Weltweiter Vergleich

«Tanken vor oder nach der Grenze?» So günstig ist Benzin für Schweizer Autofahrer

Mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von knapp 468 Litern lassen die Schweizer gerade einmal 0,87 Prozent ihres Einkommens an der Tankstelle liegen. (Archivbild)

Mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von knapp 468 Litern lassen die Schweizer gerade einmal 0,87 Prozent ihres Einkommens an der Tankstelle liegen. (Archivbild)

Kaum rollt die Blechlawine für den Sommerurlaub Richtung Süden, taucht die Frage auf: Wo gibts den günstigsten Sprit? Eine internationale Gegenüberstellung der Spritpreise zeigt: Im Verhältnis zum Einkommen tankt man hierzulande billig.

Und sie stehen wieder. Wie jedes Jahr. Auf den Strassen, die hinaus führen aus der sommerlichen Schweiz, hinein ins noch viel sommerlichere Italien, in den erfrischenden Norden, nach Frankreich und nach Österreich. Das Warten und Brüten in der erbarmungslosen Hitze wird begleitet von den zwei immergleichen Fragen: «Haben wir noch was Kaltes zu trinken?», und: «Wo sollen wir tanken, noch schnell hier oder über der Grenze?

Die Antwort auf die erste Frage kennt die «Nordwestschweiz» freilich nicht. Diejenige auf die zweite dafür umso besser. Sie lautet: Unbedingt in Österreich, gerne in Deutschland, wenns geht, dann nicht in Frankreich, auf keinen Fall in Italien.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgerechnet hat, kostete Benzin in Italien in den vergangenen drei Monaten durchschnittlich Fr. 1.59 pro Liter. Das ist deutlich mehr als in den anderen Nachbarstaaten der Schweiz – und auch mehr als in der Schweiz selbst. Hierzulande kostete der Liter im Durchschnitt Fr. 1.44. An deutschen Tankstellen muss der Kunde Fr. 1.42 berappen, in Österreich nur Fr. 1.24, in Frankreich wiederum Fr. 1.45.

Hohes Gehalt, mittlere Preise

Wer indes Frankreich nur als Weg gebraucht, um nach Spanien zu kommen, der wartet mit dem Tanken am besten bis zum Zielland: Fr. 1.27 kostet der Liter Benzin in Spanien. Im Norden Europas ist der Sprit deutlich teurer: In den Niederlanden kostet der Liter Fr. 1.64, in Skandinavien gar zwischen Fr. 1.54 und Fr. 1.69.

Weltweit betrachtet steigen die Unterschiede dramatisch an: So kostet der Liter Benzin in Hongkong stolze Fr. 1.84, im Rohöl-reichen Venezuela dagegen bekommt man den Sprit fast schon hinterhergeworfen: Mit Fr. 0.01 kostet der Liter Benzin praktisch nichts.

Pikant wird die ganze Rechnung, wenn man den Vergleich zur Kaufkraft des jeweiligen Landes heranzieht – und genau das hat Bloomberg getan. Für die Schweiz ergibt sich folgendes Bild: Von den 61 verglichenen Ländern haben nur zwölf höhere Benzinpreise als die Eidgenossenschaft.

Stellt man jedoch den Literpreis von Fr. 1.44 dem Einkommen, das der Durchschnitts-Schweizer pro Tag verdient – das sind rund 209 Franken – gegenüber, wird der Sprit schlagartig zum Schnäppchen: Nur 0,68 Prozent des Tageseinkommens kostet hierzulande der Liter Benzin. In nur sechs der weltweit untersuchten Länder kommen die Verbraucher in Relation zu ihrem Gehalt an den Tankstellen günstiger weg. Platz 7 von 61 macht die Schweiz zum Billig-Tank-Land.

Die ersten drei Plätze belegen Venezuela, Kuwait und die USA. In den Vereinigten Staaten kostet der Liter 66 Rappen. Gemessen am Tageseinkommen von 153 Franken zahlen US-Fahrer nur 0,43 Prozent pro Liter. Schlusslicht ist Indien: Zwar liegt der Literpreis hier noch unter einem Franken, doch mit einem durchschnittlichen Tageseinkommen von 4,67 Franken bezahlen Inderinnen und Inder stolze 21 Prozent für den Liter Benzin.

Auch aufs ganze Jahr gesehen kommen Autofahrer in der Schweiz relativ billig weg. Mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von knapp 468 Litern lassen wir gerade einmal 0,87 Prozent unseres Einkommens an der Tankstelle liegen. Südafrikaner kommen hier auf über drei Prozent, Russen und Kroaten auf zwei, Deutsche auf gut ein Prozent.

Dass der Staat gerade beim Benzin kräftig mitverdient, ist bekannt. So sind auch die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern zu erklären. In der Schweiz ist der Steueranteil hoch. Doch Autofahrer kommen dank eines im Durchschnitt überdurchschnittlichen Gehalts gut weg.

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