Finanzmarkt
Bank Linth rüttelt an ihrem Filialnetz: Ob es weitere Schliessungen gibt, hängt vom Verhalten der Kundschaft ab

Die Bank Linth ist auf bestem Weg, vollständig in ihre Muttergesellschaft, die Liechtensteinische Landesbank, eingebettet zu werden. Im Zuge der Digitalisierung und vermehrter telefonischer Beratung ist das Filialnetz nicht in Stein gemeisselt.

Thomas Griesser Kym
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Der Beratungsstandort der Bank Linth in Frauenfeld.

Der Beratungsstandort der Bank Linth in Frauenfeld.

Bild: PD

Voraussichtlich im vierten Quartal 2022 soll es so weit sein: Dann will die Bank Linth ihre Aktien für kraftlos erklärt haben lassen, und ihre Aktie soll an der Schweizer Börse dekotiert werden. Denn die Bank Linth soll vollständig in ihre Muttergesellschaft eingebettet werden, die Liechtensteinische Landesbank (LLB). Diese hatte dafür ein öffentliches Kaufangebot für alle Aktien der Bank Linth lanciert, die im Publikum lagen. Ausstehend sind nur noch wenige Papiere: Per 24. Mai 2022 meldete die LLB eine Beteiligung von 99,86 Prozent an der Bank Linth nach anfänglich 74,9 Prozent.

David Sarasin, Chef der Bank Linth, verspricht sich viel von der Einbettung in die LLB, wie er an der Semesterkonferenz sagte. Zum einen ist seine Regionalbank Teil eines mehrjährigen Investitionsprogramms in die Digitalisierung auf Gruppenebene, zum anderen erwartet er dank der Expertise der LLB und in Kooperation mit ihr zusätzliche Geschäfte. «Wir können auch in deutlich komplexeren Geschäftsfeldern tätig sein», kündigt Sarasin an, beispielsweise teilnehmen bei der Vergabe von Konsortialkrediten, bei Grossfinanzierungen oder bei der Beratung professioneller Anlagekunden.

Auf die Frage, ob dies mit zusätzlichen oder mit grösseren Risiken verbunden sein könnte, wiegelt Bank-Linth-Finanzchef Martin Kaindl ab:

«Wir werden nur tun, was wir kennen und können. Geschäfte werden einfach grössere Dimensionen annehmen, die Risiken nehmen deswegen nicht zu.»

Das Banking im Wandel der Zeit

Die Digitalisierung verändert auch die Bank Linth. Wie andere Geldinstitute entwickelt sie sich zur Beratungsbank. Das heisst, die Kundinnen und Kunden sollen einfachere Bankgeschäfte möglichst digital erledigen, via E-Banking, Mobile Banking oder an Geldautomaten. Für persönliche Beratung stehen Kundenberaterinnen und -berater zur Verfügung, sowohl physisch als auch vermehrt telefonisch.

Damit verbunden ist aber auch, dass die Bank Linth nur noch an vier Regionalsitzen, in Uznach, Rapperswil, Sargans und Lachen, fixe Öffnungszeiten für spontane Kundenbesuche anbietet. An allen anderen 13 Standorten ist Beratung am Ort nur noch nach Terminvereinbarung möglich, die Schalter sind geschlossen.

Physische Präsenz ist nicht sakrosankt

David Sarasin, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Linth.

David Sarasin, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank Linth.

Bild: PD

Und nicht ausgeschlossen ist, dass die Bank Linth auch ihr Filialnetz weiter zurückbaut. Die Filialen Erlenbach und Uetikon sind bereits zugesperrt worden. «Die Zukunft der übrigen Standorte hängt davon ab, wie stark sie von den Kundinnen und Kunden für die Beratung genutzt werden», wie Sarasin sagt:

«Falls die Nachfrage da und dort zurückgeht, müssen wir entscheiden, mit welchem Angebot wir am Ort bleiben. Diese Frage wird kommen.»

Vergrault die Bank Linth damit Kundinnen und Kunden, die weniger digitalaffin sind und auch beispielsweise Bargeld gern noch am Schalter beziehen würden? «Es wird einigen Leuten wehtun», umreisst Sarasin die Entwicklung. In Uetikon habe er einem Mann auf die Frage, ob die Bank Linth nicht mehr die Bank für den Göttibatzen sei, geantwortet: «Nein, das sind wir nicht mehr.»

Standort Frauenfeld entwickelt sich angeblich gut

Und Sarasin verweist auf die Filiale Frauenfeld, die die Bank 2018 eröffnet hat und die von Anfang an als Beratungsstandort ohne Schalter konzipiert war. Sarasin sagt:

«Kundinnen und Kunden, die das Lokale und Traditionelle an einer Bank schätzen, haben wir in Frauenfeld nicht akquiriert.»

Das gelte übrigens auch für die Filiale Winterthur, die bereits 2011 eröffnet worden war.

Doch der Beratungsstandort Frauenfeld laufe sehr gut. Sarasin sagt dies, obwohl von Konkurrenten, die schon lange in Frauenfeld ansässig sind, zu vernehmen ist, sie spürten die Bank Linth nicht oder kaum. Doch Sarasin sagt, die Filiale Frauenfeld gewinne «sehr stark in der Breite», also Kundinnen und Kunden «im ganzen Kanton Thurgau». Auch höre man, dass es schön sei, dass es die Bank Linth als Alternative gebe.

Im ersten Semester 2022 hat die Bank Linth den Gewinn um 11,7 Prozent auf 15,8 Millionen Franken gesteigert. Der Geschäftsertrag ging zurück, aber auch der Geschäftsaufwand sank. An Neugeld flossen der Bank netto 97 Millionen Franken zu, womit man auf Budgetkurs liege. Im Vorjahressemester waren es noch 160 Millionen Franken.