Edles Metall
So gut wie Gold - Ode an das grösste Kleinod der Geschichte

Kaum ein Stoff hat den Traum des Menschen von sagenhaftem Reichtum mehr genährt als Gold.

Tommaso Manzin
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Goldbarren in Goldstaub (Symbolbild).

Goldbarren in Goldstaub (Symbolbild).

Keystone

Im 4. Jahrtausend vor Christus machten ägyptische Arbeiter einen Fund, der den Gang der Welt verändern sollte: In der Asche einer Feuerstelle funkelte etwas. Es war Gold, das im Feuer aus der Erde geschmolzen war und sich zu einem winzigen glitzernden Brocken abgekühlt hatte. Und nun strahlte es mit jenem Glanz in die Welt, an den diese seither geschmiedet ist: als Schmuck oder Glücksbringer, als Kriegsgrund oder bestes Mordmotiv.

Gold gibt selbst Gier Grandezza

Die Geschichte des Goldes zu erzählen, heisst allein aus chemischen Gründen, die glanzvollste aller Geschichten zu erzählen: Gold wird nie matt, es oxidiert nie. Sein Glanz ist auch jener der Geschichten, die man sich heute noch erzählt. Denn wie sie ist Gold das, was bleibt, inmitten all des Werdens und Vergehens.

Kaum eine historische Persönlichkeit, die ihr Andenken nicht in Gold gegossen der Nachwelt empfahl, sei es auf einer Münze, einer Statue, einem Ring oder Amulett. Gold ist Unvergänglichkeit, historische Grösse zum Anfassen und Anschauen.

Es war die Gier nach mehr von diesem Stoff, die den König von Spanien nach zähen Verhandlungen dazu bewog, die Expedition von Kolumbus zu finanzieren. Gold gibt selbst der Gier Grandezza. Sein Glanz, der sich nie abnutzt, ist bis heute Grund genug, um Gold zum Synonym für Werthaltigkeit zu machen.

Glanz ist Grund genug

Dass Gold keinen Wert hat, ist eigentlich bis heute für jeden unvorstellbar, der Piratengeschichten kennt. Denn ganz gleich, aus welchem Loch der Schatz gehoben wird: Er besteht aus reinem Gold. Und das Gold funkelt dem Finder unverbraucht entgegen.

Auch wer den Wert vom Preis zu unterschieden versteht, der weiss, dass der Preis durchaus schwankt. Aber selbst der Wert von Gold wird von Ökonomen grundsätzlich angezweifelt: Das meiste Gold wird noch immer zu Schmuck verarbeitet. Für die industrielle Produktion gibt es wichtigere Metalle. Was also ist der innere Wert dieses – wie es der britische Ökonom John Maynard Keynes nannte – barbarischen Relikts?

Victor Hugo sagte einmal – Balsam für alle Generation-Casting-Geschädigten –, Popularität sei das Kleingeld des Ruhms. Man könnte sagen: Was Ruhm im Vergleich zur Popularität ist, das ist Gold im Vergleich zum Geld. Das Vertrauen in Banknoten beruhte lange darauf, dass der abgedruckte Betrag jederzeit in Gold umgetauscht werden konnte. Dieses Regime des Goldstandards fiel erst Ende der 1920er-Jahre. Und gerade heute, in Zeiten, wo Notenbanken Unmengen an Geld drucken, ist die Angst um den Geldwert gross. Der Ruf nach dem barbarischen Relikt wird nie ganz verstummen.

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