Ferientage

Warum Sie Ihre Ferien beziehen sollten

Das Jahresende naht, aber Überstunden und Ferientage sind nicht abgebaut. Was nun? Wir beantworten die brennendsten Fragen.

1. Darf der Arbeitgeber nicht bezogene Ferientage streichen?

Nein, denn es gibt auch für Ferien eine Verjährungsfrist. Diese beträgt fünf Jahre. Dazu kommt, dass beim Feriensaldo immer erst die ältesten Ferientage beglichen werden, die man noch zugute hat. So ist eine Verjährung in der Realität fast unmöglich.

Der Arbeitgeber ist indes dafür zuständig, dass Angestellte ihre Ferien im selben Jahr beziehen: «Der Ferienbezug ist ganz klar eine Führungsaufgabe», sagt die Juristin und Unternehmensberaterin Brigitte Kraus. Damit dies gewährleistet sei, müsse man regelmässig die Feriensaldi prüfen. Nur so könnten rechtzeitig Massnahmen getroffen werden. Doch auch eine festgesetzte Frist für die Einreichung der Wunschferien sei ein gutes Prüfungsinstrument. Bei kleineren Unternehmen sorgen jeweils Betriebsferien dafür, Feriensaldi zu reduzieren.

2. Darf sich ein Arbeitnehmer weigern, Ferien zu beziehen?

«Manche Angestellte wollen gar nicht in die Ferien gehen, obwohl sie Erholung nötig hätten», sagt Kraus. Das höre sie oft bei Beratungsgesprächen. Das geht aus zwei Gründen nicht: Der Arbeitnehmer kann sich nicht erholen. Obendrein ist die Anhäufung von Ferientagen bei einer Kündigung problematisch: Die Stellenübergabe kann so zum Fiasko werden, weil die betreffende Person den Rest der Kündigungszeit mit Ferien kompensieren muss. Es ist im Interesse beider Parteien, Ferienbezüge konsequent zu organisieren. Die Hauptverantwortung liegt beim Vorgesetzten.

3. Der Arbeitgeber will einige Ferientage auszahlen. Ist das zulässig?

Grundsätzlich ist das verboten, denn Ferien gelten als Erholungszeit und haben einen gesundheitlichen Hintergrund. Somit müssen Angestellte – auch im Teilzeitpensum – ihre Ferientage immer beziehen. Allerdings gibt es Ausnahmen, beispielsweise bei befristeten Arbeitsverhältnissen oder bei unregelmässig arbeitenden Personen.

Eine weitere Ausnahme ist die Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Falls bis zum letzten Arbeitstag nicht alle Ferientage bezogen werden konnten, muss der Arbeitgeber die verbliebenen Ferientage auszahlen.

4. Müssen Ferientage im Jahr bezogen werden, in dem sie anfallen?

Das Obligationenrecht (OR) schreibt vor, dass Ferien «in der Regel im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu gewähren» sind. Wie dies gemacht werden soll, lässt das OR offen. Arbeitgeber pochen daher häufig darauf, dass Ferien im selben Jahr bezogen werden. Auch dabei geht es gemäss Brigitte Kraus um die Regeneration: «Letztlich nützt es auch dem Arbeitgeber wenig, wenn sich der Arbeitnehmer mangels Ferien nicht erholen kann.» Darunter könne die Arbeitsqualität stark leiden.

Ein weiterer Grund ist buchhalterischer Natur. Wenn die Ferientage vollständig bezogen sind, müssen im Jahresabschluss keine Rückstellungen gebildet werden. Nicht bezogene Ferien gelten als Zusatzaufwand und müssen als Arbeitsstunden verbucht werden. Damit schmälert sich der Gewinn.

Nicht bezogene Ferientage oder Überstunden zu erfassen, ist besonders für Unternehmen mit mittelgrossem Personalbestand aufwendig. Denn das Ganze geht weit über die Ermittlung der nicht bezogenen Ferientage hinaus: Auch die verschiedenen Stundensätze, Lohnklassen und Sozialversicherungsabgaben gilt es zu berücksichtigen. Wenn dafür nicht die passende Software bereitsteht, welche die restlichen Ferientage sämtlicher Mitarbeiter automatisch ermittelt, stehen Personalbuchhalter vor einer Herkulesaufgabe. Besser ist es also, wenn der Stundensaldo Ende Jahr ausgeglichen ist. Falls dem nicht so ist, bleibt der Buchhaltung nichts anderes übrig, als nicht bezogene Ferientage und deren Kosten zu berechnen.

5. Der Chef ordnet kurzfristig Ferien an. Darf er das?

Grundsätzlich entscheidet der Arbeitgeber, wann der Arbeitstätige seine Ferien beziehen darf. So gibt es das OR vor. Wie lange im Voraus der Chef Ferien bekannt geben muss, ist nicht geregelt. Drei Monate gelten als Richtmass.

Die Arbeitgeber müssen laut OR noch zwei weitere Regeln beachten. Mindestens zwei Ferienwochen pro Jahr müssen zusammenhängen. Ausserdem müssen die Wünsche des Arbeitnehmers angehört und darauf Rücksicht genommen werden, wenn sie sich mit den betrieblichen Bedingungen vereinbaren lassen.

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