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Werkzeugkonzern Hilti scheint in China «auf dem Weg zur Normalität»

Ohne Corona hätte Hilti Umsatzmarke von 6 Milliarden Franken geknackt. (Symbolbild)

Ohne Corona hätte Hilti Umsatzmarke von 6 Milliarden Franken geknackt. (Symbolbild)

Das Corona-Virus beeinträchtigt den Umsatz von Hilti, doch zumindest in China scheint das Gröbste überwunden zu sein. In China betreibt der Werkzeugkonzern zwei grosse und drei kleinere Werke.

Mit der Marke von 6 Milliarden Franken Umsatz hatte Hilti vergangenes Jahr geliebäugelt. Herausgekommen sind 5,9 Milliarden. Das Verpassen der Marke hat mehrere Gründe, wie Konzernchef Christoph Loos an ei­ner Videokonferenz sagte, nachdem Hilti die Bilanzmedienkonferenz in Zürich wegen Corona kurzfristig abgesagt hatte.

Zum einen haben sich die Währungen für Hilti negativer entwickelt als erwartet, was in Franken gerechnet 2 Umsatzprozente kostete. Zum andern schwächt die globale Baukonjunktur ab; das weltweite Wachstum sank 2019 laut Loos von über 5 auf rund 1,5 Prozent. Ferner sind politische Ungewissheiten geblieben, Stichworte Handelskonflikt China – USA oder Krise im Mittleren Osten.

Dennoch macht der Liechtensteiner Bauzulieferer mit seinem Umsatzwachstum von 4,3 Prozent weitere Marktanteilsgewinne geltend, die gar noch üppiger ausgefallen seien als in den Vorjahren. Dass Hilti gut in der Spur ist, zeigen der Ausbau des Personalbestands um 1000 auf über 30'000 Mitarbeitende und die Verbesserung der operativen Marge von 12,9 auf 13,3 Prozent, womit wieder das Niveau von 2017 erreicht ist und Hilti erneut das Mittelfristzielband von 10 bis 12 Prozent übertroffen hat.

Digitalisierung eröffnet neue Geschäftschancen

Hilti setzt auf Direktvertrieb, Service und Innovationen. Die Digitalisierung hilft Hilti, das Geschäftsmodell zu erweitern und auf Baustellen immer weiter zu expandieren. Als Beispiel nennt Verwaltungsratspräsident Heinrich Fischer das Building Information Modeling (BIM).

Zunächst erstellt Hilti beispielsweise für komplexe Installationen eines Spitals, Rechenzentrums oder Produktionsbetriebs für die Kunden einen digitalen 3D-Zwilling. In einem zweiten Schritt werden die Arbeiter des Kunden befähigt, auf der Baustelle das digitale Layout ins Gebäude zu übertragen. Drittens liefert Hilti vormontierte Bauteile auf die Baustelle.

Dieses Vorgehen steigert die Produktivität und erleichtert den Unterhalt der Anlagen. Um punkto Innovationskraft an der Spitze zu bleiben, hat Hilti die Mittel für Forschung & Entwicklung über die letzten Jahre von 4 auf über 6 Prozent des Umsatzes erhöht.

Hilti gereicht zum Vorteil, dass der Konzern global breit abgesetzt ist. Die Hälfte des Umsatzes stammt aus Europa, ein Viertel aus Nordamerika, dem Wachstumsmotor der vergangenen Jahre, ein Achtel aus Asien. China trägt 3 Prozent zum Umsatz bei, spielt aber eine ungleich wichtigere Rolle in der weltweiten Lieferkette. Hilti betreibt in China zwei grosse und drei kleinere Werke mit insgesamt 1500 Beschäftigten.

Zuversicht bezüglich Entwicklung in China

Hilti sendet zweierlei Signale aus: «Bereits heute verzeichnen wir einen sehr sichtbaren Einbruch unseres Geschäfts in China», sagt Konzernchef Loos, doch Verwaltungsratspräsident Fischer sagt: «Wir sind in China zurück auf dem Weg zur Normalität.» Auf Nachfrage präzisiert Loos, der Geschäftseinbruch in China habe sich auf die vergangenen sechs Wochen konzentriert.

Inzwischen seien dort 80 bis 90 Prozent der Hilti-Beschäftigten zurück an der Arbeit, und ihr Tagesablauf sowie jener auf den Baustellen sei schon viel normaler geworden. Auch habe Hilti ein Monitoring aufgezogen für die rund 5000 lokalen Lieferanten. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir keine grösseren Unterbrüche der Lieferkette erleben werden», sagt Loos.

Der Ausblick bleibt gleichwohl eine Blackbox. Wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt und welchen Einfluss sie letztlich auf die Hilti-Ergebnisse dieses Jahr haben wird, vermögen Fischer und Loos noch nicht zu sagen.

Klar ist nur: Ohne Corona würde die Umsatzmarke von 6 Milliarden Franken geknackt werden, und die Profitabilität dürfte auf einem ähnlichen Niveau wie vergangenes Jahr zu liegen kommen. Weiter ausgebaut wird der Hilti-Campus am Hauptsitz in Schaan. In die Modernisierung der Infrastrukturen investiert man total über 200 Millionen

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