USA
Trotz hoher Inflationsrate: US-Notenbank will Zinsen erst im Frühjahr 2022 erhöhen

Keine Panikreaktion der Währungshüter: Die Federal Reserve hält an der Nullzinspolitik fest. Die Kurskorrektur wird allerdings vorgezogen. Nun rechnen die Geldpolitiker mit drei Zinserhöhungen im nächsten Jahr.

Renzo Ruf, Washington
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Fed-Chef Jerome Powell strebt Vollbeschäftigung und stabile Preise an; im nächsten Frühjahr stehen deshalb in den USA Zinserhöhungen an.

Fed-Chef Jerome Powell strebt Vollbeschäftigung und stabile Preise an; im nächsten Frühjahr stehen deshalb in den USA Zinserhöhungen an.

Susan Walsh / AP

So richtig eilig hat es die US-amerikanische Notenbank immer noch nicht. Trotz rekordverdächtiger Teuerung – im November stieg der Konsumentenpreisindex im Jahresvergleich um 6,8 Prozent – will die Federal Reserve bis im nächsten Frühjahr warten, und erst im März oder Mai die erste Zinserhöhung nach der Corona-Krise vornehmen.

Bis dann wollen die Währungshüter sicherstellen, dass in der grössten Volkswirtschaft wieder Vollbeschäftigung herrsche, hiess es am Mittwoch in einer Stellungnahme des geldpolitischen Gremiums der Federal Reserve. Bei der Verwirklichung dieses Ziel mache die USA aktuell «schnelle Fortschritte, sagte Fed-Chef Jerome «Jay» Powell an einer Pressekonferenz. Im November belief sich die US-amerikanische Arbeitslosenrate gemäss der offiziellen Statistik auf 4,2 Prozent. Gemäss einer alternativen Berechnungsart waren im November aber 7,8 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter arbeitslos oder unterbeschäftigt. Dies entspricht etwas mehr als 12,5 Millionen Menschen.

Eine Mehrheit des Fed-Offenmarktausschusses rechnet nun mit bis zu drei Zinserhöhungen (wohl jeweils um ein Viertelprozent) im kommenden Jahr. Dies ist es einem Dokument zu entnehmen, in dem die Währungshüter jeweils ihre Vorhersagen über den Wirtschaftsverlauf in den nächsten Jahren dokumentieren.

Wann die US-Notenbank damit beginnen wird, an der Zinsschraube zu drehen, wollte der Fed-Chef am Mittwoch nicht verraten. Die Federal Reserve gab allerdings ebenfalls bekannt, dass die monatlichen Stützungskäufe, mit denen die Notenbank in der Corona-Krise einen Zusammenbruch der Finanzmärkte verhinderte, schneller als bisher bekannt beendet würden. Demnach werden diese Interventionen ab Januar um nunmehr 30 Milliarden Dollar pro Monat reduziert; im laufendenden Monat beliefen sich die Stützungskäufe noch auf 90 Milliarden Dollar pro Monat. Powell sagte am Mittwoch, dass er nicht damit rechne, dass eine Zinserhöhung vor dem Ende der Stützungskäufe beschlossen werde.

Die Finanzmärkte der USA reagierten positiv auf die Stellungnahme der Federal Reserve. Der Leitindex der New Yorker Börse legte zu. Auch die Kurse an der Technologiebörse Nasdaq tendierten aufwärts.

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