Arbeitslosigkeit
Ökonom warnt: «Arbeitslosenrate wird weiter steigen»

Ende November waren in der Schweiz 6531 mehr Menschen ohne Arbeit als einen Monat zuvor. Experten prognostizieren einen weiteren Anstieg.

Marc Fischer
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Bauarbeiter in Aktion - Die Konjunkturaussichten sind gemäss den Experten weniger düster als erwartet (Symbolbild)

Bauarbeiter in Aktion - Die Konjunkturaussichten sind gemäss den Experten weniger düster als erwartet (Symbolbild)

Keystone

Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) waren Ende November 2012 132067 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben. Das waren 6531 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg damit von 2,9 Prozent im Oktober 2012 auf 3,1 Prozent im November. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 10958 Personen oder 9 Prozent.

Der Anstieg der Arbeitslosenrate kommt nach den zahlreichen Massenentlassungen und den angekündigten Abbauplänen von grossen Schweizer Firmen wie UBS, Swiss Life, Lonza oder Meyer Burger nicht überraschend. Experten bringen den Anstieg aber auch mit saisonalen Effekten zusammen, da in den Herbst- und Wintermonaten etwa im Strassen- oder Hausbau weniger Menschen tätig sind.

«Der Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahreswechsel ist der Saisonalität geschuldet», sagt Bernd Hartmann, Leiter Investment Research der VP Bank. Aber auch saisonal bereinigt weise die Arbeitslosenquote bereits seit Längerem einen steigenden Trend auf. «Trotz einer allmählichen Stabilisierung der Vorlaufindikatoren dürfte die realwirtschaftliche Entwicklung noch keinen Boden gefunden haben», so Hartmann.

Auch der überraschend starke Anstieg des Bruttoinlandprodukts der Schweiz im dritten Quartal um 0,6 Prozent dürfe nicht überschätzt werden. «Das starke Wachstum im dritten Quartal vermittelt ein deutlich zu optimistisches Bild», so Hartmann. Das Wachstum sei keinesfalls nachhaltig. «Die Anspannung am Arbeitsmarkt wird noch weiter zunehmen, ehe die Schweizer Wirtschaft wieder etwas an Fahrt gewinnt», so Hartmann.

Ähnlich sieht das David Marmet, Ökonom bei der Zürcher Kantonalbank: «Die Arbeitslosenrate dürfte in den kommenden Monaten weiter steigen», so Marmet gegenüber der «Nordwestschweiz». Allerdings nur moderat. «Wir rechnen damit, dass die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im ersten Halbjahr 2013 bei 3,3 Prozent einen Höhepunkt erreichen wird», so Marmet.

Bisher war die Schweizer Konjunktur von einer Zweiteilung geprägt. Während der Binnenkonsum erstaunlich stark war, neigte die Exportwirtschaft zur Schwäche. «Diese Kluft dürfte sich nun schliessen», so Marmet. Das heisst: Er rechnet damit, dass sich die Exporte stabilisieren werden, der Binnensektor dagegen an Kraft einbüssen wird.

Denn der jüngste Einkaufsmanager-Index für die Schweiz hatte signalisiert, dass im November die Lager von Industrie-Unternehmen stärker als erwartet abgebaut worden sind. Ein erneuter Aufbau der Lagerbestände könnte deshalb im vierten Quartal des laufenden Jahres für positive Wirtschaftsimpulse sorgen. Das würde vor allem die Export-Industrien betreffen, weshalb in diesem Bereich eine Stabilisierung zu erwarten ist.

Die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) erhöhte sich gemäss den heute Seco-Zahlen um 252 Personen (plus 1,3 Prozent) auf 19699. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht dies einem Anstieg um 1614 Personen. Insgesamt wurden 188311 Stellensuchende registriert, 9779 mehr als im Vormonat. Gegenüber der Vorjahresperiode stieg diese Zahl damit um 10630 Personen.

Die Zahl der bei den RAV gemeldeten offenen Stellen erhöhte sich um 150 auf 15876 Stellen. Im September 2012 waren 6562 Personen von Kurzarbeit betroffen, 1383 Personen mehr (plus 26,7 Prozent) als im Vormonat. Die Anzahl der betroffenen Betriebe erhöhte sich um 117 Einheiten (plus 25,4 Prozent) auf 577. Gemäss vorläufigen Angaben der Arbeitslosenversicherungskassen belief sich die Zahl der Personen, welche ihr Recht auf Arbeitslosenentschädigung im Verlauf des Monats September 2012 ausgeschöpft hatten, auf 2401 Personen.

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