Onlinehandel
In der Schweiz gibt es keinen klaren «Platzhirsch»: Wer wird zum «Schweizer Amazon»?

Onlinehändler öffnen ihre Portale vermehrt für externe Detailhändler und kämpfen so um Marktanteile. Für Konsumenten bedeutet das primär grössere Sortimente.

Gabriela Jordan
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Zalando will neu Schweizer Modehändler auf seiner Plattform zulassen.

Zalando will neu Schweizer Modehändler auf seiner Plattform zulassen.

Bild: Keystone

Digitec Galaxus und Microspot machen es schon, jetzt wollen auch Manor und Zalando mitmischen: Sie bieten auf ihren Onlineshops nicht nur eigene Produkte und Sortimente an, sondern öffnen den Zugang für externe Händler. Damit bewegen sie sich weg vom reinen Händler und hin zu einem Marktplatz à la Amazon – und hoffen dadurch auf mehr Reichweite und Marktanteile. Der Kampf um Kunden, der sich seit Ausbruch der Pandemie und dem damit einhergehenden Onlineboom ohnehin schon zugespitzt hat, geht somit in eine weitere Runde.

Denn während in vielen anderen Ländern Amazon der dominante Player ist, gibt es in der Schweiz keinen so klaren Platzhirsch. Mit Digitec Galaxus und Microspot, die zur Migros- respektive Coop-Familie gehören, Brack, Zalando, den chinesischen Plattformen Aliexpress und Wish sowie Amazon.de ist hierzulande eine ganze Reihe von Onlinehändlern aktiv. Als Marktplatz ist jedoch vor allem Digitec Galaxus bedeutend. Die Migros-Tochter ging damit bereits vor fünf Jahren live und erzielt heute einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Franken – einen beträchtlichen Teil mit Produkten von den über 300 externen Händlern.

Grösseres und lokaleres Sortiment

Für Konsumenten bedeutet das Marktplatzmodell, dass sie aus einem grösseren Sortiment auswählen können. Bei Digitec Galaxus hat sich die Anzahl Produkte seit der Lancierung von knapp 300'000 auf heute über 3 Millionen vervielfacht. Laut dem Unternehmen reicht das Angebot von Wanderschuhen von Bergzeit bis zu Ohrringen von Helen Kirchhofer. Bei Microspot gibt es in erster Linie Produkte aus dem Coop-Imperium wie Import Parfumerie, Livique und Lumimart zu kaufen, seit einer Weile sind jedoch auch Dritthändler wie Orell Füssli oder click and beauty zugelassen.

Und jetzt lassen also auch Manor und Zalando externe Händler zu: «Manor vergrössert dank Marktplatz sein Onlineangebot», teilte die Schweizer Warenhauskette vergangene Woche mit. Bis Ende 2021 sollen «100 ausgewählte Partner mit Artikeln aus den Hauptkategorien Mode, Haushalt und Beauty die Produktevielfalt verdoppeln». In einem zweiten Schritt sei ein Ausbau der Kategorien Multimedia, Spielzeug und Sport geplant.

Zalando fokussiert sich ganz auf Mode – und will mit dem Marktplatz offenbar auch lokaler daherkommen. Die deutsche Modekette plant, Schweizer Läden in ihre Plattform zu integrieren und einen Filter einzuführen, mit dem die hiesige Kundschaft direkt nach Produkten von Schweizer Läden suchen kann. Welche und wie viele das sein werden, nennt Zalando noch nicht. Als Zielgrösse gibt das Unternehmen an, bis Ende 2021 in allen relevanten Märkten 6000 Geschäfte an die Plattform anbinden zu wollen. Stand heute seien es 4000 Geschäfte in elf europäischen Märkten.

Provision für Anbieter, Sichtbarkeit für Dritthändler

Das Marktplatzmodell ist für die Unternehmen aus mehreren Gründen vorteilhaft: Nebst Reichweite winkt ihnen eine Provision von den Dritthändlern. Wie hoch diese ist, hängt von der Produktgruppe und wohl auch von Verhandlungen ab. Laut Branchenkennern wird den Partnern 5 bis 25 Prozent des Verkaufspreises verrechnet. Bei Zalando sollen die Gebühren für die lokalen Detailhändler bis Ende Jahr tiefer als bei üblichen Marktplatzmodellen sein, wie das Unternehmen betont.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Marktplatzanbieter nicht um die Logistik kümmern und auch keine Warenbestände aufbauen müssen. Das erfolgt in der Regel über die Dritthändler oder Partnerfirmen. Je nachdem kann es also sein, dass man als Kunde mehrere Pakete pro Warenkorb zugeschickt bekommt.

Im Gegenzug kann es für die Dritthändler interessant sein, Produkte auf den gut besuchten Onlineportalen anzubieten. Strategisch geht es dabei wohl eher darum, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, als einen wichtigen neuen Vertriebskanal aufzubauen. Als Gegenleistung für die Gebühren kümmert sich der Marktplatzanbieter zudem um den Kundendienst, die Zahlungsabwicklung oder allfällige Retouren.

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