Prestige-Auftrag
Die Swiss ist so frei: Airline verlängert den Schoggi-Vertrag mit der Migros-Tochter Chocolat Frey

Die Mini-Schokoladen gehören zu jedem Swiss-Flug wie das Schweizer Kreuz aufs Heck. Seit 2015 werden sie von der Migros produziert. Und das bleibt so - was nicht allen schmeckt.

Benjamin Weinmann
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Die Schokoladentäfelchen werden auch in den kommenden Jahren von der Migros-Tochter Frey aus Buchs AG hergestellt.

Die Schokoladentäfelchen werden auch in den kommenden Jahren von der Migros-Tochter Frey aus Buchs AG hergestellt.

Keystone-SDA

Damals, als die Luftfahrt noch boomte und die Swiss von Rekordergebnis zu Rekordergebnis flog, wurden sie in grossen Mengen produziert: Rund 17 Millionen Stück à 14 Gramm verteilte die Airline pro Jahr von ihren Schokoladetäfelchen. 2015 schnappte sich die Migros-Industrietochter Chocolat Frey den Prestigeauftrag auf drei Jahre hinweg, und 2018 kam die Produzentin mit Sitz in Buchs AG für weitere drei Jahre zum Handkuss.

Heisst: 2021 würde der Vertrag an sich auslaufen. Würde - denn die Swiss setzt auch in Zukunft auf die Migros-Firma, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt. «Der Vertrag mit Chocolat Frey für die Täfelchen, die an Bord verteilt werden, wurde aufgrund der aktuellen Lage um mehrere Jahre und in Abhängigkeit vom Passagieraufkommen verlängert.» Die genaue Vertragslaufzeit wird nicht verraten.

Auftrag mit Prestigewert

Für die Migros ist dies ein Erfolg, gilt der mengenmässig eher unbedeutende Auftrag doch als Prestigeobjekt in der Branche. Denn seit 2014 erlaubt es die Swiss der Schoggi-Herstellerin, ihr Logo auf der Rückseite der Mini-Tafel zu platzieren. Deshalb kann sich die Swiss erlauben, einen tiefen Lieferpreis zu verlangen. Die Logo-Platzierung ist aus Marketingsicht Gold wert, kommen doch viele Touristen an Bord der Swiss erstmals in Berührung mit Schweizer Schokolade.

Die Mini-Schokolade ist ein fester Bestandteil des Bordservices der Swiss.

Die Mini-Schokolade ist ein fester Bestandteil des Bordservices der Swiss.

Keystone-SDA

Kein Wunder, kommt diese Vertragsverlängerung nicht überall gut an. «Das ist für uns natürlich schade», sagt ein Manager einer Frey-Konkurrentin. Wäre der Vertrag ausgeschrieben worden, hätte man sich auf jeden Fall beworben, «denn diese Partnerschaft ist für jeden Schokoladenhersteller interessant, auch wenn derzeit weniger geflogen wird.» Aufgrund der komplexen und volatilen Lage in der Luftfahrt habe er aber durchaus Verständnis für die Vertragsverlängerung, sagt der Manager.

Zu viel an Lager Swiss musste Schoggi verschenken

Tatsächlich blieb die Swiss in den vergangenen Pandemie-Monaten auf den bereits produzierten Schokoladen sitzen. Um Foodwaste zu vermeiden, verschenkte sie knapp eine halbe Million Stück, wie 20 Minuten berichtete. Zu den Glücklichen, die gratis Schoggi erhielten, gehörten Mitarbeitende, die Kundschaft, Flughafen-Lieferanten und wohltätige Organisationen in der Schweiz. Bereits vor einem Jahr hatte die Swiss über eine Tonne Osterschokolade an das Gesundheitspersonal verschenkt.

Bevor die Migros 2015 zum Zug kam, war es der Schokoladenkonzern Barry Callebaut, der die Täfelchen zusammen mit der Luzerner Confiserie Hug produziert hatte.

Frey - der Marktführer aus dem Aargau

Chocolat Frey mit Hauptsitz in Buchs AG ist laut dem Branchenverband Chocosuisse seit mehreren Jahren Marktführer in der Schweiz. Mehr als jeder dritte Schoggi-Franken landet demnach bei der Migros-Industrietochter. Allerdings: Das 2013 eröffnete Besucherzentrum in Buchs wurde kürzlich geschlossen. (bwe) 

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