Sammelbildchen
Wie die Panini-Bildchen in Modena entstehen

Es ist soweit: Panini bringt in der Schweiz die Sammelbildchen zur Weltmeisterschaft in Südafrika auf den Markt. Doch wie werden die Sticker mit den Freis, Ronaldos und Messis eigentlich produziert? Ein Besuch bei Panini in Modena.

Silvan Hartmann, Modena
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Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
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Rundgang im Panini-Werk in Modena (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)
Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)

Rundgang im Panini-Werk in Modera (Italien)

Chris Iseli

«Gelände betreten verboten, videoüberwacht!», steht mit grossen Lettern auf Italienisch vor dem Eingang an einer Blechtafel.

Das Gelände der Firma Panini S.p.A. gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Das Areal ist eingezäunt, die Fenster mit Eisenstangen verstärkt.

Die Telefonistin am Empfang macht mittels Kameraüberwachung eine Personenkontrolle. Dann sind der Journalist und der Fotograf dieser Zeitung endlich im Gebäude.

«Das sind leider unsere Sicherheitsstandards», entschuldigt sich Simona Spiaggia, die uns exklusiv durch das Unternehmen führt.

Wie alles anfing

1954 wurde aus einem Familienbetrieb ein Verlag, der sich schon bald auf Sticker und Comics konzentrierte. 1961 erschien das erste Panini -Album mit Fussballern der italienischen Liga. 1970 erschien das erste Album einer Weltmeisterschaft. Dazumal mussten die Bildchen noch befeuchtet werden, um sie aufzukleben - vergleichbar mit einer Briefmarke. 1980 erschien das erste Album einer Fussball-Europameisterschaft. An der WM 1994 erschien das erste Panini -Album mit der Schweizer Nationalmannschaft. Seither haben die Bildchen bei den Schweizern Kultstatus erreicht. (sha)

Die erhöhte Sicherheit ist notwendig, weil Panini in Italien gegen einen der grössten Panini-Schwarzmärkte der Welt kämpft. Dabei kaufen illegale Händler Bildchen in einem Tiefpreisland, um sie in einem Hochpreisland wieder zu verkaufen.

Deshalb hat Panini für Staaten mit hohem Schwarzmarkt-Potenzial verschiedene Sticker-Alben der Fussball-WM 2010 kreiert.

Diese sind für die lateinamerikanischen Staaten, die Balkanländer und Italien gedacht. Damit sei das Geschäft für den illegalen Händler nicht mehr ganz so interessant, weil er die Sticker nur in seinem Land vertreiben könne, erklärt Spiaggia.

Doch auch die Schweiz darf auf ein exklusives Sticker-Album zählen. Das hat einen anderen, einfachen Grund: Die Schweizer sind Weltmeister im Panini-Sticker sammeln.

Kein anderes Land auf der Welt sammelt pro Einwohner mehr Sticker. Fast jeder Zehnte wird laut Schätzungen ein Album haben.

48 Millionen Bilder pro Tag abgepackt

Szenenwechsel: Bevor wir in die erste von zwei Produktionshallen können, müssen wir ein Dokument unterschreiben, mit dem wir bestätigen, dass wir nichts klauen und stets mit einer Führungsperson von Panini auf dem Areal umherlaufen.

In der Produktionshalle werden die Verpackungen für das einzelne Päckli bedruckt. Dann wandern die Verpackungen in die zweite Halle.

Dort warten Millionen von Bildchen auf den Zuschnitt mit unvorstellbar scharfen Klingen. Denn vorerst sind die Kultbildchen auf grossen Bögen zu bestaunen.

In dieser Halle reihen sich Maschine an Maschine - insgesamt sind es 25. Sie laufen auf Hochtouren und packen die Bildchen ein.

Es ist laut und es riecht nach Klebstoff. Die Maschinen funktionieren vollautomatisch.

Trotzdem steht noch bei jeder Maschine ein Mitarbeiter. Er überwacht die Produktion und füllt von Hand Sticker in die Schächte nach.

Panini in Zahlen Mitarbeiter: 460 in Modena über 1000 weltweit Verkauf: in 160 Ländern Bilder-Produktion: 5 Milliarden (300 Mio. in der Schweiz) Umsatz: 2006 765 Mio. Franken Erw. Umsatz 2010: 1,06 Mrd. Franken

Panini in Zahlen Mitarbeiter: 460 in Modena über 1000 weltweit Verkauf: in 160 Ländern Bilder-Produktion: 5 Milliarden (300 Mio. in der Schweiz) Umsatz: 2006 765 Mio. Franken Erw. Umsatz 2010: 1,06 Mrd. Franken

Keystone

Sie sortiert falsch eingepackte Bildchen aus. «Damit können wir gewährleisten, dass auch überall 5 Sticker drin sind», sagt Spiaggia.

Während der WM-Sticker-Produktion von März bis Mai hat Panini 100 Temporärstellen geschaffen. Damit können in drei Schichten gearbeitet und stolze 48 Millionen Bildchen pro Tag abgepackt werden.

Bestellung fehlender Bildchen beliebt

Doch wer denkt, dass Ende Mai die Arbeit für Panini erledigt ist, irrt sich.

Für die Mitarbeiterinnen der Abteilung «Missing Stickers» geht die Arbeit erst während der Weltmeisterschaft so richtig los. Bei ihnen können nämlich bis zu 50 noch fehlende Bildchen bestellt werden.

Vorerst können die elf Mitarbeiterinnen, die gemeinsam nicht weniger als acht Sprachen sprechen, die Beine hochlagern.

«Die grosse Arbeit kommt im Juni, Juli und August», sagt die Abteilungsleiterin. Die WM werden sie der Arbeit wegen verpassen.

«Wir haben dann nicht mal Zeit für eine Kaffeepause und Ferien kommen schon gar nicht infrage», sagt sie schmunzelnd.

Erst im September dürfte im Betrieb wieder etwas Ruhe einkehren.

Und die Kassen werden mächtig klingeln: Denn Panini will den Jahresumsatz um zehn Prozent steigern - nicht zuletzt dank den fünf Milliarden produzierten Kultbildchen.

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