Lindt Schokolade

«Schoggi ist die einzige Medizin, die ich nehme:» Ueli Maurer und Roger Federer eröffnen neuen Schoggitempel

Die Schweiz wird um eine Touristenattraktion reicher: Das «Lindt Home of Chocolate» soll jährlich 350'000 Besucher anziehen. Bei der Eröffnung lief auch Bundesrat Ueli Maurer das Wasser im Mund zusammen.

Bundesrat Ueli Maurer, Tennis-Star Roger Federer und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft strömten diesen Donnerstagabend nach Kilchberg am Zürichsee. Der Grund: Schokolade. Im Zürcher Vorort ist bekanntlich der Schokoladenhersteller Lindt&Sprüngli ansässig. In dessen Fabriken werden jährlich tonnenweise Schoggi-Tafeln, Pralinés und Lindor-Kugeln produziert. Von letzteren offenbar 2000 Stück pro Minute.

Die werten Herren und Damen trafen sich freilich nicht bloss zum Schokolade-Essen – sie weihten das auf dem Lindt-Areal neu gebaute Schoggi-Zentrum ein. Dahinter steckt eine von Lindt gegründete Stiftung. Das «Lindt House of Chocolate» kostete über 100 Millionen Franken, wurde in nur 36 Monaten gebaut und enthält ein Schokoladenmuseum für die Öffentlichkeit, eine Schauproduktion – sowie einen neun Meter hohen Schoggi-Brunnen. Jährlich soll das neue Schoggi-Zentrum 350'000 Besucherinnen und Besucher anziehen. Diesen Sonntag öffnet es – wegen Corona etwas verspätet – erstmals seine Tore.

Roger Federer eröffnet neues Schokoladenmuseum

Roger Federer eröffnet neues Schokoladenmuseum

  

Zentrum soll Innovationen und Nachwuchs fördern

In den Ansprachen wurde wie erwartet viel Lob verteilt und von Emotionen gesprochen. Das ganze Setting mit dem noch verhüllten Schoggi-Brunnen im Hintergrund, den zahlreichen Maître Chocolatier-Uniformen und dem Schokoladenduft in der Luft hatte ohnehin etwas disney-mässiges. Markenbotschafter Roger Federer sprach über den Schokoladenkonsum seiner Kinder, und auch Ueli Maurer schien sich fast wieder wie ein Kind zu fühlen. Schokolade sei praktisch die einzige Medizin, die er nehme. «Ich wäre fast schon dafür, sie krankenkassenpflichtig zu machen», meinte er unbeschwert und erntete viele Lacher.

Diesen Wunsch wird ihm Gesundheitsminister Alain Berset wohl nicht erfüllen. Dafür könnte vielleicht jener von Ernst Tanner wahr werden: Der Stiftungsratspräsident und Verwaltungsratspräsident von Lindt&Sprüngli will mit dem neuen Schokoladenzentrum «den guten Ruf der Schweizer Schokolade ausbauen und in die Welt hinaustragen». Schokolade sei nicht nur Kulturgut, sondern wichtiges Exportgut. Mit dem House of Chocolate verfolgt die Stiftung nämlich ein weiteres Ziel: Das Kompetenzzentrum soll Innovationen und den Nachwuchs fördern. So sollen in Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen neue Produktionstechniken erforscht werden.

20 Prozent weniger Umsatz im laufenden Jahr

Der Schokoladenstandort Schweiz soll also gestärkt werden. Grundsätzlich keine schlechte Idee: Von der Schokoladenindustrie sind zahlreiche Jobs abhängig, 4600 um genau zu sein. Es gibt 17 Schweizer Schokoladehersteller, neben Lindt&Sprüngli etwa Caillier, Frey, Camille Bloch und Läderach. Und obwohl Schweizerinnen und Schweizer Weltmeister im Schokolade-Essen sind (2019 waren es 10,4 Kilo pro Kopf), geht es der Branche aktuell nicht gerade rosig. Läderach beispielsweise musste wegen der Coronakrise bereits Stellen streichen. Im laufenden Jahr, so die Schätzung des Verbands Chocosuisse, wird der Branchenumsatz um bis zu 20 Prozent zurückgehen.

Und die Konkurrenz schläft nicht, Länder wie Deutschland und Belgien exportieren deutlich mehr Schokolade. Die Schweiz schafft es noch knapp unter die Top Ten. Das sei aber halb so schlimm, meinte Ernst Tanner – für Schweizer Schokolade gelte ohnehin Qualität vor Quantität.

Autor

Gabriela Jordan

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