Wirtschaft

Sinkende Arbeitslosenzahlen: Der Bund zeigt sich «verhalten optimistisch»

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit Seco, an einer Medienkonferenz.

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit Seco, an einer Medienkonferenz.

Im Juni ist die Arbeitslosenquote leicht gesunken. Boris Zürcher vom Staatssekretariats für Wirtschaft sieht derzeit keine Anzeichen, dass es zu grossen Anstiegen kommt.

(mg) Eine «leichte Entspannung» stellt Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), fest. Nach einem sehr steilen Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu Beginn der Coronakrise habe man in den Monaten Mai und Juni nun «beinahe Stillstand». Dementsprechend ist die Arbeitslosenquote im Juni von 3,4 auf 3,2 Prozent gesunken. Man sehe eine gewisse Erholung in allen Branchen und in allen Regionen, sagte Zürcher am Mittwoch.

Er sprach auch von einer Belebung am Arbeitsmarkt. «Das sieht man unter anderem an den gemeldeten offenen Stellen», so Zürcher. Diese stiegen im Juni um 15’218 auf 31’919 an. Am dunkelsten seien die Wolken immer noch bei den exportorientierten Branchen. Zürcher nannte explizit die Uhrenbranche. Einen hohen Wert an Arbeitslosen weist auch das Gastgewerbe auf, dort hätte sich die Situation «aber rasch erholt».

Weniger Geld geflossen als befürchtet

Von durchwegs positiven Signalen wollte dann aber Zürcher doch nicht sprechen. Die Expertengruppe des Bundes gehe derzeit für 2020 von einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,8 Prozent aus. Das würde bedeuten, dass sie gegen Ende des Jahres zeitweilig auf 5 Prozent steigen würde. Da müsste noch ein «heftiger Anstieg» kommen, sagte Zürcher und fügte an, dass nicht seine Dienststelle diese Prognose mache: «Wir sehen derzeit keine Anzeichen für einen solchen Anstieg und sind verhalten optimistisch, dass ein solcher nicht eintritt.»

Bereits zu einem grossen Teil abgerechnet sind die Ausgaben für die Kurzarbeit. Für den April betrugen die ausbezahlten Leistungen bisher 3,4 Milliarden Franken. Das klingt nach viel, Boris Zürcher relativiert diese Zahl aber: «In einer ersten Hochrechnung gingen wir für diesen Monat mit Ausgaben von 5 bis 7 Milliarden Franken aus.» Es zeige sich, dass längst nicht alle der genehmigten Gesuche um Kurzarbeit auch tatsächlich ausgeschöpft werden. Im April waren es bisher 58 Prozent aller Gesuchsteller, die dann auch tatsächlich Geld erhalten haben. Die Abrechnungen seien aber noch nicht komplett abgeschlossen.

Zürcher glaubt nicht an eine Entlassungswelle im Herbst

Man liege erfreulicherweise deutlich unter den erwarteten Zahlen, sagte Zürcher. Er glaubt auch nicht, dass es im Herbst zu einer Entlassungswelle kommt. «Der Bundesrat hat die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigung ja eben erst verlängert.» Dieses Instrument könne man weiterhin nutzen. Zwar habe es bereits grosse Entlassungen und Betriebsschliessungen gegeben, sagt Zürcher, «aber solange die alle noch einzeln in den Nachrichten vermeldet werden können, ist es noch kein flächendeckendes Phänomen.»

Das Seco baue derzeit mit den Kantonen ein Monitoring auf, damit der Bund einen generellen Überblick über Massenentlassungen habe. Bisher mussten die Kantone diese dem Bund nicht melden.

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