Das Handelsblatt bezeichnet sie als «Heldin des Tages». Die Schülerin Clara Mayer, die bei der Klimastreik-Bewegung in Deutschland mitmacht, trat am Dienstag an der VW-Hauptversammlung vors Mikrofon. Dort beschuldigte die junge Frau, unter Applaus des Publikums, den Konzernchef Herbert Diess, er tue trotz radikaler Hinwendung zu E-Mobilität nicht genug für die Umwelt:

Claras Auftritt bei VW:

Youtube/Kritische Aktionärinnen und Aktionäre

Zuvor hatte der VW-Konzernchef seine neue SUV-Flotte als «Motor des Erfolgs» bezeichnet.

Weiter kritisierte die Schülerin, der deutsche Autobauer sei spät dran mit seiner neuen Strategie, die ersten Länder schafften Verbrennungsmotoren ja schon 2025 ab: «Niedlich, dass Sie jetzt versuchen, hinterherzurennen.»

VW lässt sich länger Zeit

Bis 2039 will Daimler dafür sorgen, dass die weltweit verkauften Neuwagen CO2-neutral unterwegs sind. Welche Technologien allerdings genau zum Einsatz kommen werden, will sich der Autobauer offen halten.

«Jetzt zu sagen, exakt in jedem Markt der Welt, wo die Reise hingeht, das wäre nicht seriös», sagte Entwicklungsvorstand Ola Källenius am Montag in Sindelfingen. Aktuell liege der Fokus auf der batterieelektrischen Mobilität. Autos mit reinen Verbrennungsmotoren sind in dem Plan aber offensichtlich nicht mehr vorgesehen.

Auf EU-Ebene ist Daimler angesichts der stark diskutierten Grenzwerte gezwungen, den CO2-Ausstoss der jährlich verkauften Autos zu senken. Bis 2021 muss der Wert von zuletzt 132 auf 102 Gramm je Kilometer sinken. Bis 2030 sollen davon noch einmal 37,5 Prozent abgehen.

Dann sollen 50 Prozent aller weltweit von Daimler verkauften Autos vollelektrisch fahren oder mit Plug-In-Hybrid-Motor ausgestattet sein. Parallel arbeitet der Hersteller auch weiter an der Brennstoffzelle.

Damit bleibt Daimler hinter den Ankündigungen anderer Konzerne zurück. Der Autozulieferer Bosch hatte vergangene Woche mit dem Plan überrascht, Produktion und Verwaltung schon 2020 CO2-neutral zu gestalten. Volkswagen lässt sich länger Zeit. «Bis 2050 wollen wir den gesamten Volkswagen Konzern CO2-neutral machen», sagte VW-Chef Diess im März.

Umweltschützer kritisieren «Ablasshandel»

Die meisten Konzerne gehen dabei ähnlich vor. Sie versuchen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren – im Falle von Bosch etwa durch Energieeffizienz – und stellen auf erneuerbare Energien um. Wo das nicht hilft, werden vielerorts Emissionen mit Hilfe von CO2-Zertifikaten kompensiert.

Die Frage, wie etwa Lieferanten zur Klimafreundlichkeit erzogen werden können, gehen die meisten Firmen erst in einem zweiten Schritt an. Daimler will CO2-Neutralität zur Bedingung für die Vergabe von Lieferanten-Verträgen machen.

Umweltschützer halten das Vorgehen für längst überfällig: «Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne überlegen, wie sie umsetzen, was vor dreieinhalb Jahren bei der Klimakonferenz in Paris entschieden wurde», sagte ein Greenpeace-Sprecher. Damals war ein weltweiter Aktionsplan entworfen worden, der die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen soll. Dabei dürfe es nicht nur um «Ablasshandel» mit CO2-Zertifikaten und den Einkauf von Ökostrom gehen, so der Greenpeace-Sprecher. «Es braucht jetzt klare Schritte.»

Bislang setzen sich die Unternehmen solche Ziele grösstenteils freiwillig. Nur Konzerne mit grossen Industrieanlagen – wie eben auch Daimler – sind in der EUschon verpflichtet, Zertifikate für CO2-Emissionen zu kaufen. (dsc/sda)