Oligarch

Viktor Vekselberg: Der Mann mit den stahlblauen Augen

Viktor Vekselberg: Ist der Russe besser als sein Ruf? Marc Wetli

Viktor Vekselberg: Ist der Russe besser als sein Ruf? Marc Wetli

Viktor Vekselberg ist selten da und trotzdem allgegenwärtig – wer ist der russische Oligarch? Ein Portrait jenes Mannes, der beim Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach nach der Macht greift.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, ein Foto von Viktor Vekselberg zu finden, auf dem er lacht. Mit seinem weissen Bart und der Halbglatze wirkt der 56-Jährige älter, als er ist. Die dunklen Augenbrauen und die stahlblauen Augen geben dem russischen Oligarchen ein eher kaltes Erscheinungsbild. Sein Blick taugt für eine Rolle als James-Bond-Bösewicht. Umso erstaunlicher ist es, dass Vekselberg von Menschen, die ihn persönlich getroffen haben, als zugänglich, ja gar als warm, beschrieben wird. «Ein väterlicher Typ», sagt ein Vertrauter von ihm.

(Quelle: Russia Today/Youtube.com)

Eines der seltenen Interviews von Viktor Vekselber

Das passt so gar nicht ins Bild, das die breite Öffentlichkeit von Vekselberg hat. Er ist bekannt als Mann der eiskalten Übernahmen. Als Mann, der bei OC Oerlikon, Sulzer und nun auch beim Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach für Unruhe gesorgt hat. Im Fall von Sulzer musste er wegen Verstössen gegen Meldepflichten eine Wiedergutmachungszahlung leisten. Bei OC Oerlikon wurde er zuerst ebenfalls zu einer Busse verdonnert, später wurde diese vom Bundesstrafgericht aber aufgehoben. Vekselberg beschäftigt die Skepsis der Schweizer: «Das Misstrauen, das man mir am Anfang entgegenbrachte, fand ich nicht angemessen», sagte der Milliardär Ende Januar der «Nordwestschweiz». Er sei kein Börsenspekulant, als den man ihn oft verunglimpfe. Er sei ein Industrieller, der langfristig denke.

Das «Forbes Magazine» schätzt Vekselbergs Vermögen auf 12,4 Milliarden Dollar. «Ihm liegt aber nicht viel an seinem Reichtum», sagte Thomas Borer der «Bilanz». Borer war früher als Berater für Vekselberg tätig: «Wenn eine Zeitung schreiben würde, dass Vekselberg nur sechs Milliarden habe, wäre ihm das egal.» Er sei nicht geldgetrieben.

Kaum Kontakt zu Führungskräften

Wenn Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova bei einem Schweizer Unternehmen einsteigen will, steht immer der Oligarch im Fokus. Dabei ist bekannt, dass sich der gelernte Mathematiker weitgehend aus dem operativen Geschäft von Renova zurückgezogen hat. Einer seiner Stellvertreter ist Vladimir Kuznetsov. Dieser ist voll des Lobes für seinen umstrittenen Landsmann: «Er schenkt uns viel Vertrauen.» Habe Vekselberg sein grundsätzliches Okay gegeben, dann seien die Renova-Verantwortlichen innerhalb bestimmter Investitionslimiten frei in ihren Entscheidungen. «Diese Limiten sind selten unter 50 Millionen Franken. Bei freigegebenen Projekten betragen sie meistens einige hundert Millionen Franken», so Kuznetsov. Diese Freiheiten sind nötig, denn einfach anrufen kann Kuznetsov seinen Boss nicht jeden Tag.

Führungskräfte der Schweizer Unternehmen, an denen Vekselberg beteiligt ist, haben mit ihrem prominenten Geldgeber, der Englisch, aber kein Deutsch spricht, noch weniger zu tun. «Im letzten Jahr habe ich ihn zweimal für eine halbe Stunde zu einer Tasse Tee gesehen», sagte der Ende März abgetretene Sulzer-Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann. Sulzer-CEO Klaus Stahlmann hat Vekselberg in seinem ersten Jahr an der Spitze des Industriekonzerns kein einziges Mal getroffen. Seine Ansprechpartner sind die zwei Verwaltungsräte von Renova.

Die Schweiz ist nur eines von mehreren Ländern, in denen Vekselberg geschäftlich tätig ist. Am wichtigsten ist nach wie vor Russland, wo er sich unter anderem um den Aufbau des Forschungszentrums Skolkovo südwestlich von Moskau kümmert. Dort sollen ab 2014 bis zu 20 000 Spezialisten in den Bereichen Energie, IT, Biomedizin, Raumfahrt und Nukleartechnologie tätig sein und der russischen Wirtschaft den Anschluss ans Hightech-Zeitalter sichern.

Ein Leben im Flugzeug

Vekselberg treibt das Projekt im Auftrag des ehemaligen russischen Staatspräsidenten Dmitri Medwedew voran. Von einer «engen Beziehung» zum Kreml will Vekselberg aber nichts wissen: «Rücken Sie mich nicht künstlich zu nah an den Premierminister heran! Ich pflege eine professionelle Zusammenarbeit mit Medwedew und dem Präsidenten Russlands», sagt der Milliardär.

Kritik an der russischen Führung äussert Vekselberg allerdings nie und für Skolkovo hängt er sich voll rein. Er versucht, internationale Partnerunternehmen für das Projekt zu gewinnen – eine zeit- und reiseintensive Aufgabe: «Rund 50 Prozent seiner Zeit verbringt Viktor im Flugzeug», weiss ein Vertrauter. Einer seiner Privatjets – der Milliardär besitzt mehrere – ist perfekt für das viele Reisen ausgestattet. Seine Frau Marina hat allerdings keine Lust, tagein, tagaus rund um den Globus zu jetten. In den letzten Jahren war sie deshalb meist in den USA, wo die zwei erwachsenen Kinder leben. Am Wohnsitz in Zug sind die Vekselbergs selten anzutreffen.

Vekselberg ist ein Workaholic. Er begann seine Geschäftskarriere noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991. Seine erste Million verdiente er gemäss eigenen Angaben mit dem Import von preisgünstigen westlichen Computern, die er mit eigener Software ausrüstete und teuer an die staatlichen Energiekonzerne verkaufte. Sein einziges Hobby ist die Kunst. Für dieses hat er in jüngster Zeit aber nicht mehr so viel Zeit wie auch schon.

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