Pharma
Preiszerfall im US-Markt: Generikafirmen geraten in Handlungsnot

Die Generikapreise in den USA erodieren. Herstellern wie Novartis bleibt die Flucht nach vorne.

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Generikatochter Sandoz wird zum neuen Sorgenkind des Konzerns: Die Generikasparte erzielte im dritten Quartal 2017 in den USA zehn Prozent weniger Umsatz als noch im Vorjahr.

Generikatochter Sandoz wird zum neuen Sorgenkind des Konzerns: Die Generikasparte erzielte im dritten Quartal 2017 in den USA zehn Prozent weniger Umsatz als noch im Vorjahr.

KEYSTONE

Sie leiden schon länger, die weltweit grössten Generikahersteller. Zu ihnen zählen die israelische Teva und Novartis-Tochter Sandoz. Der Preiszerfall im Geschäft mit herkömmlichen Arzneikopien setzt ihnen stark zu.

Erst gestern gab Novartis gegenüber der «Handelszeitung» bekannt, der Konzerne prüfe, Teile des US-Generikageschäfts zu verkaufen oder einzustellen. Welche Wirkstoffe betroffen sind, sei noch nicht klar. Das werde zurzeit evaluiert.

Dieser Schritt kommt nicht unerwartet. Denn spätestens seit der Konzern im Oktober 2017 seine Quartalszahlen präsentierte, war klar: Generikatochter Sandoz wird zum neuen Sorgenkind des Konzerns: Die Generikasparte erzielte im dritten Quartal 2017 in den USA zehn Prozent weniger Umsatz als noch im Vorjahr. Der Konzern stufte seine Erwartungen bei Sandoz fürs Gesamtjahr 2017 ab. Wenige Tage zuvor gab er bekannt, erneut ein Produktionswerk in den USA zu schliessen.

Grund für die Stilllegung seien der starke Preiszerfall sowie der zunehmende Wettbewerb im US-Generikamarkt, sagt ein Novartis-Sprecher zu dieser Zeitung. «Da mehrere Produkte nicht mehr wettbewerbsfähig sind, haben wir uns entschieden, diese einzustellen oder zu veräussern, um damit unser Produkteportfolio zu optimieren.» Die «Optimierung» findet nun statt.

Kahlschlag bei Teva

Auch der israelische Konkurrent Teva, grösster Generikahersteller weltweit, gerät wegen der Preiserosion in den USA ins Strudeln. Wie der Konzern am Donnerstag bekannt gab, streicht das weltweit mit 53 000 Mitarbeitenden agierende Unternehmen 14 000 Arbeitsstellen. Damit fällt jede vierte Stelle des Konzerns weg. Auch der Generikahersteller Mepha Schweiz ist Teil der Teva-Gruppe. Mepha Schweiz gehört ebenfalls die Generikafirma Actavis Schweiz an, die die Muttergesellschaft Teva mit der Übernahme von Allergan/Actavis 2016 zusammenführte. Sie beschäftigen zusammen rund 190 Mitarbeiter.

Es wird sich zeigen, ob die Massnahmen ausreichen. Denn der Preiszerfall wird sich in den USA verstärken, sind sich Branchenkenner einig. Zudem muss Sandoz einen Käufer finden. Bislang gibt es zumindest noch Generikariesen, die dem Kostendruck über Zukäufe zu entfliehen versuchen. (WAL)

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