Wirtschaft

UBS und Credit Suisse infiziert vom Corona-Virus: Die Grossbanken rutschen gemeinsam in neues Tief

Die Aktien von UBS und Credit Suisse liegen erstmals beide unter der Marke von 10 Franken – die Schweizer Börse fällt erneut deutlich.

Es ist, als wäre all seine Arbeit nichts wert gewesen. Fünf gut bezahlte Jahre von Tidjane Thiam als Konzernchef der Credit Suisse konnten es nicht verhindern: Die Corona-Virus-Krise schlug voll auf die Aktie der Zürcher Grossbank durch. Am Freitag fiel der CS-Titel unter die Marke von 10 Franken.

Und neun ebenfalls sehr gut entlöhnte Jahre von Sergio ­Ermotti an der Spitze der UBS scheinen die Investoren genauso wenig beeindruckt zu haben: Für sie war die UBS-Aktie am Freitag ebenfalls nicht einmal mehr 10 Franken wert.

Die Aktienkurse der Banken fielen stark.

Die Aktienkurse der Banken fielen stark.

Grossbanken erreichen neuen Tiefpunkt

Für den Schweizer Finanzplatz hat die Corona-Krise einen neuen Tiefpunkt gebracht. Erstmals überhaupt waren die Aktien beider Grossbanken gleichzeitig weniger wert als eine Zehner­note. Beide Grossbanken werden nach Ansicht der Investoren mit voller Wucht die negativen Folgen zu spüren bekommen, die das Corona-Virus weltweit haben wird.

Offenbar schützen nach Ansicht der Investoren auch topbezahlte Chefs nichts, wenn das Corona-Virus nun wirtschaftliche Doppelschocks auslöst. Die Produktion von Waren und Services wird getroffen, wenn Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen dürfen und Wertschöpfungsketten gekappt werden. Zugleich bricht auch die Nachfrage weg, wenn etwa Gäste öffentliche Räume wie Hotels oder Restaurants lieber meiden.

Toplöhne schützen nicht vor Börsenverlusten

Im Februar war die Welt der UBS noch eine andere. Als Ermotti seinen Rücktritt ankündigte, strich er im Interview mit CH Media heraus, die Aktie sei heute mehr wert als bei seinem Antritt. «Als ich bei der UBS begann, lag die Aktie bei 10 Franken, nun ist sie bei etwa 13 Franken, also 30 Prozent höher.»

Nur zwei Wochen später sind diese 30 Prozent dahin, die Aktie wurde bei Tagesschluss noch mit 9.87 Franken bewertet. Gelingt bis Ende Oktober, wenn Ermotti an Ralph Hamers übergibt, nicht eine Korrektur, wird sich der Aktienkurs in der Ära Ermotti negativ entwickelt haben. Dann hätten auch die 100 Millionen Franken nicht geholfen, die er in seinen neun Jahren als UBS-Chef verdient hat.

Bei der Credit Suisse konnte Tidjan Thiam auch in der Zeit vor dem Corona-Virus nicht auf einen positiven Kursverlauf verweisen. An seinen ersten Tagen als CS-Chef lag der Titel über 25 Franken, in seinen letzten Monaten stets unter 15 Franken. Aber zumindest schien er die Bank auf ein solides Fundament gestellt zu haben. An der letzten Pressekonferenz schwärmte er: «Wenn ich mir das erste Quartal anschaue, bin ich wirklich zufrieden. Wir haben etwas von Qualität geschaffen.»

Der Glaube an dieses Fundament war dahin, als wenige Wochen später eine grosse Zahl von Corona-Fälle in Norditalien bekannt wurde. Die Aktie verlor fast 30 Prozent. Am Freitag lag sie bei 9.81 Franken. Thiam dürfte für seine fünf Jahr über 60 Millionen Franken erhalten haben. Auf den Teppichetagen am Zürcher Paradeplatz findet man dar­in wohl Trost: Den Konkurrenten in den USA und in Europa ergeht es ähnlich schlecht. Das Corona-Virus wirkt als grosser Gleichmacher. Alle Bankentitel werden gleichermassen in die Tiefe gezogen. Zum Jahresanfang verloren amerikanische Banken im Schnitt etwa 22 Prozent ihres Gesamtwertes, Banken in der Eurozone ungefähr 26 Prozent. In dieser Grössenordnung fallen auch die Verluste der Schweizer Grossbanken aus.

Doch die Spitzenvertreter der beiden Grossbanken können sich nur mit ihresgleichen trösten. Weltweit gehören Banken zu den grössten Börsenverlierer des Corona-Virus. Andere Branchen und Unternehmen bewähren sich weit besser.

Das zeigt der Kursverlauf verschiedener Sammelindizes, etwa der SMI. Der Schweizer Index von Bluechip-Aktien hat weniger verloren als die Banken, nämlich gut 9 Prozent seit Jahresanfang. Der EuroStoxx50, ein Sammelindex zur Eurozone, steht zwar knapp 14 Prozent tiefer – aber damit immer noch klar besser als die Banken.

Giganten wie Nestlé blieben bisher von der Verkaufswelle fast unberührt. Der Nahrungsmittelkonzern wird weniger als 1 Prozent tiefer gehandelt als zu Jahresanfang. Beim Pharmakonzern Roche hält sich das Minus mit 4,5 Prozent noch in Grenzen. Die Banken als Verlierer des Corona-Virus – das erklärt sich mit einem Misstrauen gegenüber Banken. Ihre Aktien geraten in Krisenzeiten regelmässig besonders unter Druck.

Für Aussenstehende ist kaum abschätzbar, was für Risiken schlummern in ihren Bilanzen, welcher Kredit auf welche Art durch die Krise gefährdet sein könnte. Dagegen ist allgemein bekannt: In Rezessionen steigt die Zahl der Kreditausfälle an. Also trennen sich die Investoren lieber gleich von allen Bankentiteln – und schauen erst gar nicht mehr allzu genau hin.

Flucht aus Aktien, hinein in Franken und Obligationen

Die panische Flucht vor allem, was entfernt nach Risiko aussieht, zeigt sich auch beim Franken. Zum Euro legte die Schweizer Währung zu, zeitweise kostete ein Euro weniger als 1.06 Franken. Die Schweizerische Nationalbank dürfte diese Woche erneut Milliarden aufgewendet haben, um eine stärkere Aufwertung zu verhindern.

Und die Investoren flüchteten sich am Freitag in Obligationen. Deutsche Staatsanleihen waren beliebt. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen fiel auf ein Allzeittief von Minus 0,75 Prozent. In den USA rentierten 10-jährige Staatsanleihen erstmals überhaupt mit weniger als 1 Prozent.

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