Quarantäne-Gate
Der CS-Präsident und die Ausrede des Jahres: Die Credit Suisse hat ein Problem mit der Ehrlichkeit

António Horta-Osório hat die Quarantänepflicht missachtet. Schlimm genug. Doch mit einem unehrlichen Statement macht der Credit-Suisse-Präsident alles noch schlimmer.

Patrik Müller
Patrik Müller
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In der Kommunikation gibt es ein ehernes Gesetz. Es lautet: Man kann nicht immer die ganze Wahrheit sagen. Aber lügen darf man nicht.

Die Credit Suisse steht unter Verdacht, dieses Gesetz gebrochen und gelogen zu haben.

Was die Bank zugibt, weil es aktenkundig ist: Ihr Präsident António Horta-Osório hat die Quarantänepflicht missachtet. Obwohl ihm die Behörden eine Ausnahme verweigerten, flog er im Privatjet von London nach Zürich und drei Tage später weiter.

Das allein müsste für Horta-Osório Grund genug sein, um Rücktrittsgedanken zu hegen – wenn er sich an den Massstab hält, den er anderen auferlegt. Beim Amtsantritt sagte er: «Wir müssen das Augenmerk auf die persönliche Verantwortung und Rechenschaft legen.»

Als Saubermann angetreten, als Quarantäne-Mogler aufgeflogen: António Horta-Osório.

Als Saubermann angetreten, als Quarantäne-Mogler aufgeflogen: António Horta-Osório.

Facundo Arrizabalaga / EPA

Doch die CS beging darüber hinaus den fatalen Fehler, in Horta-Osórios Entschuldigung zu schreiben, er habe die Quarantäne «unbeabsichtigt» verletzt. Er habe gemeint, er dürfe halt einfach nicht ins Büro fahren, ins Ausland fliegen aber schon.

Es ist die Ausrede des Jahres. Die ganze Bankenwelt lacht darüber.

Die CS hat ein Problem mit der Ehrlichkeit. Schon in der Spitzelaffäre gab sie Fehler nur scheibchenweise zu. Und jüngst liess sie ihren CEO und den Präsidenten, die sich nicht grün sind, in Doppelinterviews auftreten, um tapfer Einigkeit und Freundschaft vorzugaukeln. All das zeigt die Grenzen der PR: Man braucht nicht immer die ganze Wahrheit zu sagen. Aber sie zurechtzubiegen, das geht fast immer schief.

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