Digitale Schifffahrt
Hightech vom Bodensee: Rolls-Royce Power Systems macht Schiffe intelligent und autonom

Mit gleich drei Weltneuheiten will Rolls-Royce die Schifffahrt klimafreundlicher, effizienter und sicherer machen.

Stefan Borkert
Drucken
Die neuen Rolls-Royce-Produkte bieten Schiffen intelligente Unterstützung beim Navigieren.

Die neuen Rolls-Royce-Produkte bieten Schiffen intelligente Unterstützung beim Navigieren.

PD

Rolls-Royce Friedrichshafen hat unter seiner Marke MTU drei Weltneuheiten für die Schiffsautomation entwickelt. Es handelt sich dabei um Möglichkeiten der Fernbedienung, die intelligente Unterstützung der Besatzung und die digitalisierte Schiffssteuerung. Damit sollen die Schiffe auch umwelt- und klimafreundlicher über die Weltmeere kreuzen. Ausserdem werde die Sicherheit und Effizienz verbessert. Denise Kurtulus, Vizepräsident des Bereichs Global Marine bei Rolls-Royce Power Systems, sagt, diese Ergänzung des MTU-NautIQ-Produktportfolios sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Anbieter integrierter nachhaltiger Lösungen.

Der Rolls-Royce-Geschäftsbereich Power Systems mit seiner Marke MTU sieht sich als Vorreiter für klimafreundliche Antriebs- und Energielösungen in der Schifffahrt. Das Unternehmen wandelt sich derzeit vom Motorenhersteller zum Anbieter integrierter, nachhaltiger Lösungen. Mit dem aufgegleisten Nachhaltigkeitsprogramm werden gezielt klimaneutrale Lösungen gesucht.

Ab nächstes Jahr will Rolls-Royce Power Systems die ersten Baureihen der MTU-Motoren für nachhaltige Kraftstoffe wie E-Diesel und Biokraftstoffe der zweiten Generation freigeben und damit einen klimaneutralen Betrieb in fast allen Anwendungen ermöglichen. Ausserdem arbeitet das Unternehmen am Bodensee auch an neuen Technologien wie etwa CO2-freien Brennstoffzellensystemen.

Partnerschaft mit US-Firma

Die neuen Systeme sind mit Sea Machines Robotics entwickelt worden. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Boston und ist weltweit tätig. Das Unternehmen ist führend bei der Entwicklung von autonomen Steuerungs- und Wahrnehmungssystemen für die Schifffahrtsindustrie. Das 2015 gegründete Unternehmen stellt autonome Schiffssoftware und -systeme her, die die Sicherheit, Effizienz und Leistung von Schiffen, wie zum Beispiel Arbeitsbooten und kommerziellen Passagierschiffen, erhöhen.

Rolls-Royce Power Systems mit Hauptsitz in Friedrichshafen beschäftigt rund 9000 Mitarbeitende. Unter der Marke MTU vertreibt das Unternehmen schnelllaufende Motoren und Antriebssysteme für Schiffe, Energieerzeugung, schwere Land- und Schienenfahrzeuge, militärische Fahrzeuge sowie für die Öl- und Gasindustrie. Hinzukommen Diesel- und Gassysteme sowie Batteriecontainer für sicherheitskritische Anwendungen.

Ferngesteuert aus 3000 Seemeilen Entfernung

Bei den erstmals 2021 in Monaco vorgestellten Systemen handelt es sich um den MTU-NautIQ CoPilot. Je nach Betriebsart kann das System eine geplante Fahrt von Anfang bis Ende autonom steuern, während der Kapitän nur die Aufsicht hat. Alternativ kann das intelligente Assistenzsystem auch in einen sogenannten «Guide Mode» geschaltet werden, in dem es bewusst nicht in die Steuerung eingreift, dem Schiffsführer aber wichtige Hinweise liefert und vor Kollisionen oder Gefahren warnt. Das System ermöglicht eine präzisere und vorhersehbarere Navigation und trägt dazu bei, Kosten, Kraftstoffverbrauch und Emissionen zu senken.

MTU-NautIQ CoOperate ist ein optional autonomes Schiffnavigations- und Kommandosystem, das die Fernsteuerung von Schiffen einschliesslich aller Geräte an Bord ermöglicht. Das System hat sich kürzlich auf spektakuläre Weise in der Praxis bewährt. Rolls-Royce schreibt, dass der Schlepper Nellie Bly das System nutzte, um eine 1000 Seemeilen lange Rundreise von Hamburg um Dänemark herum und zurück zu absolvieren. Dabei wurde das Schiff aus dem etwa 3000 Seemeilen entfernten Boston in den USA ferngesteuert.

Das dritte Produkt MTU-NautIQ CoDirect ist ein drahtloses Fernsteuersystem, das die Motoren, die Steuerung und das Getriebe eines Schiffes sowie Maschinen an Bord wie Winden und Kräne aus einer Entfernung von bis zu 1000 Metern steuern kann. Dadurch kann die Schiffsbesatzung das Schiff vom besten Standpunkt aus bedienen. So kann beispielsweise ein Schlepper-Kapitän das Steuerhaus verlassen und sein Schiff von einem Standort mit besserer Sicht manövrieren.