz baschtlits mit em Baschtli wiiter.

Die neue/alte Sarmenstorfer «Klagemauer»

Die neue/alte Sarmenstorfer «Klagemauer»

Toni Widmer

Vellecht hüt, vellecht frühner, öpper isch do stur,
drum händ mir jetzt en Klagemuur.
Ois regt das uf ghörig,
d’Immobilie sind verchauft, d’Muur bliibt vörig.

Obwohl es dieses Jahr weniger Gelegenheiten gab, in die Beizen zu gehen, haben die AFS dennoch einiges aufgeschnappt, was so läuft rund um die dorfeigenen Gaststätten.

So sieht sie aus, die allererste «Sarmischtorfer Lockdown-Ziitig».

So sieht sie aus, die allererste «Sarmischtorfer Lockdown-Ziitig».

zvg

Im Chrüüz tuet mer sich enerviere,
will d’Drogeriebsucher vor de Beiz parkiere.
Die Verbotstafele sind de Sonja ihre Wille,
aber Drogerie verchauft Globuli und ned Brille.

Dä Wirt us Olte,
isch jo nid grad unbescholte.
Im Dorf hämmere scho bald vergässe,
au im «La Vita» het niemmer welle goge ässe.
Mer hättid jo chönne wette,
dass dr Buhmann dä nid cha rette.

Und auch Wirtin Charlotte aus dem «Pöstli» wird verabschiedet – allerdings ganz lieb und gebührend mit Wirtinnenschürze auf dem Bild.

Ausserdem teilt die AFS im Namen ihrer Fasnachtskollegen Variété mit, dass der Mehlsuppenausschank leider dieses Jahr abgesagt werden musste.