Die Führung von Raiffeisen ist nervös. Ihr Kandidat fürs Präsidium, der Basler Guy Lachappelle, wird von der Vergangenheit eingeholt. Wie diese Woche bekannt wurde, führt das Finanzdepartment (EFD) ein Verfahren gegen Vertreter der Basler Kantonalbank (BKB). Die Behörde ist der Ansicht, dass die Bank zu spät eine Verdachtsmeldung wegen Geldwäscherei eingereicht hat. Wie ein Sprecher des EFD bestätigt, ermittelt die Behörde gegen mehrere Personen. Lachappelle gehöre nicht zu diesem Personenkreis. Dieser trägt als damaliges Mitglied der Geschäftsleitung eine generelle Mitverantwortung.

Der EFD-Sprecher machte keine Angaben darüber, ob der scheidende BKB-CEO doch noch ins Verfahren hineingezogen werden könnte. Bei einer Verurteilung drohen Bussen von bis zu 500 000 Franken. Das Verfahren steht im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal um das Devisenvehikel ASE, bei dem Tausende Anleger um Dutzende Millionen gebracht wurden. Die BKB mit Lachappelle als Kreditchef fungierte damals als Depotbank für ASE.

Raiffeisen bestätigt, dass Lachappelle im Rahmen des Bewerbungsverfahrens «offen und transparent» über den Betrugsfall Auskunft gegeben habe. Wie eine Sprecherin mitteilt, machte er diese Angaben gegenüber dem «Nominations- und Vergütungsausschuss sowie dem gesamten Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz».

Nicht in Kenntnis gesetzt über den heiklen ASE-Fall wurden offenbar zwei Regionalpräsidenten, die sich vor der offiziellen Bekanntgabe der Kandidatur mit Lachappelle trafen. Deren Unterstützung ist zentral, will dieser im November von den Delegierten gewählt werden. Wie Recherchen ergeben haben, wurden die Raiffeisen-Vertreter zudem nicht über Lachappelles Gehalt informiert. Der künftige Raiffeisen- Präsident soll rund 700 000 Franken verdienen – deutlich mehr als sein Vorgänger.

Dass die regionalen Genossenschaftsvertreter nur bruchstückhaft informiert wurden, sorgt in der Raiffeisen-Gemeinschaft nun für Unmut. Bis zur ausserordentlichen Delegiertenversammlung dauert es noch sechs Wochen. In dieser Zeit dürfte Lachappelle noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Allerdings befindet er sich noch bis zum Vorabend seiner voraussichtlichen Wahl in den offiziellen Diensten der Basler Kantonalbank.