Arbeitslosigkeit Lehrabgänger
Wie weiter nach der Lehre?

Unter Lehrabgängern herrscht die höchste Arbeitslosenquote im Kanton. Ein «Marktplatz der Ideen» sollte den Jugendlichen Impulse geben. Martin Ziltener zeigt sich enttäuscht, dass sich von den vielen Lehrabgängern nur gerade elf angemeldet haben.

Drucken
Teilen
01_lehre_fhe.jpg

01_lehre_fhe.jpg

Stadtanzeiger

Philipp Muntwiler

Aarau, Baden, Wohlen und Rheinfelden - das sind nicht etwa Etappenorte einer möglichen Tour d'Argovie, sondern an diesen Standorten haben das Amt für Wirtschaft und Arbeit (awa) und die Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf (ask!) zusammen mit den RAV und dem Personalvermittler Adecco einen «Marktplatz der Ideen» geplant. Durchgeführt wurde die Veranstaltung dann nur in Aarau. Gerade mal elf Lehrabgänger haben sich für eine Teilnahme entschieden.

Martin Ziltener, Berater beim ask!, ist sichtlich enttäuscht: «Natürlich haben wir mehr Resonanz erwartet. Eine gewisse Unbekümmertheit der Jugendlichen ist spürbar. Sie wollen nach der Schule und der Lehrabschlussprüfung erst mal Pause machen. Einige machen einen Sprachaufenthalt oder leisten Militärdienst, da ist das Problem der Stellensuche noch weit weg.» Aber weil die Arbeitslosigkeit unter Lehrabgängern am höchsten ist, musste gehandelt werden - auch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Diejenigen Lehrabgänger, die nach Aarau gekommen sind, hätten es jedenfalls nicht bereut. Die Jugendlichen hätten den Veranstaltern ein positives Feedback abgegeben, sagt Ziltener. Zum Beispiel Jasmin Erismann aus Attelwil: Sie sucht ab 1. September eine Stelle als Damen- und Herrencoiffeuse. «Ich bekam hier gute Tipps, wie ich mich richtig bewerbe und wie ich Kontakte finden kann», erzählt sie nach dem Gespräch mit dem Personalvermittler.

Auch Pascal Müller, Erlinsbach AG, und Ermin Keranovic, Oftringen, haben noch keine Lösung in Sicht. Beide sind Ende Juli mit der Polymechaniker-Ausbildung fertig. Sie hätten nicht lange überlegt und sich sofort für den «Marktplatz der Ideen» angemeldet. Keranovic: «Wir dachten uns, dass es nicht schaden könnte. Denn ich kenne keinen Polymechaniker, der eine Anschlusslösung hat.» Ausgenommen seien diejenigen, welche im Lehrbetrieb bleiben können. «Ich habe auf meine Bewerbungen nur Absagen erhalten. Das Problem ist die fehlende Berufserfahrung. Man muss jung sein und viel Erfahrung mitbringen», stellt Keranovic enttäuscht fest.

Nach dem Gespräch mit den RAV-Beratern hat er ein Berufspraktikum ins Auge gefasst. Hier möchte er diese Erfahrung sammeln. Müller ist sich noch nicht ganz sicher, nimmt aber einige hilfreiche Informationen mit. Beide würden die Veranstaltung jedenfalls ihren Kollegen weiterempfehlen.

Im 2010, nach den Lehrabschlussprüfungen, werde die Veranstaltung ziemlich sicher wieder angeboten. Für dann hofft Ziltener, bei den Jugendlichen auf mehr Interesse zu stossen.

Aktuelle Nachrichten