Coronakrise

Streit zwischen USA und China: Fragile Aktienmärkte erleiden Rückfall

Die Börsen in Asien und in den USA sind am Montag um rund 4 Prozent eingebrochen. Auch Hongkong gab der Hang-Seng-Index deutlich nach.

Die Börsen in Asien und in den USA sind am Montag um rund 4 Prozent eingebrochen. Auch Hongkong gab der Hang-Seng-Index deutlich nach.

Neue Spannungen zwischen den USA und China verunsichern die Anleger. US-Präsident Donald Trump will Hinweise darauf haben, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor hat.

Die Erholung der internationalen Aktienmärkte ist vorerst zu Ende. Der amerikanische Börsenindex S&P 500 verlort bereits am Freitag 2,8 Prozent und radierte den bis dahin aufgelaufenen Wochengewinn aus. Heute Montag erwischten auch die Märkte in Asien und Europa einen miserablen Wochenstart.

In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index mehr als 4 Prozent. Auslöser war eine Aussage von US-Präsident Donald Trump. Er erwägt neuer Handelsbeschränkungen gegenüber China. Hintergrund dieser jüngsten Eskalation sind amerikanische Behauptungen, nach denen das Coronavirus aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan entwichen sei. Während US-Aussenminister Mike Pompeo am Wochenende von «überwältigenden Beweisen» sprach, wurden die Vorwürfe von China strikt zurückgewiesen.

In Europa eröffneten die Börsen am Montag deutlich tiefer als zum Wochenschluss. Der Euro-Stoxx-50-Index lag bis zur Mittagszeit fast 4 Prozent im Minus. Der Swiss Market Index hielt sich insbesondere aufgrund der defensiven Qualitäten des Trios Roche, Nestlé und Novartis mit einem Minus von etwas mehr als zwei Prozent etwas besser.

Gewinne ins Trockene bringen

Kommentatoren sind sich einig, dass ein Wiederaufflammen des chinesisch-amerikanischen Handelsstreites die ohnehin stark rezessive Weltwirtschaft zusätzlich schwächen würde. Allerdings steht zu vermuten, dass für manche Investoren die chinesisch-amerikanische-Streitrhetorik nur ein Anlass war, die in den vergangenen Wochen aufgelaufenen Kursgewinne ins Trockene zu bringen.

Denn in den nächsten Tagen und Wochen könnte die zuletzt zwar zuversichtliche aber sehr fragile Stimmung an den Finanzmärkten kippen, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu harten statistischen Fakten werden. Weltweit notieren die Einkaufsmanagerindices auf historischen Tiefständen, was eine Bestätigung der extrem schwachen Konjunkturprognosen erwarten lässt. Am kommenden Freitag könnten die Arbeitslosenzahlen der USA für einen nächsten globalen Coronaschock sorgen. Auch in der Schweiz liegt der Beschäftigungsindikator der Konjunkturforschungsinstituts der ETH Zürich bereits tiefer als in der Finanzkrise.

Krisengewinner Amazon warnt vor einem Verlust

Zudem könnten die nächsten Tage und Wochen weitere besorgniserregende Unternehmensnachrichten hervorbringen. So hatte der Online-Händler Amazon noch vor dem Wochenende vor einem Verlust im zweiten Quartal gewarnt, weil die Einstellung Tausender zusätzlicher Arbeiterinnen und Arbeiter in den Verteilzentren zunächst mehr Kosten als Nutzen für die Aktionäre bringen könnte. Amazon gilt als einer der grössten Gewinner der Coronakrise.

Derweil blieb das Geschehen auf den Kapitalmärkten am Montag verhältnismässig ruhig. Mit dem Genfer Aromenhersteller Firmenich gelang sogar eine kleinere Emission über 50 Millionen Franken. Auch der britische Pharmakonzern GSK wagte sich mit einer grösseren Emission in Euro und Pfund an den Markt. Wäre die Stimmung im Kapitalmarkt so gedrückt wie sie es im Aktienmarkt zu sein scheint, wären diese Emissionen nicht möglich gewesen, sagt Benjamin Heck, der für die Credit Suisse das Geschäft mit Frankenemissionen leitet.

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