dropz
Schweizer Start-Up will mit Aromaperlen den Getränkemarkt aufmischen – und erhält Millionen-Zustupf von einem prominenten Investor

Mit Aroma-Perlen reichert die Aargauer Firma Dropz Hahnenwasser an und will damit den Getränkemarkt aufmischen. Nur zehn Monate nach dem Start hat sie einen Fonds überzeugt, der zuletzt für Schlagzeilen sorgte.

Benjamin Weinmann
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Das Berner Start-up Dropz verkauft seine Aroma-Perlen derzeit nur online. Mit Hilfe eines neuen Investors soll sich das aber bald ändern.

Das Berner Start-up Dropz verkauft seine Aroma-Perlen derzeit nur online. Mit Hilfe eines neuen Investors soll sich das aber bald ändern.

Bild: zvg

Vor allem älteren Semester ist «Tiki» noch ein Begriff: Zuckerhaltige Brausetabletten, die es früher für ein paar Rappen am Kiosk zu kaufen gab, und mit denen sich in einem Glas Wasser selber Cola herstellen liess, inklusive Blöterli. Das bei Kindern beliebte Produkt gibt es heute noch, hatte aber seine goldenen Jahre zu Zeiten, als es noch verpönt war, in der Öffentlichkeit aus einer Flasche zu trinken.

Das ist lange her. Der Markt mit Getränken für unterwegs boomt seit Jahren und gilt im Detailhandel als einer der am härtesten umkämpften - von den Soda-Flaschen von Coca-Cola bis hin zu den Energydrink-Dosen von Red Bull. Ein Aargauer Start-up schickt sich nun an, diesen Markt aufzumischen - mit einer Idee, die «Tiki» ähnelt. «Dropz» setzt dabei auf Aroma-Perlen (Englisch: Drops) aus gepressten Früchten und Kräutern, die sich in Wasser auflösen und dieses mit Geschmack und Vitaminen anreichern, aber ohne Zucker und Kalorien.

2,5 Millionen Franken für die Zukunft

«Dropz»-Mitgründer Zafar Hasher mit der in China hergestellten Dropz-Flasche, in der im unteren Teil die Aroma-Perlen aufbewahrt werden können.

«Dropz»-Mitgründer Zafar Hasher mit der in China hergestellten Dropz-Flasche, in der im unteren Teil die Aroma-Perlen aufbewahrt werden können.

Bild: zvg

Die Idee ist nicht grundlegend neu, wie der Tiki-Rückblick zeigt. Und auch andere Anbieter aus dem Ausland sind zuletzt mit ähnlichen Konzepten an den Start gegangen. Doch «Dropz» verkündet nun eine Nachricht, die aufhorchen lässt. Wie Mit-Gründer Zafar Hasher im Gespräch verrät, konnte das Start-up kürzlich eine Finanzierungsrunde erfolgreich abschliessen und eine Investitionssumme von 2,5 Millionen Franken für die weitere Geschäftsentwicklung an Land ziehen.

Hinter diesem Betrag steht die Investmentfirma Oyster Bay aus Hamburg, ein so genannter Venture Capital Fonds. Dieser hat sich zuletzt einen Namen gemacht als Investor der gehypten Hafermilch-Marke Oatly und hat diese im Mai an die US-Börse Nasdaq gebracht. Das Börsendebut brachte dem schwedischen Pflanzendrink-Hersteller zwischenzeitlich 1,6 Milliarden Dollar ein. Seither ist der Aktienkurs allerdings stark gefallen.

Selbst PepsiCo setzt auf Hahnenwasser

Oyster Bay ist zudem auch in «Air Up» investiert, welches ebenfalls das herkömmliche Hahnenburger aufwertet. Das Münchner Start-up setzt im Gegensatz zu «Dropz» allerdings nur auf Düfte. Diese - in Form von so genannten Duft-Pods - sollen das Gehirn beim Trinken glauben lassen, dass man kein Wasser schluckt, sondern Cola oder andere aromatisierte Getränke. Zucker oder sonstige Zusatzstoffe werden nicht konsumiert. Und der PET-Flaschenabfall wird reduziert. Anfang Jahr erhielt «Air Up» von PepsiCo 18 Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde.

Die Tiki-Brausewürfel hatten vor einigen Jahrzehnten ihre Blütezeit. Sie werden noch heute von der Schweizer Firma Domaco in Lengnau BE hergestellt.

