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Wie der Pharmakonzern Novartis am US-Militär verdient

Der BaslerPharmakonzern Norvartis hat seinen Umsatz mit den US-Soldaten und -Veteranen auf gut 400 Millionen Dollar verdoppelt. Mehr Kriegseinisätze und eine Änderungen bei der Veteranenbetreuung sind die Ursachen.

Isabel Strassheim
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US Soldat 2010 in der afghanischen Provinz Kandahar

US Soldat 2010 in der afghanischen Provinz Kandahar

Keystone

Die Ausgaben für Medikamente durch das US-Militär sind in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass sie die Kosten für Black-Hawk-Kampfhelikopter übersteigen. Davon profitiert auch der Schweizer Konzern Novartis, er zählt zu den grössten Pharmalieferanten des US-Verteidigungsministeriums.

Die Amerikaner bezogen von den Baslern im Jahr 2011 Pillen, Impfmittel und Injektionen im Wert von rund 400 Millionen Dollar. Damit haben sich die Lieferungen von Novartis seit 2002 mehr als verdoppelt, wie die US-Zeitung «American Statesman» unter Berufung auf das Pentagon schreibt. Novartis konnte die Zahlen zunächst nicht bestätigen.

Hinter den beiden amerikanischen Konzernen Pfizer und Merck sowie der britischen GlaxoSmithKline steht Novartis beim Umsatz mit der weltgrössten Militärmacht an vierter Stelle. Insgesamt gab das US-Verteidigungsministerium 2011 für Arzneimittel 6,8 Milliarden Dollar aus.

Militär fungiert als Krankenkasse

Nicht nur der Irak- und der Afghanistankrieg haben in den letzten zehn Jahren die Bezüge von Arzneimitteln in die Höhe getrieben, sondern auch eine Gesetzesrevision: Seit Oktober 2001 können pensionierte Soldaten, die mindestens 20 Jahre gedient haben, lebenslang Medikamente über die Militärkrankenkasse Tricare beziehen. Zuvor wurden sie in die öffentlich-staatliche Versicherung Medicare transferiert, die weniger für Medikamente erstattet.

Novartis machte 2011 insgesamt 58,6 Milliarden Dollar Umsatz, davon ein Drittel - also knapp 20 Milliarden Dollar - in den USA. Die Lieferungen an das US-Militär machen damit einen verhältnismässig kleinen Teil aus. Dennoch dürfte das Pentagon zu den grossen US-Kunden des Basler Konzerns gehören. Denn das US-Militär fungiert eben auch als Krankenkasse. Zu den Bestsellern gehört deshalb wie bei den Zivilisten auch der Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer (317 Millionen Dollar Umsatz durch Tricare und Verteidigungsministerium von 2002 bis 2011). Gefragt sind aber auch andere Standardmittel wie Osteoporose- oder Asthmamedikamente.

USA sind wichtigster Pharmamarkt

Mit Effexor (von Wyeth) findet sich jedoch auch ein Antidepressivum unter den Umsatzrennern, was die zunehmende Zahl an psychischen Erkrankungen der Veteranen spiegelt. Gemäss dem «American Statesman» gab das US-Militär in den letzten zehn Jahren mindestens 2,7 Milliarden Dollar für Medikamente gegen Depressionen aus. Das texanische Blatt analysierte sämtliche Medikamenteneinkäufe durch das Verteidigungsministerium der letzten zehn Jahre. Die USA sind für Pharmafirmen der wichtigste Markt, weil die Medikamentenpreise dort nicht staatlich reguliert sind und Firmen sie frei festsetzen können.

Rund die Hälfte des Umsatzes läuft jedoch über staatliche Institutionen wie Medicare oder Tricare, für die eigene Regularien gelten. Das US-Verteidigungsministerium hat eine starke Preismacht inne und kann die Kosten drücken.

«Es ist klar, dass die USA verstärkt Druck auf die Medikamentenerstattungen durch die staatlichen Institute ausüben werden. Der Staat kann sich nicht uferlos verschulden», sagt Vontobel-Analyst Andrew Weiss. Der Medikamentenbedarf der Armee dürfte zwar mit dem zunehmenden Alter der Veteranen weiter steigen. Aber die Schuldenobergrenze der USA ist formal erreicht. Und die Verhandlungen über ihre Anhebung und die in zwei Monaten anstehende erneute Fiskalklippe dürften nicht einfacher werden als an Silvester.

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