Geldpolitik
Teuerungsrate erstmals über 2 Prozent – die Nationalbank sendet ein Rauchzeichen

Die langfristige Inflationsprognose liegt erstmals über der Marke von zwei Prozent. Der Devisenmarkt reagiert allerdings nicht auf die Prognose der SNB.

Daniel Zulauf
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KEYSTONE

Die Schweizerische Nationalbank will offenbar den Devisenmarkt im Blick auf eine mögliche Zinserhöhung in der weiteren Zukunft testen. Wie es scheint, hat das Noteninstitut gestern, anlässlich der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im laufenden Jahr, nicht zuletzt mit dieser Absicht erstmals eine Teuerungsrate von über 2 Prozent prognostiziert.

Nach der Definition der Nationalbank herrscht Preisstabilität, wenn die Inflation das Niveau von 2 Prozent nicht übersteigt. Für das dritte Quartal des Jahres 2020 erwarten die Frankenhüter nun erstmals seit vielen Jahren eine Teuerung, die mit 2,1 Prozent leicht über diesem Schwellenwert zu liegen kommt. Gewiss, die erwartete Abweichung ist minimal und der Horizont ist so weit, dass die Prognose naturgemäss auf sehr wackligen Beinen steht.

Erhöht SNB vor EZB die Zinsen?

Dennoch ist die Prognose eine Information, auf die der Devisenmarkt reagieren könnte. Eine erwartete Teuerung von über zwei Prozent könnte die Nationalbank als Legitimation einsetzen, um das seit drei Jahren bestehende Negativzinsregime zu lockern, beziehungsweise die Normalisierung der seit zehn Jahren im Ausnahmezustand befindlichen Geldpolitik einzuleiten. Weil die Aussicht auf höhere Zinsen die Attraktivität des Frankens als Anlagewährung steigern könnte, wäre gestern eine entsprechende Reaktion des Devisenmarktes möglich gewesen. Doch die Finanzmarkt-Akteure liessen das Rauchzeichen tatenlos vorbeiziehen. Ein Euro kostete im Vortagesvergleich praktisch unverändert 1,165 Franken.

Die SNB dürfte sich über diese Nicht- Reaktion gefreut haben, denn sie könnte ein Hinweis dafür sein, dass die Schweizer Notenbank ein bisschen geldpolitischen Spielraum gewonnen hat. Sollte sich der Frankenkurs, wie von der SNB erwartet, auch 2018 weiter abschwächen, wäre es im Prinzip möglich, dass die Frankenhüter ihren ersten Zinsschritt noch vor der EZB wagen. In Frankfurt dürfte man frühestens im Sommer 2019 bereit dafür sein.

Während die ultralockere Geldpolitik den angeschlagenen Euro-Ländern an den Rändern des gemeinsamen Währungsraumes den dringend benötigten Sauerstoff verschafft, sind die wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz ungleich besser. Zwar hat sich das Wachstum 2017 als Folge des Frankenschocks auf magere ein Prozent abgeschwächt. Doch die SNB erwartet für das kommende Jahr wieder eine Verdoppelung des Wirtschaftswachstums auf zwei Prozent. Während die Auslastung der Produktionskapazitäten weiter zunehme und die Arbeitslosenquote das Niveau vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses wieder erreicht hat, bestehe im Immobilienmarkt weiterhin die Gefahr von Preisblasen. Die Nationalbank wartet also sehnlichst auf den Tag, an dem sie die Zinsschraube wieder etwas anziehen kann. Doch weit kann sie sich dabei von der EZB nicht entfernen, weil sonst der Franken schnell wieder zu stark werden könnte.

SNB-Direktionsmitglied Andréa Maechler sprach an der Medienkonferenz in Bern von einer immer noch «fragilen» Situation am Devisenmarkt. Das Risiko einer erneuten Aufwertung des Frankens bleibe bestehen. In der Sprachregelung der SNB ist dieser seit der letzten Lagebeurteilung im September zwar nicht mehr «deutlich überbewertet», aber immer noch «hoch bewertet». Die Bereitschaft, am Devisenmarkt bei Bedarf gegen eine Frankenaufwertung zu intervenieren, bleibe weiterhin wichtig, betont Thomas Jordan, der Präsident des Direktoriums.

Bitcoin sind für SNB kein Thema

Abseits von den geldpolitischen Traktanden äusserte sich Jordan in Beantwortung einer Journalistenfrage auch zum aktuell spektakulären Boom von Kryptowährungen wie Bitcoin. Diese neuen Währungen stellten für die SNB keine Behinderung bei der Umsetzung der Geldpolitik dar, denn die privaten Währungen seien als Grundlage für Aufträge oder Arbeitsverträge noch kaum in der realen Wirtschaft angekommen. Bitcoin & Co. haben nach Einschätzung der SNB den Charakter von Anlageinstrumenten, die entsprechende Risiken bergen. Auf Aussagen zum Ausmass dieser Risiken liess sich Jordan aber nicht festlegen.

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