Tourismus
Camping-Lust der Schweizerinnen und Schweizer verhilft der Parahotellerie aus der Krise

Letztes Jahr zählte die Parahotellerie 10,4 Prozent mehr Logiernächte als 2020. Das Vor-Krisen-Niveau ist fast erreicht, das Gewicht zwischen in- und ausländischen Gästen verschiebt sich allerdings deutlich.

Ruben Schönenberger und Dario Pollice
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Campingferien sind im Trend: Deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer übernachteten im letzten Jahr im Zelt oder Wohnwagen.

Campingferien sind im Trend: Deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer übernachteten im letzten Jahr im Zelt oder Wohnwagen.

Bild: Martin Ruetschi/Keystone

Die Parahotellerie kommt wieder auf einen grünen Zweig. 2021 verzeichneten Ferienwohnungen, Jugendherbergen und Campingplätze 16,3 Millionen Logiernächte. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 10,4 Prozent, wie am Dienstag veröffentlichte Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen. 2020 litt die Parahotellerie noch stark unter den Auswirkungen der Pandemie: Die Zahl der Übernachtungen sank um 11 Prozent.

Am meisten Logiernächte fallen in Ferienwohnungen an. Die 7,6 Millionen Übernachtungen machen etwa 46 Prozent aller Logiernächte in der Parahotellerie aus. Für den starken Anstieg im vergangenen Jahr waren indes die Campingplätze der Treiber: Im Vergleich zum ebenfalls schon guten Vorjahr stiegen die Übernachtungszahlen dort um fast 30 Prozent auf 5,4 Millionen an.

Inländische Touristinnen und Touristen gewinnen deutlich an Bedeutung

Verantwortlich für den Boom der Campingplätze sind inländische Touristinnen und Touristen. Von den 5,4 Millionen Übernachtungen entfielen über 80 Prozent auf Schweizer Gäste.

Obwohl sich die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste nach dem Einbruch im ersten Coronajahr 2020 schon wieder leicht erholt hat, verschiebt sich das Verhältnis zwischen in- und ausländischen Gästen deutlich. Die nachfolgende Grafik zeigt den Anteil der Logiernächte nach Herkunftsland vor der Pandemie und im vergangenen Jahr.

Im Schnitt blieb ein Gast im letzten Jahr während 3,2 Tagen auf dem Campingplatz, das entspricht in etwa dem Wert von vor der Pandemie.

Tessin als Camping-Hotspot

Am beliebtesten waren im vergangenen Jahr die Campingplätze im Tessin. Fast 1,5 Millionen Logiernächte fielen im Süden der Schweiz an. Bemerkenswert dabei: Als einzige Grossregion konnte das Tessin bereits wieder mehr Übernachtungen ausländischer Gäste verzeichnen als noch 2019 (+17 Prozent).

Zudem steigerte keine Region die Anzahl Übernachtungen Schweizer Gäste so stark. Mehr als doppelt so viele Übernachtungen von Schweizer Gästen als 2019 wurden 2021 im Tessin gezählt.

Ferienwohnungen haben sich stabilisiert

Während Campingplätze boomen, freuen sich die Anbieterinnen und Anbieter von Ferienwohnungen immerhin über eine Stabilisierung. Die insgesamt 7,6 Millionen Logiernächte bedeuten einen Anstieg von fünf Prozent zum Vorjahr. Auch gegenüber dem letzten Vor-Pandemie-Jahr 2019 sind die Zahlen leicht höher, den Spitzenwert von 2018 hat man indes noch nicht erreicht.

Mit ein Grund für das im Vergleich zu den Campingplätzen etwas schlechtere Bild sind die weiterhin ausbleibenden ausländischen Gäste, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

Ähnlich wie bei den Campingplätzen lässt sich auch hier feststellen, dass die Schweizer Gäste an Bedeutung gewonnen haben. 78 Prozent aller Übernachtungen in Ferienwohnungen entfielen 2021 auf inländische Touristinnen und Touristen.

Im Schnitt blieben Gäste während 6,5 Nächte in einer Ferienwohnung. Dieser Wert hat sich über die letzten Jahre kaum verändert.

Ferienwohnungen am Rand der Schweiz am beliebtesten

Die grösste Nachfrage nach Ferienwohnungen bestand im vergangenen Jahr in der Genferseeregion und in der Ostschweiz. In beiden Regionen wurden je rund 2,6 Millionen Logiernächte gezählt.

Im Vergleich zu den Jahren vor der Coronapandemie verzeichnen alle Regionen weniger Übernachtungen ausländischer Gäste, aber mehr von Schweizerinnen und Schweizern. Das Tessin fällt auch hier auf: Die Anzahl Übernachtungen inländischer Gäste hat sich mehr als verdoppelt.

Bei Gruppenunterkünften ist die Situation weiterhin angespannt

Obwohl die Übernachtungen in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen einen neuen Rekordwert erreichen, liegt die Parahotellerie insgesamt noch leicht hinter den Vor-Krisen-Werten zurück. Das liegt vor allem am nach wie vor schwächelnden Segment der Kollektivunterkünfte.

Die 3,4 Millionen Logiernächte im Jahr 2021 entsprechen einem Rückgang um 2,6 Prozent. Grund dafür ist der Einbruch der Übernachtungen um 81,5 Prozent im ersten Quartal gewesen gegenüber dem Vorjahresquartal vor der Pandemie.

Positiver Ausblick für Sommersaison

Während die Parahotellerie insgesamt nur noch rund zwei Prozent unter dem Vor-Krisen-Niveau liegt, kämpft die Hotellerie noch stärker. 2021 wurden in Hotels und Kurbetrieben rund 29,6 Millionen Logiernächte gezählt. Das ist zwar ein Plus von fast 25 Prozent, der Wert liegt aber immer noch rund 25 Prozent unter dem von 2019.

In der Parahotellerie dürfte der Boom auch diesen Sommer weiter anhalten. So vermeldeten die Mitglieder der IG Parahotellerie im Mai eine starke Nachfrage bei den Onlinebuchungen im Vergleich zum Sommer 2019.