Energie

Wie viel Schuld trägt die Axpo an ihrem 730-Millionen-Verlust?

Der Axpo-Pumpspeicher in Linth-Limmern soll Ende 2015 in Betrieb gehen. Ob das Projekt wirtschaftlich betrieben werden kann, ist umstritten. Christian Beutler/keystone

Der Axpo-Pumpspeicher in Linth-Limmern soll Ende 2015 in Betrieb gehen. Ob das Projekt wirtschaftlich betrieben werden kann, ist umstritten. Christian Beutler/keystone

Der grösste Schweizer Energiekonzern Axpo zahlt 2015 keine Dividende aus. Davon betroffen sind insgesamt acht Kantone, die an der Axpo beteiligt sind. Laut Kritikern hat der Stromkonzern die Weichen in die falsche Richtung gestellt.

Der grösste Schweizer Energiekonzern Axpo zahlt im kommenden Jahr keine Dividende aus. Davon betroffen sind insgesamt acht Kantone, die direkt oder indirekt an der Axpo beteiligt sind. Im Budget der nächsten Jahre waren die Dividenden zum Teil fest eingeplant, jetzt drohen diese Einnahmen wegzubrechen. Entsprechend geknickt wirkte Axpo-Verwaltungsratspräsident Robert Lombardini an der Bilanzmedienkonferenz gestern in Zürich: «Da kann man nicht stolz sein», sagte er.

Axpo hat für das vergangene Jahr einen Verlust von 730 Millionen Franken präsentiert. Nach einem Gewinn von 212 Millionen Franken im Vorjahr ist das Unternehmen tief in die roten Zahlen gerutscht — und das, obwohl das operative Geschäft durchaus zufriedenstellend gelaufen ist. Unterm Strich steht jedoch ein Millionenverlust. Schuld sind Wertberichtigungen auf Kraftwerke und Bezugsverträge in Höhe von 1,5 Milliarden Franken, die das Unternehmen bereits im September angekündigt hatte.

Wie konnte es so weit kommen? Dafür gibt es zwei Betrachtungsweisen. Die erste stammt von Axpo selbst: «Axpo leidet unter den politisch beeinflussten tiefen Grosshandelspreisen für Strom in Europa und muss deshalb ihre Kraftwerke und Bezugsverträge tiefer bewerten», heisst es im aktuellen Geschäftsbericht. Die Axpo spricht von Marktverzerrungen, «die von politischen Eingriffen vor allem in Deutschland» ausgelöst worden seien. Die «massive Subventionierung von Wind- und Solaranlagen» habe zusammen mit der schwachen Konjunktur und tiefen CO2-Preisen den Strommarkt überschwemmt. Viele grosse Kraftwerke produzieren jetzt über dem Marktpreis und fahren so Verluste ein.

Entwicklung verpasst

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) ist nicht der Meinung, dass die Axpo am Verlust völlig schuldlos ist. Die Stiftung setzt sich für eine rasche Umsetzung der Energiewende ein. Projektleiterin Sabine von Stockar sagt: «Der Konzern hat schlichtweg nicht sehen wollen, wie sich der Markt entwickelt.» Wasser günstig über Nacht in die Speicher pumpen und mittags teuer verkaufen sei lange ein gutes Geschäft gewesen, sagt von Stockar. Heute gebe es aber mittags durch den vielen Solarstrom ein Überangebot im Markt. Die Folge: Der Börsenpreis sinkt. Inzwischen ist er so tief, dass viele Pumpspeicher Verlust machen.

Diese Entwicklung sei allerdings schon länger absehbar gewesen, so von Stockar. «Die Axpo hat diese Entwicklung verschlafen und mit der 2,5-Milliarden-Pumpe in Linth-Limmern auf das falsche Pferd gesetzt.»

Gestern in Zürich stellten die Axpo-Verantwortlichen zwei neue Grosskraftwerke vor, die im kommenden Jahr ans Netz gehen sollen: Eben jenes Pumpspeicher-Projekt in Linth-Limmern und den Nordsee-Windpark Global Tech I. Verwaltungsratspräsident Lombardini nannte die Fortschritte bei den beiden Projekten «die guten Nachrichten» des vergangenen Jahres. Mit dem operativen Ergebnis sei man angesichts der schwierigen Marktbedingungen ebenfalls zufrieden, ergänzte CEO Andrew Walo. Besonders der Energiehandel laufe gut. In Zukunft wolle man sich noch europäischer ausrichten, so Walo, denn auf dem Schweizer Markt gebe es nicht mehr allzu viel zu holen.

Geprägt von Unsicherheit

«Die Axpo hat eine gesunde Bilanzstruktur», betonte Finanzchef Martin Schwab. Mit einer hohen Eigenkapitalquote von 37,2 Prozent stehe der Konzern solide da. Das sei auch notwendig, denn für die Axpo-Verantwortlichen ist klar: Der Energiemarkt wird auf absehbare Zeit von Unsicherheiten geprägt sein. So sei eine Entspannung beim Strompreis unwahrscheinlich. Die guten Nachrichten: Die Talsohle bei den Strompreisen sei nicht mehr weit weg, sagt CEO Walo. Ein dramatischer Einbruch sei daher nicht mehr zu erwarten — 10 bis 20 Prozent seien jedoch allemal möglich.

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