Personalie
Ein Stellenwechsel mit vielen Folgen: Suzanne Thoma verlässt die BKW für Sulzer und vertreibt dort gleich den Chef

Nach neun Jahren an der BKW-Spitze setzt Suzanne Thoma nun ganz auf ihre Verwaltungsratskarriere.

Florence Vuichard, Niklaus Vontobel
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BKW-Chefin Suzanne Thoma wird Sulzer-Präsidentin.

BKW-Chefin Suzanne Thoma wird Sulzer-Präsidentin.

Anthony Anex / KEYSTONE

Auf dem Papier ist alles bestens: Suzanne Thoma hat in den neun Jahren, in denen sie BKW-Chefin war, alles richtig gemacht: Sie hat das AKW Mühleberg abgestellt, den Umsatz auf über 3 Milliarden Franken und damit über das Vor-Fukushima-Niveau gehievt; sie hat das Betriebsergebnis um knapp 40 Prozent auf 436 Millionen Franken gesteigert, die Zahl der Mitarbeitenden auf 10’500 verdreifacht – und den Aktienkurs gar vervierfacht. Heute ist das Unternehmen, das nach der Reaktorkatastrophe in Japan und der preisdrückenden Energieschwemme schwierige Zeiten vor sich hatte, über 6 Milliarden Franken wert.

Die Berner Herzen hat Suzanne Thoma nie erobert

Das Unternehmen, das zur Hälfte dem Kanton Bern gehört, hat sich in dieser Zeit freilich stark gewandelt – vereinfacht gesagt: von einem bernischen Stromproduzenten zu einem international tätigen Energiekonzern mit drei Geschäftsfeldern, die von ihrem Risikoprofil recht unterschiedlich und deshalb komplementär sind: Da ist erstens das risikoarme, aber margenschmale Netzgeschäft, zweitens das risikoreiche und dafür umso attraktivere Geschäft mit der Produktion und dem Handel von Energie und drittens das sogenannte Dienstleistungsgeschäft. Über 130 Ingenieur- und Gebäudetechnikfirmen hat die BKW in der Ära Thoma im In- und Ausland zusammengekauft.

Doch trotz all den Meriten: Bern hat es Thoma nie richtig verdankt. Im Gegenteil: Sie hatte mit Dauerkritik zu kämpfen – beim Gewerbe wegen ihres exzessiven Aufkaufs von Firmen im Dienstleistungsgeschäft, in der Politik wegen ihres Lohnes von über 2 Millionen Franken, was gemeinhin als zu hoch gilt für ein Unternehmen in Staats- respektive Kantonsbesitz. Doch letztlich kam die Kritik von denselben Politikern, die in schlechten Zeiten dieses erfolgsorientierte Vergütungsmodell eingeführt hatten, das bei steigendem Aktienkurs versprach, den Lohn der Chefin in die Höhe zu treiben.

Vor drei Jahren noch ein Sulzer-Held, nun zurückgetreten

Viktor Vekselberg ist Hauptaktionär von Sulzer.

Viktor Vekselberg ist Hauptaktionär von Sulzer.

Artyom Geodakyan / TASS

Nun verlässt die promovierte Chemieingenieurin, die ursprünglich 2010 als Leiterin der Netzsparte zur BKW gestossen war und nächstes Jahr ihren 60. Geburtstag feiert, den Energiekonzern im ersten Halbjahr 2022. Denn sie übernimmt das Präsidium beim Industriekonzern Sulzer, wo sie seit heuer bereits als Vizepräsidentin waltet. Damit beerbt sie den früheren Siemens-Manager Peter Löscher. Ihre Wahl an der Generalversammlung im April 2022 gilt als Formsache, schliesslich soll sie mit dem Sulzer-Hauptaktionär Viktor Vekselberg gut auskommen. Sie sitzt ja auch im Verwaltungsrat des Anlagenbauer OC Oerlikon, der ebenfalls zum Portefeuille des russischen Investors gehört. Den Verwaltungsratssitz bei OC Oerlikon will Thoma nun aber abgeben.

Suzanne Thomas Wahl als Sulzer-Verwaltungsratspräsidentin hat für den Industriekonzern weitere, personelle Folgen: Grégoire Poux-Guillaume gibt den Chefposten ab. Der Franzose und Thoma hätten das Heu nicht auf derselben Bühne, schreibt die «Bilanz». Noch im Frühjahr 2018 hatte Poux-Guillaume viel Lob geerntet für sein Krisen-Management als Sulzer über Nacht US-Sanktionen unterworfen wurde. Vekselberg hielt via sein Investmentvehikel über 60 Prozent aller Sulzer-Titel, als er von den USA auf eine Sanktionsliste gesetzt wurde. Sämtliche von Vekselberg kontrollierten Unternehmen wurden damit zu «blocked persons» – und somit auch Sulzer. Wer mit dem Winterthurer Traditionsunternehmen geschäftete, verstiess gegen US-Sanktionen. In den USA wurden sämtliche Sulzer-Konten über Nacht eingefroren.

Trat als Sulzer-CEO zurück: Grégoire Poux-Guillaume

Trat als Sulzer-CEO zurück: Grégoire Poux-Guillaume

Keystone

Als Poux-Guillaume davon erfuhr, war er in einem Skigebiet um seinen Sohn bei einem Rennen anzufeuern. Er setzte sich ins Auto, fuhr nach Winterthur – und liess seinen Sohn alleine zurück. Poux-Guillaume half dann bei der Rettung von Sulzer mit. Vekselberg verkaufte via Renova rund 5 Millionen Sulzer-Titel an Sulzer selbst. Vekselbergs Anteil sank unter die magische Grenze von 50 Prozent – und Sulzer war von den Sanktionen befreit. Poux-Guillaumes Sohn musste allerdings mit dem Zug wieder nach Hause: mit zwei Paar Skiern, seiner kompletten Ausrüstung, sieben Stunden lang.

Die Nachfolgesuche läuft bei der BKW

Neuer Sulzer-CEO soll nun Frédéric Lalanne werden, derzeit Leiter der Division Flow Equipment, in welcher das Geschäft mit Pumpen, Kompressoren und Filter zusammengefasst ist.

Alpiq-Chef Antje Kanngiesser: Will sie zurück zur BKW?

Alpiq-Chef Antje Kanngiesser: Will sie zurück zur BKW?

ZVG

Die Nachfolge bei der BKW ist noch offen, der Nachfolgeprozess sei eingeleitet, heisst es bei der BKW. Firmenintern wurden Finanzchef Ronald Trächsel Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt, jedoch wird er nächstes Jahr schon 63 Jahre alt. Als halbinterne Lösung könnte die Rückkehr von Antje Kanngiesser gelten, welche die BKW erst im Führjahr verlassen hat, um den Chefposten bei Alpiq zu besetzen.