Schneeballsystem
European Kings Club: Das Erbe der betrogenen Betrüger

Beim Betrugssystem European Kings Club haben 20'000 Schweizer Kleinanleger ihr Geld verloren. Nun kommt aus dem Nachlass eine 10-Millionen-Dollar Forderung unter den Hammer.

Christian Mensch
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Anhänger des European Kings Club demonstrieren (Aufnahme vom 16. Oktober 1994) gegen die Verurteilung von drei ehemaligen Bezirksdirektoren zu Zuchthausstrafen.

Anhänger des European Kings Club demonstrieren (Aufnahme vom
16. Oktober 1994) gegen die Verurteilung von drei ehemaligen Bezirksdirektoren zu Zuchthausstrafen.

Bild: KEY

«Wir sind betrogen worden», sagt Damara Bertges im Dokufilm «Habgier und die bösen Folgen» des Schweizer Fernsehens. Dabei war Bertges die Präsidentin des European Kings Club (EKC) und damit selbst führender Kopf bei einem der grössten Betrugsfälle Europas. Rund 800'000 Kleinanleger, davon 20'000 aus der Schweiz, investierten in den 1990er-Jahren ihr Gespartes beim Schneeballsystem, das ihnen eine Rendite von 70 Prozent versprochen hat. 60'000 verloren ihr Geld, 500 Millionen Franken waren weg.

Tatsache ist, dass Bertges keine Ahnung hatte, wie sie das eingesammelte Geld tatsächlich investieren sollte. «Sie ist auf weitere Gauner gestossen», sagte in dem vor zehn Jahren entstandenen TV-Film auch der Nachlassliquidator Gerhard Walter. So hat der EKC etwa 10 Millionen Dollar einem Partner anvertraut, der die Gelder über ein liechtensteinisches Firmengeflecht fliessen liess, bis sie irgendwo verschwunden waren. Dabei hatte Bertges gemeint, ein ehemaliger österreichischer Finanzminister persönlich werde mit einem Investment dafür sorgen, dass sich der Einsatz sogar um mehr als die 70 Prozent-Rendite vermehre, die sie ihren Klubmitgliedern versprochen hatte.

Der EKC ist tot – die Forderungen leben weiter

Drei Jahre lang sammelte der EKC erfolgreich Geld. Vor allem viele Glarner und Urner erlagen den Versprechungen. Bei sektenähnlichen Treffen schwor Bertges ihre Anhänger ein, ihr das Ersparte anzuvertrauen. Auch kleine Leute könnten gemeinsam reich werden, wenn sie nur zusammenhielten, predigte sie ihrer Gemeinde. In der Schweiz wurde Bertges verhaftet, von einem deutschen Gericht wurde sie 1997 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Einsicht, ein betrügerisches System betrieben zu haben, äusserte sie bis zuletzt nicht. Drei Schweizer Kadermitarbeiter wurden in Bern zu Zuchthausstrafen verurteilt.

Seither sind wiederum gut zwanzig Jahren verstrichen, und doch ist das Dossier noch immer nicht geschlossen. Aus der Konkursmasse der EKC hatte die Basler Firma Tisiphone AG die 10-Millionen-Dollar-Forderung herausgelöst. Mit allen möglichen juristischen Mitteln versucht sie eine Rechtsnachfolge zu belegen, wonach ein österreichisches Bankhaus zur Auszahlung der Forderung gezwungen werden müsse.

Mit alten Forderungen lässt sich trefflich prozessieren

Das Geschäftsmodell der Tisiphone, die früher als The Law Adviser firmierte, ist die Prozessfinanzierung. Allerdings ist sie dabei auch selbst immer wieder selbst Gegenstand von Verfahren. So führte die Eskalation von Forderungen und Gegenforderungen dazu, dass das Basler Konkursamt die Tisiphone in Konkurs setzte, worauf die Verantwortlichen in Frankfurt Klagen auch gegen die Basler Verwaltung einreichten.

Doch nun soll die Tisiphone abgewickelt werden. Teil der Konkursmasse ist die 10-Millionen-Forderung. Ob sie überhaupt werthaltig ist, kann offenbleiben, da sich mehrere Parteien darum streiten. Am 15. Juni wird die Forderung deshalb öffentlich versteigert, wie einer Publikation im Amtsblatt zu entnehmen ist. Wer sie erwirbt, kann neue Forderungen damit erheben. Das Spiel scheint kein Ende zu nehmen.

Dass es eigentlich um Geld geht, dass den Kleinanlegern aus der Tasche gezogen wurde, ist unerheblich. Der European Kings Club hatte die Köpfe der Kleinanleger vernebelt; die Schwaden haben sich bis heute nicht verzogen.

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