Tourismus
Ist die Premium-Economy der Anfang vom Ende der Sardinenbüchsen? Der Swiss-Chef im Interview

Airline-Chef Dieter Vranckx hat am Montag die neue Premium-Economy-Klasse vorgestellt. Im Interview nimmt er Stellung zu steigenden Buchungen, USA-Reisen – und seinem wiedergefundenen Lächeln.

Benjamin Weinmann
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Dieter Vranckx ist seit Anfang Jahr Chef der Lufthansa-Tochter Swiss. Der Schweiz-Belgier hofft, dass bald USA-Ferien für Europäer wieder möglich sein werden.

Dieter Vranckx ist seit Anfang Jahr Chef der Lufthansa-Tochter Swiss. Der Schweiz-Belgier hofft, dass bald USA-Ferien für Europäer wieder möglich sein werden.

Keystone

Die Swiss hat am Montag ihre neue Premium-Economy-Klasse vorgestellt. Für 250 bis 300 Franken pro Flug und Strecke erhalten Passagiere dabei deutlich mehr Platz und Komfort. Ab November kommt sie auf ausgewählten Langstrecken des Flugzeugtyps Boeing-777 erstmals zum Einsatz. Im Interview mit CH Media nimmt Swiss-Chef Dieter Vranckx Stellung zu dieser Innovation und zu anderen Themen.

Sie haben heute die neue Premium-Economy-Klasse der Swiss vorgestellt. Es war die erste Pressekonferenz, an der man Sie lächeln sah.

Dieter Vranckx: Ja, dazu gab es in letzter Zeit wenig Anlass. Die Entscheidung, Stellen abzubauen und die Flotte zu verkleinern, war schmerzhaft, aber leider auch nötig. Denn wir müssen investitions- und wettbewerbsfähig bleiben – und gleichzeitig auch die vom Bund verbürgten Kredite zurückzahlen.

Mehr Platz und ein grösserer Neigewinkel: Die Sitze der neuen Premium Economy der Swiss.

Mehr Platz und ein grösserer Neigewinkel: Die Sitze der neuen Premium Economy der Swiss.

Keystone

Die Premium-Economy bietet deutlich mehr Platz als die klassische Economy-Klasse. Ist das der Anfang vom Ende der Sardinenbüchsen bei den Airlines?

Auch unsere Economy-Klasse bietet einen hohen Standard. Es gibt viele sehr preisbewusste Kunden, denen der Economy-Sitz genügt. Und dann gibt es diejenigen, die gerne etwas mehr zahlen für mehr Privatsphäre und Komfort an Bord. Und für diese Fluggäste haben wir nun eine sehr attraktive Alternative.

Swiss will mit Premium Economy Class mehr Geld mit Freizeitreisenden verdienen.

Keystone SDA

Das Bedürfnis nach mehr Platz hat auch mit der Pandemie zu tun.

Das glaube ich nicht. Die Premium-Economy-Klasse wird auch nach der Covid-Pandemie gefragt sein.

Der Bundesrat hat die bisher übliche Quarantäneliste abgeschafft. Seit dem Wochenende können vollständig geimpfte Europäer, Briten und US-Amerikaner wieder in die Schweiz reisen. Spüren Sie das bei den Buchungszahlen?

Ja, den Entscheid des Bundesrates haben wir unmittelbar gespürt. Die Buchungen steigen an, sobald die Einreisebestimmungen für bestimmte Länder gelockert werden. Wir hoffen sehr, dass bald auch wieder Europäer in die USA einreisen können. Da befinden wir uns im Wartemodus. Generell spüren wir aber, dass die Reiselust sehr gross ist.

Swiss-CEO Dieter Vranckx (links) und sein Verkaufschef Tamur Goudarzi präsentieren die Sitze der neuen Premium-Economy-Klasse der Airline.

Swiss-CEO Dieter Vranckx (links) und sein Verkaufschef Tamur Goudarzi präsentieren die Sitze der neuen Premium-Economy-Klasse der Airline.

Keystone

Wie stark nehmen die Buchungen aus den USA seit diesem Entscheid zu?

Das lässt sich schwer beziffern, da die Zahlen immer noch sehr volatil sind und sich wöchentlich ändern. Generell aber nimmt die Buchungsgeschwindigkeit zu. Besonders wichtig sind für uns die Hochsommermonate Juli und August.

Wenn man Zahlen der europäischen Flugsicherung Eurocontrol anschaut, führen gewisse europäische Airlines inzwischen mehr Flüge durch als die Swiss im Vergleich zu 2019. Weshalb?

Wir passen unsere Kapazität der Nachfrage an und versuchen, wenn immer möglich, die Annullation von veröffentlichten Flüge zu vermeiden. Wir möchten einen möglichst stabilen Flugplan anbieten. Uns ist die Zuverlässigkeit wichtig.

Auch bei der Swiss sind aber derzeit viele Flüge buchbar, von denen kaum alle durchgeführt werden dürften. Und die Delta-Mutation birgt viele Unsicherheiten.

Dass wir diesen Sommer Flüge streichen, ist höchst unwahrscheinlich. Denn die Buchungszahlen liegen jetzt schon bei über 50 Prozent.

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