Öffentlicher Verkehr

Wasserlecks und Türstörungen: Die renovierten Züge der SBB weisen deutliche Mängel auf

Die Doppelstockzüge der Zürcher S-Bahn wurden modernisiert. Nun stehen schon wieder Nacharbeiten an.

Die Doppelstockzüge der Zürcher S-Bahn wurden modernisiert. Nun stehen schon wieder Nacharbeiten an.

Die SBB wollten die Zürcher S-Bahn-Flotte auf Vordermann bringen. Doch nun zeigt sich: Die renovierten Züge haben Mängel. Das hat Folgen für die Pendler. Es ist nicht der einzige Zugtyp, der Probleme bereitet.

Klimaanlagen, behindertengerechte Türen und neue Sitze: Während sieben Jahren bauten die SBB 115 Züge der Zürcher S-Bahn um. Mit einem grossen Festakt wurde der Abschluss des Projekts vor zwei Jahren im Zürcher Hauptbahnhof begangen. Die Züge seien nun wieder fit für die nächsten 15 bis 20 Jahre, sagte der heutige SBB-Personenverkehrschef Toni Häne.

Nun stellt sich heraus: Die Züge müssen bereits wieder repariert werden. Die SBB suchen derzeit eine externe Firma, die unter anderem Regenrinnen abdichtet, Isolationen repariert oder die Isolation der Dachverkleidung kontrolliert. Ausserdem müssen Lüftungsrohre neu befestigt werden und es stehen Arbeiten im Zusammenhang mit undichten Aussenluftkasten an. Die SBB rechnen mit Kosten in der Höhe eines tiefen einstelligen Millionenbetrags. Interessierte Firmen können sich bis Mitte Oktober bewerben, wie aus der öffentlichen Ausschreibung hervorgeht.

Türstörungen wegen Wassereintritt

Die Mängel haben negative Folgen für die Pendler. «Sie haben dazu geführt, dass bei den modernisierten Doppelstockzügen im Bereich der Türen kleine Mengen Wasser eintreten, was zu Türstörungen führen kann», sagt SBB-Sprecher Raffael Hirt. Zu solchen sei es in der Folge «vereinzelt» gekommen: «Wir bedauern das.»

Die betreffenden Doppelstockzüge, die als DPZ bezeichnet werden, wurden ursprünglich in den Jahren 1989 bis 1997 in Betrieb genommen und bilden das Rückgrat der Zürcher S-Bahn, die von den SBB betrieben wird. Mit dem Modernisierungsprogramm in der Hälfte ihrer Lebensdauer erhielten die Züge auch Mobilfunkverstärker, neue Flächen für Velos und Kinderwagen oder rollstuhlgängige Toiletten.

«Üblich bei so grossen Projekten»

Es sei nicht ungewöhnlich, dass Nacharbeiten nach so kurzer Zeit nötig werden, sagt SBB-Sprecher Raffael Hirt: «Bei einer langen Projektdauer können während der Realisierung gewonnene Erkenntnisse durchaus dazu führen.» Für das Modernisierungsprojekt seien über 700 Millionen Franken budgetiert gewesen. «Diese Nacharbeiten beheben Mängel, wie sie bei Projekten dieser Grössenordnung üblich sind.» In der Mitteilung zum Abschluss der Modernisierungsarbeiten wurde das Budget auf 600 Millionen Franken beziffert.

Während die SBB die Modernisierungsarbeiten grösstenteils noch selbst ausführten, ist das nun bei den Nacharbeiten nicht mehr möglich. Die SBB hätten kurzfristig keine Kapazität, sagt Sprecher Hirt. «Deswegen haben wir uns entschieden, die Nacharbeiten auszuschreiben, damit sie schnellstmöglich ausgeführt werden können.»

Deutsche Bahn saniert Fernverkehrswagen

Es ist nicht das erste Mal, dass die SBB einen solchen Auftrag nicht selbst ausführen können, weil ihnen die Kapazitäten fehlen. Vor einem Jahr hat die Bahn den Auftrag zur Modernisierung von 93 Fernverkehrswagen des Typs EW IV an die Deutsche Bahn vergeben. Die eigenen Werke seien aufgrund von vielen laufenden Fahrzeugmodernisierungen und -revisionen bereits ausgelastet, begründeten die SBB damals. Derzeit werden etwa die Fernverkehrs-Doppelstockwagen des Typs IC 2000 modernisiert. Zuletzt haben die SBB zudem im Juni dringende Arbeiten an den Türen von Eurocity- und Intercity-Wagen nach Österreich vergeben.

Doch nicht nur die S-Bahn-Züge der ersten Generation bereiten den SBB Probleme. Im Oktober letzten Jahres musste die Bahn bekanntgeben, dass sie bei den Doppelstockzügen der Zürcher S-Bahn der zweiten Generation von Hersteller Siemens, den sogenannten DTZ, einen vermehrten Verschleiss an Fahrmotoren und Achslagern festgestellt hatte.

Es fehlen mehrere Züge

Wegen den Reparaturarbeiten fehlen nun jeweils sechs Züge gleichzeitig. Das entspricht 2'000 Sitzplätzen weniger. Auf diversen S-Bahn-Linien sind darum kürzere Züge unterwegs, auf Teilstrecken muss laut SBB in den Hauptverkehrszeiten mit Stehplätzen gerechnet werden - eine unschöne Folge in Zeiten des Social Distancing.

Bei den Reparaturarbeiten kam es mehrfach zu Verzögerungen. Eigentlich sollten die Arbeiten an den DTZ im Dezember 2019 beendet sein. Danach kommunizierte der Kanton Zürich, dass die Arbeiten bis Juni dauern würden. Ende Juni teilten die SBB nun mit, dass auch dieser Termin «infolge eines Corona-bedingten Rückgangs von Materiallieferungen» nicht zu halten sei. Nun rechnet die Bahn mit einer Behebung des Problems bis Ende Jahr. Immerhin: Um die Auswirkungen auf die S-Bahn-Pendler zu minimieren, hat die Bahn Züge aus dem Fernverkehr abgezogen.

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