In zwei Wochen wird Alpiq, der grösste Schweizer Stromkonzern, seine Zahlen für das erste Halbjahr bekannt geben. In den letzten Jahren hatte Jasmin Staiblin, die Konzernchefin, jeweils Betrübliches zu berichten. Auch übernächsten Montag dürfte die Stimmung am operativen Zentrum in Olten eher schlecht sein. Der Grund für den anhaltenden Kriechgang: Die Strompreise befinden sich im Keller, was die Produktion zu einem verlustreichen Business macht. Das Geschäftsumfeld ist also schon schwierig genug.

Und es kommt ein weiteres Problem hinzu. Am Montag informierte der Stromkonzern über ein Verfahren der rumänischen Steuerbehörden, die Nachforderungen und Bussen in der Höhe von umgerechnet 175 Millionen Euro (rund 200 Millionen Franken) gestellt haben. Dass es sich dabei nicht um ein Versehen handelt, zeigt sich daran, dass Alpiq vor Börsenstart eine Meldung verschickte, was Unternehmen nur dann tun, wenn dies relevant für den Aktienkurs ist. Dieser gab denn auch im Verlauf des Tages auf tiefem Niveau nach, erholte sich aber schnell wieder, womöglich wegen Stützungskäufen.

Im Visier steht die Alpiq Energy SE, eine Konzerntochter, die in Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern Stromhandel betreibt.

Muss Alpiq zahlen, dann wird es ungemütlich. Der Betriebsgewinn (auf Stufe EBITDA) betrug 2016 knapp 400 Millionen Franken. ZKB-Analyst Sven Bucher kommentiert die jüngsten News ungewohnt scharf: «Die Höhe der provisorischen Veranlagung ist eine grosse negative Überraschung. Insbesondere auch vor dem Hintergrund der Grösse der Geschäftsaktivität in Rumänien», schreibt er.

Auf Nachfragen zeigt sich Alpiq zugeknöpft und gibt die üblichen Floskeln von sich, welche Unternehmen immer abgeben, wenn sie ins Visier einer Behörde geraten: «Alpiq ist überzeugt, dass die Geschäftsaktivitäten der Alpiq Energy SE in Rumänien stets unter Beachtung der anwendbaren rumänischen und europäischen Regeln und Gesetzen ausgeübt worden sind», heisst es.

Ein etwaiges Urteil der Behörden werde «unter Heranziehung aller lokal und international zur Verfügung stehender Rechtsmittel angefochten». Konkret geht es um eine provisorische Veranlagung von Mehrwertsteuern, Gewinnsteuern und Strafsteuern für die Periode von 2010 bis 2014.

Bucher von der ZKB rechnet damit, dass Alpiq finanziell betroffen sein wird: «Auch wenn allenfalls nicht der gesamte geforderte Betrag bezahlt werden muss, gehen wir davon aus, dass etwas ‹hängen bleibt›», schreibt der Energiespezialist. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage gebe es neue Unsicherheiten. Eine Sprecherin bestätigte, dass das Unternehmen Rückstellungen prüfe.

Behinderte Alpiq Strommarkt?

Alpiq droht noch mehr Ärger. Gemäss rumänischen Medienberichten steht Alpiq nämlich nicht nur in Kontakt mit Steuerbehörden, sondern ist auch ins Visier der rumänischen Wettbewerbsbehörden geraten. Es geht um mögliche wettbewerbsverzerrende Absprachen zwischen Stromerzeugern. Der Stromregulator (ANRE) soll eine entsprechende Untersuchung führen.

In diesem Zusammenhang wird das Unternehmen Alpiq Romindustries SRL genannt. Es ist eines von mehreren Unternehmen, welches der Konzern in Osteuropa kontrolliert. Ob die Vorwürfe in Zusammenhang mit den Steuernachforderungen stehen, konnte oder wollte Alpiq am Montag nicht beantworten. In Rumänien sind die Strompreise zuletzt stark angestiegen, was zu scharfen Reaktionen in der Politik geführt hat.