Die Tiki-Brausewürfel hatten vor einigen Jahrzehnten ihre Blütezeit. Sie werden noch heute von der Schweizer Firma Domaco in Lengnau BE hergestellt.

Screenshot www.tiki.ch

«Der Markt des angereicherten Leitungswasser ist je länger je mehr umkämpft», sagt Zafar Hasher von «Dropz». «Umso mehr ist es ein riesiger Erfolg für uns, dass wir Oyster Bay von unserem Konzept überzeugen konnten.» Noch sind die «Dropz»-Aromen allerdings erst online erhältlich, während Coop kürzlich beispielsweise die Aroma-Würfel eines deutschen Konkurrenten in seine Regale nahm.

Zweistelliger Millionenumsatz als Ziel

Das Start-up muss also sputen, und das hat Hasher auch vor, nicht zuletzt dank der Millionen-Spritze aus Hamburg. «In den nächsten drei Jahren wollen wir im Detailhandel erhältlich sein, sowohl im In- als auch im Ausland.» Erste Gespräche mit Migros, Coop und anderen Händlern habe man bereits geführt, sagt der 35-Jährige Berner, der zuvor als Wirtschaftsberater tätig war, unter anderem für Schweizer Grossbanken. Aktuell erzielt «Dropz» laut Hasher einen tiefen, einstelligen Millionenumsatz. «Mittelfristig soll er zweistellig werden.» Logisch, dass die Anzahl Angestellte von heute acht Personen ebenfalls ausgebaut wird. Und demnächst wird der deutsche Onlineshop eröffnet. Bei der Werbung setzt die Firma vor allem auf Influencer.

Einmal in die Kamera halten: Mit Influencerinnen wie Judith Stöckli will Zafar Hasher seine Marke bekannt machen.

Einmal in die Kamera halten: Mit Influencerinnen wie Judith Stöckli will Zafar Hasher seine Marke bekannt machen.

Bild: zvg

Hasher sieht sich nicht als klassischer Start-up-Unternehmer. «Ich bin kein 25-jähriger Uni-Absolvent, der einfach mal etwas wagt.» Er stamme aus einer eher ärmeren Familie und wollte sich zuerst ein sicheres Fundament aufbauen. «Nun, mit Mitte 30, mit einem soliden Fundament, einer Frau und zwei Kindern, kam der Zeitpunkt für etwas Neues.»

Entwicklung dauerte 3 Jahre

Und wie kam der Wirtschaftsingenieur auf die «Dropz»-Idee? «Ich steckte früher immer etwas Minze und Ingwer am Morgen in meine Wasserflasche, doch spätestens nach dem Mittag war sie leer, und dann griff ich dann eben doch zu Süssgetränken. Das nervte mich.» Mit «Dropz» könne er sein Gratis-Wasser ständig zu einem anderen Getränk verwandeln, inklusive Vitamine und Mineralstoffen.

Zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Verena Fontana, einer Ernährungsexpertin mit Doktortitel der Universität Zürich, machte er sich ans Werk. «Wir mieteten ein Labor und tüftelten an der Ausarbeitung unserer Idee.» Rund drei Jahre habe es gedauert, bis die «Dropz» Realität wurden.

Auch Roland Brack hat investiert

Vor Oyster Bay haben auch schon andere Investoren Geld in «Dropz» gesteckt, unter anderem auch der Schweizer Onlineshop-Pionier Roland Brack. 30 «Dropz»-Perlen kosten knapp 7 Franken. Laut Hasher reiche das je nach Aroma-Intensitätsvorlieben für rund 30 Liter Wasser. Und jene Perlen mit Koffein entsprächen etwa jener Koffein-Menge einer Tasse Kaffee, zwei jener eines Energy-Drinks. Produziert werden die «Dropz» in der Schweiz bei verschiedenen Partnerfirmen. Beinahe im Monats-Rhythmus sollen neue Aromen lanciert werden, wobei aktuell der Exotic Mix mit Mango, Ananas und Vitaminen online am gefragtesten sei, sagt Hasher. Das Gurken-Aroma polarisiere hingegen.

Er sieht vor allem bei den Zusatzstoffen noch Potenzial: «Schon heute haben wir «Dropz» mit Koffein, ich kann mir aber auch solche für gewisse Gesundheitsaspekte vorstellen, oder etwas für den Abend vor dem Zubettgehen.» Mehr will er noch nicht verraten. «Denn die Konkurrenz schläft nicht.»

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