Kommentar

Wieder verschwindet ein Telekom-Anbieter – für einmal dürfen sich die Kunden freuen

Könnte verschwinden: UPC und Sunrise gehen zusammen.

Könnte verschwinden: UPC und Sunrise gehen zusammen.

Die UPC-Mutter Liberty Global will Sunrise übernehmen. Im Schweizer Telekommarkt wird es dann zwei dominante Anbieter geben. Es ist die letzte Chance für den Wettbewerb.

Das ging schnell: Vor wenigen Monaten noch wollte die Telekomfirma Sunrise die Konkurrentin UPC kaufen. Nun läuft der Deal in die andere Richtung. Die UPC-Mutter Liberty Global plant den Erwerb aller Sunrise-Aktien. Das Vorhaben hat einen Wert von 6,3 Milliarden Franken, anders als beim letzten, gescheiterten Versuch ist auch Sunrise-Hauptaktionärin Freenet an Bord. Doch ist dieser Schritt auch sinnvoll?

Dass es Synergien gibt, ist unbestritten. Beide Anbieter müssen beispielsweise auf die Dienste der Swisscom zurückgreifen – UPC für sein Mobilangebot, Sunrise für das Internetangebot. Künftig wird das nicht mehr nötig sein, die Zahlungen an die Swisscom kann sich die neue Firma sparen. Auf 275 Millionen Franken jährlich beziffert Liberty alle Einspareffekte. Ob das Geld in eine Preisschlacht gegen die übermächtige Swisscom investiert wird, die sich als Premium-Anbieterin mit höheren Preisen positioniert, darf bezweifelt werden. Kunden profitieren trotzdem. Die Produkte dürften attraktiver werden, denn beide Anbieter haben ihre Stärken in anderen Bereichen – UPC im TV-Geschäft, Sunrise im Mobilfunk.

Der Telekommarkt verharrt an der Stelle

Das Zusammengehen ist deshalb richtig. Es ist auch die einzige Chance auf etwas Bewegung im Schweizer Telekom-Markt. Der gibt seit Jahren das gleiche Bild ab: Die Preise sind trotz mehreren Anbietern hoch, auch wenn das Behörden und Anbieter mit Verweis auf die Kaufkraft relativieren. Die Swisscom verzeichnet stabil sechs von zehn Abo-Kunden im Mobilfunk auf sich, beim Breitbandinternet setzt mehr als jeder zweite auf die staatliche Telekomanbieterin.

Sunrise gelang es zwar in den letzten Jahren, dank einem guten Netz und Kundendienst zu wachsen. Im Vergleich zur Swisscom bleibt sie aber ein Zwerg. UPC wiederum gehört ein Netz, das hohe Internetgeschwindigkeiten im ganzen Land liefern kann. Doch im Fernsehgeschäft schmilzt UPC die Kundenbasis rasant weg. Erstmals zählte UPC zuletzt weniger als eine Million Kabelnetzkunden.

Beide profitieren vom anderen

Mit dem Zusammengehen entsteht ein Anbieter, der im Mobilfunk, Internet und TV je etwa 30 Prozent Marktanteil erreicht. Damit erwächst der Swisscom erstmals Konkurrenz, die es mit ihr in allen drei Bereichen aufnehmen kann. Das ist wichtig, weil immer mehr Kunden alle Dienste vom selben Anbieter beziehen möchten. Sunrise erhält ein Fernsehprodukt, das es trotz immer weniger Kunden in der Schweiz in punkto Innovation mit der Swisscom aufnehmen kann. Liberty Global investiert grosse Summen in die TV-Plattform, die in mehreren Ländern genutzt wird. Das Sunrise-Handynetz wiederum ist jenem der Swisscom sowieso schon ebenbürtig.

Diese neue Firma dürfte gross und umsatzstark genug sein, um signifikant in die Netze und Produkte investieren zu können, wie es Liberty-Chef Mike Fries verspricht. Wie das Unternehmen heissen wird, ist offiziell noch nicht entschieden. Dass die Wahl auf Sunrise fällt, ist angesichts der immer noch vorbelasteten Marke UPC aber keine besonders gewagte Wette.

Die letzte Chance

Im Schweizer Telekommarkt wurde schon fast alles probiert. Die damalige Orange wollte mit Sunrise fusionieren, doch die Wettbewerbskommission stoppte den Deal. Die Fusion von Sunrise und UPC scheiterte letztes Jahr am Widerstand des deutschen Sunrise-Hauptaktionär Freenet. Der Markteintritt eines potenten Wettbewerbers aus dem Ausland ist nicht in Sicht. Das hat zuletzt auch die Auktion der 5G-Frequenzen gezeigt, für die sich kein namhafter ausländischer Wettbewerber interessierte.

Wenn dieses Zusammengehen nicht klappt, dann bleibt nur vorerst alles beim Alten. Liberty will seine Schweiz-Tochter UPC loswerden, wenn diese keine wirklich wichtige Rolle spielen kann. Daran lässt die bisherige Strategie des Medienriesen aus London keine Zweifel. Doch nur mit Sunrise zusammen entsteht eine echte Konkurrenz im Telekommarkt. Es ist die vorerst letzte Chance für den Wettbewerb – und die Chancen stehen gut.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1