Reisebranche
Schweiz im Reisefieber: Ferien im Ausland boomen. Wohin zieht es Sie?

Der starke Franken lässt bei vielen Schweizern das Reisefieber steigen – die Branche erlebt gerade einen Boom. Hoch im Kurs sind klassische Badeferien und Ferien in Ägypten. Die grossen Reiseanbieter vermelden zweistellige Zuwächse.

Andreas Schaffner
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Während viele Exportunternehmen und Hoteliers den starken Franken verfluchen, sieht es für die Schweizer Reisebranche nach einem guten Sommer aus. Der starke Franken führte bei vielen Kunden dazu, dass sie ihre Ferien Anfang Jahr gebucht haben. Hoch im Kurs sind vor allem die klassischen Feriendestinationen. Das melden alle grossen Reiseanbieter auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

«Wir stellen bei den klassischen Badeferien eine Zunahme der Buchungen in zweistelliger Höhe fest. Die Buchungen für die ganze Sommersaison sind gegenüber dem Vorjahr im einstelligen Bereich gewachsen», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin des Migros-Reiseanbieters Hotelplan. «Positiv überrascht sind wir von der Rückkehr von Ägypten, aber auch Tunesien als Reisedestination.»

Treue Kuoni-Kunden

Das gleiche Bild auch beim Reisekonzern Kuoni. Bei den kürzeren Zielen gingen nur bei Buchungen nach Zypern, der Südtürkei und nach Tunesien weniger Buchungen als im vergangenen Jahr ein. Alle anderen sind im Plus. «Auf der Mittel- und Langstrecke verzeichnen die Vereinigten Arabischen Emirate, die Seychellen, Thailand, Kuba, Kanada die USA Zuwächse von bis zu 30 Prozent», so der Kommunikations-Chef von Kuoni, Peter Brun. Der Anfang Jahr angekündigte und angestrebte Eigentümerwechsel von Kuoni Schweiz hat demnach auf die Kundenbuchungen keine Auswirkungen.

Schweizer sollen den Tourismus stützen

Schweizer Hoteliers leiden unter dem starken Franken: Die Hoffnungen auf einen guten Sommer werden durch die Prognosen von Schweiz Tourismus gedämpft: «Die Vorzeichen bestätigen unsere Einschätzung, dass wir diesen Sommer mit weiteren deutlichen Rückgängen aus Europa rechnen müssen», so Sprecherin Daniela Bär gegenüber der «Nordwestschweiz». Sehr zuversichtlich sei man hingegen bei der Entwicklung der Überseemärkte wie China, Indien, aber auch den USA. Schweizer wolle man mit verschiedenen Werbekampagnen dazu animieren, hierzulande Ferien zu machen.

«Das Wetter wird jedoch hier mit ausschlaggebend sein», so Daniela Bär weiter. Kommt hinzu, dass sich Schweizer immer stärker auch auf den Preis schauen. «Wir stellen fest, dass immer mehr Kunden in ihren Ferien nicht nur abschalten und sich erholen, sondern etwas entdecken, erfahren und lernen wollen.» Die Städte ziehen deshalb immer mehr Kurzaufenthalter an. Aber auch das Tessin werde wieder entdeckt. Gerade in Kombination mit der Expo in Mailand sehe man hier eine Chance. (ASC)

Auch der CEO von Knecht Reisen, Roger Geissberger, spricht von guten Buchungsständen: «Wir sind in etwa organisch auf Vorjahresumsatz.» Gebucht werden bei seinen Agenturen Ferien nach Griechenland, in die Türkei, aber vor allem auch in die USA, nach Kanada und Australien.

Tatsächlich profitieren die Schweizer Kunden in dieser Saison stark vom günstigen Wechselkurs. Ausgelöst durch die Aufhebung des Mindestkurses zum Euro durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar senkten viele Anbieter ihre Preise: «In diesem Jahr wurden Sommerferien früher gebucht als im Vorjahr. Dies ist einerseits auf teilweise höhere Frühbucherrabatte, andererseits auf unsere Euro-Vergünstigungen Anfang Jahr nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB zurückzuführen», meldet Kuoni. Bei Hotelplan profitierte ein Drittel der Kunden von Frühbucher-Rabatten und buchte bereits im Januar die Sommerferien.

Trotz der Jubelstimmung: In der Reisebranche findet derzeit ein fundamentaler Umbruch statt – nicht zuletzt deshalb verkauft Kuoni seine Büros in der Schweiz. Online-Buchungen nehmen stark zu. Der Trend zu individuelleren Ferien verdrängt die klassischen Pauschalreisen. Auch Reisedauer und Reisezeiten verändern sich: Die klassischen zwei Wochen im Sommer sind nicht mehr ein «Muss». Die Ferienwochen werden in kleinere Teile unterteilt. «Unsere Kunden buchen auch oftmals ‹hybrid›: Sie kaufen etwa online einen Billigflug und buchen bei uns im Reisebüro ein Luxushotel», so die Hotelplan-Sprecherin.

Nur wenige Spezialisten, wie Knecht Reisen, oder die Spezialreise-Abteilungen der grossen Anbieter, konnten in den letzten Jahren hier mithalten: «Bei den komplexen Fernreisen buchen 95 Prozent der Kunden über unsere Berater/Spezialisten und nur fünf Prozent übers Internet», so der Knecht-CEO. Deshalb stellt er keinen Rückgang der über ein Reisebüro gebuchten Ferien statt – auch wenn die Internet-Verkäufe zunehmen.

Weniger Last-Minute-Angebote

Der Umbruch im Buchungsverhalten hat Folgen für die Last-Minute-Angebote: Viele Reiseanbieter kaufen heute nicht mehr Flugkapazitäten oder Hotelzimmer-Kontingente auf Vorrat und müssen sie später günstig loswerden. Sondern sie reagieren kurzfristiger.

Die Konsequenzen: «Wir bieten Last-Minute-Angebote auf recht tiefem Niveau an», so die Hotelplan-Sprecherin. «Da wir zugunsten der Profitabilität etwas weniger Flugkapazitäten im Markt haben, erwarten wir weniger Last-Minute-Angebote als im Vorjahr», tönt es bei Kuoni.