LOGISTIK
Wie Kühne + Nagel von der Pandemie profitiert

Dank dem stark verknappten Angebot verdient der Schwyzer Konzern in der Luftfracht gerade viel mehr Geld als vorher.

Daniel Zulauf
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Kühne + Nagel besitzt keine eigenen Flugzeuge, wie das Logo auf dem Modell eines Airbus A380 fälschlicherweise suggeriert. Doch der Konzern zeigt: Gute Gewinne lassen sich auch so erzielen.

Kühne + Nagel besitzt keine eigenen Flugzeuge, wie das Logo auf dem Modell eines Airbus A380 fälschlicherweise suggeriert. Doch der Konzern zeigt: Gute Gewinne lassen sich auch so erzielen.

Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

Kühne + Nagel hat 2020 mehr verdient als im Jahr davor. Dass diese Feststellung nur für das operative Ergebnis gilt, macht sie mit Blick auf die gravierenden Folgen der Coronapandemie auf den Welthandel nicht weniger spektakulär. Während die von dem Logistikkonzern im Berichtsjahr verkauften Transportleistungen um 3,4 Prozent auf 20,4 Milliarden Franken zurückfielen, verbesserte sich im gleichen Zeitraum der Betriebsgewinn um fünf Prozent auf 1,92 Milliarden Franken.

Mit einem derart glücklichen Jahresausgang konnte auch bei Kühne + Nagel bis vor wenigen Monaten kaum jemand rechnen. Zur Jahresmitte 2020 war das Volumen des weltweiten Güterhandels um 15 Prozent eingebrochen. Ein beispielloser Knick in dieser Statistik, in der normalerweise schon Veränderungsraten im tiefsten einstelligen Prozentbereich stark auffallen.

Die schlimmen Befürchtungen des Hauptaktionärs

Vor diesem Hintergrund hatte Mehrheitsaktionär und Ehrenpräsident Klaus-Michael Kühne noch im Mai öffentlich die Befürchtung geäussert, dass sich sein Unternehmen zum Abbau von bis zu einem Viertel der Mitarbeitenden gezwungen sehen könnte. Ein schlimmes Szenario, wenn man bedenkt, dass die Firma 2019 nahezu 100'000 Vollzeitbeschäftigte zählte.

So weit ist es glücklicherweise nicht gekommen. Kühne + Nagel zählte Ende Jahr immer noch über 93'000 Mitarbeitende, wobei die Stammbelegschaft im Gegensatz zum Bestand an temporären Angestellten immerhin um acht Prozent auf gut 72'000 Vollzeitstellen reduziert wurde.

Der auf diese Weise erreichte Kostenrückbau ist allerdings nur ein Grund für die gegenläufige Entwicklung von Umsatz und operationellem Gewinn. Die andere Erklärung ist die Preisentwicklung in der Luftfracht. Im Zug der weitgehenden Stilllegung der Personentransporte im internationalen Flugverkehr wurden auch enorme Frachtkapazitäten eingefroren. Das verbliebene Transportangebot war zu gering, um selbst für essenzielle Güter eine reibungslose Fortführung des Handels zu garantieren.

Für die Beschaffung zusätzlicher Luftfrachtkapazitäten liessen sich die Logistikunternehmen offensichtlich fürstlich entschädigen, wie die Zahlen von Kühne + Nagel zeigen: Mit einem im Vorjahresvergleich um 12,8 Prozent reduzierten Frachtvolumen erwirtschaftete der Schwyzer Konzern 2020 fast zwölf Prozent mehr Umsatz und über 50 Prozent mehr Betriebsgewinn.

Mehr Dividende trotz Kurzarbeitsentschädigung

Ein derart lukratives Geschäft wird der Wettbewerb der Logistikbranche längerfristig natürlich nicht zugestehen. Doch das K+N-Management rechnet auch im laufenden Jahr mit anhaltenden Knappheitserscheinungen in den Frachtmärkten, was in erster Linie zwar den Reedereien oder eben den Eigentümern von Frachtflugzeugen, in zweiter Linie aber auch den Logistikern zugutekommen könnte.

Dies ist wohl mit ein Grund dafür, dass die Aktien von K+N nach Veröffentlichung des Jahresergebnisses an der Schweizer Börse um mehr als vier Prozent auf über 230 Franken hochschnellten. Ein zweiter Grund für die euphorische Börsenreaktion ist die Tatsache, dass ein Grossteil der operationellen Verbesserungen im Schlussquartal angefallen war, was für eine positive Überraschung in der Investorengemeinde führte. Hilfreich für den Kursgewinn war schliesslich auch die unerwartete Erhöhung der Dividende auf 4,5 Franken je Aktie.

Die Dividendenerhöhung um 50 Rappen beziehungsweise um rund 60 Millionen Franken entspricht übrigens rund drei Vierteln der Kurzarbeitsentschädigungen von insgesamt 83 Millionen Franken, die der Konzern im Berichtsjahr in mehreren Ländern (auch in der Schweiz) beantragt hatte. Mit Blick auf den Umstand, dass trotz allem viele Stellen abgebaut wurden, ist das ein störender Vergleich.

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