«Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende»: Diesem Motto folgend, haben in den letzten Jahren fast alle internationalen Finanzkonzerne ihre wenig ruhmreiche Vergangenheit im amerikanischen Geschäft mit verbrieften Wohnhypotheken aufgearbeitet. Neun Institute liessen sich vom US-Justizministerium zu Strafen und Wiedergutmachungsleistungen von über 60 Mrd. Dollar verpflichten.

Zum Abschluss des Reigens ist nun die UBS dran. Die grösste Schweizer Bank, die einst in den Klub der mächtigsten Wall-Street-Banken aufsteigen wollte und dabei auch eine führende Stellung im Handel mit Hypothekenanleihen anstrebte, soll ihren krankhaften Ehrgeiz von damals ebenfalls mit einer schweren Strafe büssen. Analysten zufolge könnte die geforderte Strafzahlung des Department of Justice (DOJ) bis zu 2 Mrd. Dollar betragen.

CS entschied sich, zu zahlen

Während andere Banken den Zahlungsbefehlen des DOJ mehr oder weniger widerstandslos Folge geleistet haben, will die UBS die gegen die Bank erhobenen Vorwürfe «energisch» bekämpfen. Für die Vorwürfe gebe es keine faktische Grundlage, schreibt die UBS. Am Ursprung der damaligen Krise, nämlich in der Vergabe von Wohnhypotheken an finanzschwache Schuldner, habe sie keine bedeutende Rolle gespielt, erklärt das Institut die eigene Abwehrstrategie. Zudem habe man im Handel mit amerikanischen Hypothekenanleihen selber enorm viel Geld verloren.

In beiden Punkten wird ein Gericht der UBS nicht widersprechen wollen. Tatsächlich waren es primär die grossen US-Banken wie Bank of America, JP Morgan, Citibank oder Wells Fargo, die über eigene Tochtergesellschaften das Land mit Ramschhypotheken überfluteten, um diese hernach umzupacken und als vergleichsweise solide Anleihen ans Publikum zu verkaufen. Mit Ausnahme der britischen HSBC spielten ausländische Banken in diesem Business die Nebenrollen. Für die grössten «Originators», die Bank of America und JP Morgan, fielen die Rechnungen des DOJ mit über 16 respektive 13 Milliarden Dollar denn auch klar am höchsten aus. Doch auch die kleineren Akteure mussten bluten: Credit Suisse legte für den Vergleich 2,5 Milliarden Dollar auf den Tisch – zuzüglich Wiedergutmachungsleistungen im Wert von 2,8 Milliarden Dollar. Auch Barclays einigte sich mit dem DOJ nach anfänglichem Widerstand auf eine Zahlung von 2 Milliarden Dollar.

Im Mai letzten Jahres hatte sich die UBS in einem zivilrechtlichen Streit mit der National Credit Union Administration (NCUA) auf eine Schadenersatzzahlung über 445 Millionen Dollar geeinigt und damit ein fünfjähriges Gerichtsverfahren vorzeitig beendet. Die NCUA ist eine Art Aufsichtstelle amerikanischer Genossenschaftsbanken. Diese hatten der UBS vorgeworfen, sie habe beim Verkauf der Hypothekenanleihen mit falschen und unvollständigen Infos operiert und den Banken damit erhebliche Verluste beschert. Obschon die UBS keine formelle Schuldanerkennung geleistet hatte, zeigt der Fall, dass die Abwehrstrategie der UBS kein Spaziergang werden dürfte. Der Umstand, dass die UBS mit den Hypothekenanleihen selber Verluste eingefahren hatte und deswegen zuletzt sogar vom Staat gerettet werden musste, war für die NCUA offensichtlich kein Grund, die Waffen zu strecken.

UBS-Kurs legt an Börse zu

Dass sich die UBS dennoch gegen das DOJ in den Ring getraut, hat verschiedene Gründe. Einerseits dürfte das Management vom Erfolg der Barclays Bank ermutigt worden sein. Den Briten soll immerhin das Kunststück gelungen sein, den Schaden des Rechtsstreites um mehr als die Hälfte zu drücken, heisst es in Finanzmarktkreisen. Doch die UBS muss auch sonst spitz kalkulieren. Von den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von noch 2,3 Milliarden Franken sind nämlich nur etwa 1,2 Milliarden für Altlasten im Hypthekengeschäft und andere zivilrechtliche Klagen, etwa im Zusammenhang mit den Libor-Manipulationen, reserviert.

Ein rascher und teurer Vergleich könnte somit den Gewinn beeinträchtigen und für die Aktionäre vielleicht sogar Einbussen bei der Dividende bedeuten. Das will die Bank mit Blick auf die enttäuschende Kursentwicklung und die potenziell ebenfalls teure Rechnung im Rechtsstreit mit Frankreich unbedingt vermeiden. Dort verlangte die Staatsanwaltschaft eine Busse von 3,7 Milliarde Euro, nachdem der Staat am Tag zuvor schon eine Schadenersatzforderung für entgangene Steuereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro aufgestellt hatte. Der Aktienkurs der UBS legte am Donnerstag 1,4 Prozent auf Fr. 14.50 zu.