Finanzplatz
Wie Schweizer Banken ihren Mitarbeitern Schulnoten geben

Note 1 für miserabel - Note 5 für gut: Das gibt es nicht nur in Schulen, sondern auch bei der Credit Suisse und der Zürcher Kantonalbank. Lesen Sie hier, wie die Schweizer Banken heute ihr Personal benoten.

Vasilije Mustur
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Der Frühling steht vor der Tür. Für Bankmitarbeiter bedeutet das Zeit für den Bonus. Das gilt auch in diesem Jahr.

Bei Schweizer Banken stehen derzeit die letzten Jahresbeurteilungen für Bankmitarbeitende auf dem Programm. Dabei zeigen Recherchen der az: Einige Finanzinstitute verteilen ihren Arbeitnehmern bei diesen Beurteilungen fleissig Noten. So etwa die Zürcher Kantonalbank und die Credit Suisse.

Bei der ZKB erhalten die Mitarbeiter die Schulnoten von 1 bis 5. Diese Zensuren wirken sich für die Angestellten auf deren Bonus aus. Die Bank bestätigt dies auf Anfrage. Sie hat das System im Dezember 2009 implementiert. Es ist in folgende Notenskala gegliedert:

Note 1: «Erfüllt die Erwartungen nicht»

Note 2: «Erfüllt die Erwartungen teilweise»

Note 3: «Erfüllt die Erwartungen»

Note 4: «Übertrifft die Erwartungen teilweise»

Note 5: «Übertrifft die Erwartungen deutlich»

Ausserdem bestätigt das Finanzinstitut, dass «grundsätzlich alle Mitarbeitenden der ZKB mit einer guten Arbeitsleistung bonusberechtigt sind». Das System werde bei allen Mitarbeitern angewendet. Die Höhe der variablen Entschädigung hänge vom Gesamtresultat der Bank, der jeweiligen Funktion und der Leistung des einzelnen Mitarbeitenden ab.

Note 1 bedeutet nicht automatisch Entlassung

Auch die individuellen Fähigkeiten und das «Verhalten» des Mitarbeiters werden beurteilt und seien letzlich für den Bonus ausschlaggebend. «Diese variable Entschädigung kann bei ungenügender Zielerreichung oder schlechtem Geschäftsresultat ganz entfallen».

Bei der ZKB heisst es, dass es zu einem Leistungswert 1 kommen kann. Dies führe aber nicht zwingend zu einer Entlassung. In einem persönlichen Gespäch würden vielmehr das Entwicklungspotenzial des betroffenden Mitarbeiters eruiert und entsprechende Fördermassnahmen vereinbart.

Die Bank betont ausserdem, dass es sich nicht um ein «eigentliches Notensystem» handelt, sondern um einen Abgleich zwischen der Leistungsanforderung in einem bestimmten Berufsbild und der tatsächlich erbrachten Leistung.«Wir sprechen bei der Zürcher Kantonalbank nicht von ‹Noten›, sondern von Leistungswerten. Die Mitarbeitenden sollen nicht absolut benotet werden, sondern es geht darum, den Abgleich zwischen den Leistungsanforderungen in ihrem Berufsumfeld und ihrer tatsächlichen Leistung festzuhalten». Überdies stehe für die ZKB die Entwicklung des Mitarbeitenden im Vordergrund.

Keine «Gauss-Kurve» bei der ZKB

Weiter führt die Zürcher Kantonalbank aus, man habe ein Bewertungssystem, mit dem sich für jeden Mitarbeiter ein individueller Entwicklungsplan erarbeiten lasse, welche den Stärken und Schwächen der Mitarbeitenden Rechnung trage. «Dies geschieht im offenen Dialog zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten».

Hingegen dementiert die Kantonalbank Informationen, wonach das Notensystem mit einer so genannten «Gauss-Kurve» verknüpft sei. Bei der «Gauss-Kurve» handelt es sich um ein System, bei dem ein gewisser Prozentsatz der Bankangestellten zwingend eine ungenügende oder herausragende Note erhalten müssen. «Die Bonusverteilung erfolgt somit nicht nach einer derartigen Quotenregelung», sagt ein ZKB-Sprecher.

Führt die CS eine «Gauss-Kurve»?

Neben der Zürcher Kantonalbank führt auch die Grossbank Credit Suisse ein Notensystem. Demnach erhalten CS-Mitarbeiter bei den Jahresendgesprächen Noten von AAA bis C. Dabei stellt Triple-A die Bestnote und C den schlechtesten Wert dar. Darüber hinaus berichten mehrere Insider, dass die Credit Suisse in Verbindung mit dem Beurteilungssystem eine «Gauss-Kurve» verlangt.

Die Grossbank weist dies zurück. «Wir haben keine vorgeschriebene Verteilung von Beurteilungen - eine solche wäre mit unseren Prinzipien nicht vereinbar. Der Zweck des Beurteilungssystems ist die Entwicklung der Mitarbeiter».

Das Bewertungssystem habe auch Vorteile, so die Credit Suisse: «Die Vereinbarung von Zielen und die Beurteilung der Leistung unserer Mitarbeitenden ist ein zentrales Element für die erfolgreiche Umsetzung unserer Geschäftsstrategie wie auch für eine nachhaltige Personalentwicklung».

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