Softwarelizenzhändler

SoftwareOne: Ein heimlicher Riese will an die Börse

Der Hauptsitz von SoftwareOne im Schnyderpark Stans.

Der Hauptsitz von SoftwareOne im Schnyderpark Stans.

Der Softwarelizenzhändler SoftwareOne könnte demnächst an die Börse kommen. Für Nidwalden wäre es so etwas wie eine Premiere.

Es ist ein lukratives Geschäft: SoftwareOne verwaltet für seine Kunden Software-Lizenzen im Wert von rund 13 Milliarden Franken und ist damit einer der ganz grossen Player in diesem Geschäft. Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach der jüngsten Übernahme rund 5300 Personen, davon 70 am Konzernhauptsitz in Stans.

Nach Fusion für Stans entschieden

Laut Schätzungen dürfte der Umsatz von SoftwareOne im hohen einstelligen Milliardenbereich liegen. Ganz genau weiss man das aber nicht, denn das Stanser Unternehmen bewegte sich bislang weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit. Das könnte sich allerdings bald ändern. Im April dieses Jahres tauchten erstmals Gerüchte auf, wonach SoftwareOne einen Börsengang anstreben könnte. In den letzten Tagen haben sich diese Hinweise verdichtet: Der Gang aufs Börsenparkett steht dem Vernehmen nach kurz bevor. In Stans heisst es dazu lediglich, der Börsengang sei eine der möglichen Optionen, die momentan geprüft werden.

Der Schnyderpark in Stans ist nicht gerade der Ort, an dem man einen aufstrebenden Milliardenkonzern vermutet. Zwischen Anbietern von Parkettböden, Duschen und Brautkleidern residiert hier die Firma SoftwareOne. Das Unternehmen ist auf die Verwaltung von Software-Lizenzen für Firmenkunden spezialisiert. Vereinfacht gesagt kümmert sich SoftwareOne darum, dass Konzerne oder KMU immer die richtige Art und Anzahl Software-Lizenzen von Anbietern wie Microsoft, Oracle, SAP oder IBM nutzen.

Für den Kanton Nidwalden wäre der Börsengang von SoftwareOne so etwas wie eine Premiere. Heute sind die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG mit rechtlichem Sitz in Wolfenschiessen sowie die Schindler-Holding aus Hergiswil die einzigen Nidwaldner Firmen, die an der Schweizer Börse kotiert sind. Beide assoziiert man allerdings eher mit ihren operativen Sitzen in Engelberg und Ebikon. Der immer wieder kolportierte Börsengang des Stanser Flugzeugherstellers Pilatus kam bislang nicht zustande.

Doch wie ist SoftwareOne überhaupt nach Stans gekommen? Die Geschichte geht so: Anfang 2000 gründeten Daniel von Stockar und Patrick Winter den Softwarelizenzmanager Softwarepipeline in Zürich. Beide hatten zuvor gemeinsam beim Winterthurer Industriekonzern Sulzer gearbeitet. 2005 fusionierte Softwarepipeline mit dem Stanser Konkurrenten Microware, den René Gilli im Jahr 1992 gegründet hatte. 2006 erfolgte durch eine weitere Übernahme in den USA die Umfirmierung in SoftwareOne. Praktisch gleichzeitig wurde Beat Curti Teilhaber. Der Luzerner hat unter anderem Pick Pay, Prodega und die Import-Parfümerie aufgebaut und Starbucks in die Schweiz geholt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die internationalen Ambitionen von SoftwareOne offensichtlich. In Nidwalden erzählt man sich folgende Anekdote: Nach der Umfirmierung stellten sich die vier Firmenbesitzer die Frage nach dem zukünftigen Hauptsitz. Zur Diskussion standen Zürich oder Stans. Die Sache war schnell entschieden, als sich zeigte, dass das Interesse der Nidwaldner Behörden riesig war – während man dem Start-up in Zürich keine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Auch in den folgenden Jahren setzten sich die Nidwaldner Wirtschaftsförderer für SoftwareOne ein, so etwa bei der Suche nach einem neuen Standort. 2015 zügelte SoftwareOne von der Mühlebachstrasse in den Schnyderpark.

Mehr KMU, mehr Dienstleistungen

Mittlerweile ist SoftwareOne ein typischer Global Player. Welchen Stellenwert das Unternehmen hat, zeigte sich im vergangenen Jahr exemplarisch, als kein geringerer als der Microsoft-Konzernchef Satya Nadella den frühen Tod von SoftwareOne-Mitgründer und CEO Patrick Winter auf Twitter betrauerte. Microsoft ist der wichtigste Partner von SoftwareOne und SoftwareOne einer der grössten Wiederverkäufer von Microsoft-Produkten.

Vor allem in den letzten rund 15 Jahren hat SoftwareOne einen erstaunlichen Wachstumskurs hingelegt. Das hat auch damit zu tun, dass die Handhabung von Lizenzen immer komplexer geworden ist, weil Firmen zwar nach wie vor klassische Software kaufen, aber vermehrt auch Produkte direkt übers Internet im Abonnement beziehen. Gemeinhin spricht man hierbei von cloudbasierter Software. Für Dienstleister wie SoftwareOne hat die Cloud viele Vorteile: Man verdient zwar weniger pro Nutzer, dafür sind die Kosten tiefer und die Skalierbarkeit ist grösser. SoftwareOne behauptet, diese Entwicklung schon früh vorausgesehen zu haben.

Weil die Nachfrage danach steigt, möchte SoftwareOne künftig vermehrt Dienstleistungen anbieten, sprich den Umsatz pro Kunden erhöhen. Auch KMU sollen künftig stärker in den Fokus rücken. Geld für diese Expansionspläne soll SoftwareOne dem Vernehmen nach genügend haben. Warum also der Börsengang? Wie man hört, sucht die US-Beteiligungsgesellschaft KKR vier Jahre nach dem Einstieg einen Weg, ihre Minderheitsbeteiligung gewinnbringend zu verkaufen. Der Börsengang könnte schon bald Realität sein.

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